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Festival: Sick Midsummer Austria V

We’ll bi bäck!

Sick Midsummer V

Dieses kleine, aber extrem feine Festival war meine Entdeckung des Jahres 2013, und da war schon klar, dass wir vier unerschrockene Münchner uns auch zum fünften Geburtstag des Sick Midsummer Austria wieder auf den Weg ins Salzkammergut machen würden. Allein die Anfahrt ist schon das pure Vergnügen: Es geht auf konstant schlechter werdenden Straßen immer weiter bergauf, und wenn man nur noch Schotter unter den Reifen hat und sich am Anus Mundi wähnt, ist man fast da. Dieses Jahr hielten wir uns jedenfalls strikt ans Navi und wurden dafür mit einer Streckenführung belohnt, die nicht quer durch irgendwelche Gehöfte führte – allerdings hatten wir dafür auch schon letztes Jahr einiges an Benzin- und Lehrgeld gezahlt. Dieses Jahr hatten wir das Vergnügen, nichts ahnend um eine Kurve zu biegen, nachdem man von riesigen Landmaschinen bedrängt wurde, und plötzlich vor einem weißen Transporter zu stehen, dessen Insassen fröhlich mit einem Eingeborenen am Wegesrand diskutierten und offensichtlich Routeninformationen austauschten. Der Bus wendete schließlich in der Einfahrt, und siehe da: Die Herren von der Selbstentleibung fuhren den Berg wieder hinunter. Wir heizten fröhlich winkend vorbei und nahmen die Zeit: 30 Minuten schneller. Ein Hoch auf das GPS!

Der Ausblick von dem 800 Meter hoch gelegenen Festivalgelände ist so schön, dass einem auf dem Weg vom Parkplatz zum Einlass die Augen tränen. Sonnenschein und 25 Grad, was will der Mensch mehr? Außer Black Metal, versteht sich! Und der wurde uns dann pünktlich um 15 Uhr von Mammon um die Ohren geblasen! Die Band aus Linz gibt es seit 2012 und besteht aus Matthias Gierlinger (Gitarre), Max Gierlinger (Vocals und Bass) sowie Moe Harringer (Drums) und beglückte bei strahlendem Sonnenschein eine beachtliche Anzahl Gäste, die sich aus dem schützenden Schatten vor die Bühne wagten, mit ihrem groovigen Black’n’Death Metal, der einfach sofort in den Nacken geht. Phosphoros heißt die erste EP der Linzer, die a) bei Bandcamp zu hören ist, b) in keinem gut sortierten CD-Regal fehlen sollte und c) auch live richtig gut kesselt, wie Songs wie „Rex Regum“ oder das titelgebende „Phosphoros“ unter Beweis stellten. Nach einer guten halben Stunde war der Spaß dann leider wieder vorbei – wenn es nach mir gegangen wäre, hätten die gerne nochmal so lang spielen dürfen. Unsere Hüte ziehen wir kollektiv vor Drummer Moe, der offensichtlich mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, auf die Bühne hinkte und streckenweise die Zähne zusammenbeißen musste – und nichtsdestotrotz bis zum Schluss durchgehalten hat. Chapeau!

Stuttgarter Brachialien und niederbayerisches Schwarzmetall

Under Destruction gewinnen den Preis für den lustigsten Bandnamen, machen melodischen Death Metal mit Nackenschmerzengarantie und hatten im Durchschnitt die kürzesten Haare seitens der anwesenden Musiker. Spaß machten die fünf Herren aus der Weststeiermark, namentlich Daniel (Shouts), David (Lead Guitar), Christopher (Gitarre), Stefan (Bass) und Stefan (Drums), auch den Stubenhockern, die lieber im Haus (und im Schatten) blieben und halt etwas weiter hinten kollektiv die Haare schüttelten. Origin nennt sich der neuste musikalische Output, der allerdings auch schon wieder zwei Jährchen auf dem Buckel hat und durchweg positive Kritik einfuhr. Und das völlig zu recht, denn die Devise lautet bei Under Destruction, wie sich die Meute auf dem Sick Midsummer überzeugen konnte: „Wie aus der Konserve, so auch auf der Bühne“. Stücke wie „Nitrogen Narcosis“ oder „Traitor“ sorgten jedenfalls für die zeitlose Föhnfrisur durch Haareschütteln, das Ganze serviert bei gefühlten 90 Grad im Schatten. Abgerundet wurde der Auftritt dann von Nackenbrechern wie „Rapture“, das gleich als erster Song gespielt wurde, oder dem genialen „Origins of the Blight“. Um die eingangs erwähnte Devise zu überprüfen, empfiehlt sich jedenfalls ein Blick auf die Homepage des Quintetts, auf der man Origins probehören kann. Von den Bühnenqualitäten müsst ihr euch dann selbst überzeugen – mein persönlicher Konzerthöhepunkt wäre ja ein Auftritt von Under Destruction zusammen mit Pequod, aber ich fürchte, danach kann ich meinen Kadaver einsargen lassen, sollte er je gefunden werden!

Stubenhocker! Das Publikum bei Under Destruction

Szenenwechsel: Von den fröhlichen Landen des melodischen Todesmetalls zu den gefrorenen Ebenen niederbayerischen Schwarzmetalls waren es an diesem Nachmittag gerade mal 20 Minuten. Morgengrau gehörten zu den Kapellen, auf die ich mich im Vorfeld schon gefreut habe, nicht nur, weil die Herren aus meiner niederbayerischen Heimat Niederbayern stammen, sondern auch, weil sie musikalisch für mich hochinteressant sind. Zuerst allerdings die schlechte Nachricht: Gitarrist Apophis lag mit einer fiesen Seuche darnieder und konnte leider nicht auftreten (Gute Besserung!). Die gute Nachricht: Morgengrau haben endlich einen Bassisten, der sich richtig gut neben Lupus Infernus Occultus (Vox), Vultus (Gitarre) und Necrodaemon (Drums) machte und, soweit ich es verstanden hatte, beim Sick Midsummer seinen Einstand gab. Die 2013er EP Schattenzeiten jedenfalls muss noch ohne ihn auskommen, lohnt sich aber auf jeden Fall als richtige Perle schwarzmetallischer Klangkunst (Hörprobe gibt’s auf dem Morgengrau-Kanal auf YouTube). Mit Schattenzeiten legten Morgengrau dann auch zügig los, die ersten Songs, „Vom Dasein meiner kalten Seele“ und „Kalte Finsternis“ entstammen diesem Silberling, dem hoffentlich bald ein zweiter folgen wird. Material wäre dafür jedenfalls vorhanden und hat auch das nötige Potenzial, wie die nachfolgenden Songs eindrucksvoll bewiesen. Auch beim Publikum kamen die Niederbayern gut an, und dank des Schattens, der inzwischen auch vor der Bühne herrschte, konnte Lupus Infernus Occultus die Huldigungen der Masse direkt entgegennehmen. Morgengrau haben mich, trotz personellem Ausfall, nicht enttäuscht, und ich freue mich darauf, die Niederbayern am 19.7. auf dem Bavarian Metal Meeting im Loft zu München wiederzusehen – dann aber in voller Besetzung, hoffe ich!

Die Auswirkungen des Schwarzmetalls auf die heimische Tierwelt – eine Feldstudie

Dank der zwanzigminütigen Umbaupausen war das komplette Festivial angenehm entzerrt, und zwischen den Gigs blieb jede Menge Zeit für das unglaublich leckere Essen (Chili con Carne und irgendwas Indisches; Wurst- und Käsesemmeln, Kaffee und Kuchen – alles da!), das es für den schmalen Taler ein Haus weiter (in der Chillout-Scheune) zu erwerben gab. Und wie auch schon im letzten Jahr blieb nach der Nahrungsaufnahme noch genügend Zeit, sich ein bisschen auf dem doch recht übersichtlichen Gelände umzuschauen. So feierte die Autorin in diesem Jahr ein Wiedersehen mit den nebenan grasenden Ponys, die sich obendrein vermehrt hatten. Inwiefern die Farbgebung bei den Fohlen von der dargebotenen Musik geprägt wird, bleibt zu überprüfen, und ich gehe schwer davon aus, dass wir nächstes Jahr Gelegenheit haben werden, diese Studie fortzusetzen! Wo wir gerade schon dabei sind, nutze ich die kleine Verschnaufpause vor Crimson Death, um zwei, drei allgemeine Dinge zu sagen: Auch 2014 war das Sick Midsummer eine unglaublich entspannte Angelegenheit, vom Abholen der Presse-Pässe übers Essen bis hin zu einem netten Plausch mit Merchern und Organisatoren. Publikum und Veranstalter sind große Klasse, die Dixis (hier präsentiert von Münchner Nummer 3) bleiben bis zum bitteren Ende sauber und stets mit Papier versorgt; die Pausen zwischen den Konzerten sind nicht zu lang und nicht zu kurz, und generell ist einfach alles spitze! Auch am Sound gibt es nichts auszusetzen; und alles, was beim ersten Song noch nicht optimal klingt, wird nachjustiert, dass es passt. Da kann sich so mancher Mischer mal ne Scheibe von abschneiden! Ein herzliches Dankeschön! gleich hier und jetzt an Patrick und seine Mannen für die Akkreditierung und überhaupt alles!

Wo war ich? Ach ja, Crimson Death aus Stuttgart. Beim Schreiben der Ankündigung stieß ich da auf folgende Zeilen, die ich euch nicht vorenthalten will: „Death Metal und gutes Aussehen – Wie passt das zusammen? Wer die Jungs von CRIMSON DEATH kennt, weiß um den Sexappeal der tödlichen Todesmetaller! Nicht umsonst werdet Ihr so viele weibliche Fans vorfinden, wie in keinem anderen Death Metal Publikum. Neben der Optik bieten CRIMSON DEATH auch puren Sex für die Ohren! Wer das nicht glaubt, kann sich auf einem Konzert der Schwaben gerne selbst davon überzeugen.“. Dazu bleibt mir nur eins zu sagen: Stimmt! Crimson Death sehen adrett aus, brachten GoGo-Tänzerinnen mit, die für ordentlich Stimmung im Publikum sorgten, und ließen sich auch nicht durch Zwischenrufe („Spiel mal was Schönes!“) seitens obstinater Bayern (lies: von mir) aus dem Takt bringen. Stattdessen heizten die tödlichen Schwaben um Fronter Patrick (Gitarre und „Gesang“) ordentlich ein – nicht, dass es nötig gewesen wäre, es herrschten immer noch Temperaturen, bei denen man Brezn hätte backen können, aber hübsch anzusehen war’s auf jeden Fall. Für Abkühlung auf der Bühne sollte allerdings der Wind gesorgt haben, der entsteht, wenn sehr viele Langhaarige die Matte in Richtung Musiker schütteln, und dieser Tätigkeit frönten eine ganze Menge Menschen mit sichtlichem Vergnügen, denn der ziemlich griffige Death Metal der Schwaben lässt wahrlich keine Frisur ganz. Die Stuttgarter arbeiten derzeit am neuen Album Social Born Killer, der die Geschichte von Evil Joe, einem Serienkiller und Protagonist einiger Crimson-Death-Songs, weitererzählen wird. Klingt komisch, ist aber so: Auch beim Death Metal soll’s ja Konzeptalben geben. Live sind Crimson Death jedenfalls die Wucht in Büchsen (ja ja – AUCH akustisch!) und daher jedem ans Herz gelegt, der auf der Suche nach eingängigem Death Metal mit jeder Menge Auf-die-Fresse ist!

Folkloristische Klänge aus dem Osten und Pechvögel

Panychida waren ein bisschen die Exoten auf einem Festival, das sich primär aus deutschen und österreichischen Bands speist, mit okkasionellen nordischen Einsprengseln: Vlčák (Vox), Sinneral (Gitarre 1), Honza V. (Gitarre 2), Talic (Bass) und Honza K. (Drums) kommen aus dem schönen Pilsen und machen Folk Black Metal. Dabei scheuen die Herren auch nicht vor dem Einsatz traditioneller Instrumente zurück, die man so nicht unbedingt auf einem Black-Metal-Album erwartet. Nach den Geschwindigkeitsgranaten von Crimson Death nahmen die Čechen den Fuß vom Gas und sorgten stattdessen für eine zum greifen dichte Atmosphäre. Und merkten sich dabei die Gesichter der Anwesenden, wie eine kurze Konversation, Stunden später anlässlich eines Feuerzeugs geführt, zeigte: „I saw you standing there! You looked entertained!“ – Yes, indeed, I was! Denn, auch wenn die Wortkombination „traditionelle Instrumente“ mich sonst eher abschreckt, gelingt Panychida (was im Übrigen so viel wie Totenmesse bedeutet), was sonst nur wenige schaffen: Mich mit Leier und Clear-Gesang ebenso zu unterhalten wie mit fiesem Geschredder und bösartigem Kreischen. 2013 erschien das aktuelle Album Grief for an Idol via Folter Records, das man sich hier anhören kann. Das Publikum fiel zu Beginn noch etwas spärlich aus, schätzungsweise war wohl einfach Abendessenszeit … So oder so, Panychida können sich hören lassen!

Darkfall waren die Pechvögel des Sick Midsummer: Nach einem stimmungsvollen Intro hielt das Pedal gerade 30 Sekunden den Belastungen, hervorgerufen durch Drummer Thomas Kern, stand, ehe es den Heldentod starb. Erst beim zweiten Anlauf klappte es nach dem Intro mit „Phoenix Rising“, allerdings zogen Darkfall dann auch am Gashebel und wickelten den Gig mit so wenig Verzögerung als möglich ab. Seit 1995 gibt es das Quintett aus Graz schon, und erst 2013 erschien mit Road to Redemption das erste Full-length-Album, nach zahllosen Demos und EPs. Dementsprechend wurden ältere Gassenhauer wie „Land of no Return“ euphorisch abgefeiert, aber auch neueres Material kam keinesfalls zu kurz. Darkfall stellten sich zudem nicht nur als Pechvögel heraus, sondern auch als die heimlichen Könige der Publikums-Animation: Alle drei Minuten wurde ein neuer Takt vorgegeben, der dann von allen Anwesenden begeistert mitgeklatscht und –gesungen wurde, was dazu führte, dass ich mir ein wenig wie bei einer schrägen und lauten Form von Gruppengymnastik vorkam, nach der man dazu noch heiser ist. Darkfall haben sich ihren Applaus auf jeden Fall verdient, denn die Herren überzeugten mit ihrem thrashigen Death Metal, zu dem man sich schön den Kopf abschrauben kann, auf der ganzen Linie. Aufgrund der bereits erwähnten technischen Probleme war der Gig dann nach „Peacemaker“ schon beendet – schade, tolles Konzert, Jungs!

Einmal Selbstentleibung zum Abgehen, bitte!

Als Selbstentleibung die Bühne enterten, war jedem klar, wer der heimliche Headliner beim Sick Midsummer 2014 ist: In dem Innenhof vor der Bühne war nicht ein Meter Platz mehr, als Tötung und seine Mannen loslegten. Platz schafften sich die ersten vier Reihen vor der Bühne allerdings umgehend, denn bei Einsetzen der Musik tat sich da vorne die Hölle auf in Form eines amtlichen Moshpits, bei dem kein Auge trocken blieb: Selbstentleibung, praktisch umgesetzt eben. Wie auch schon in München vor knapp vier Wochen boten Selbstentleibung diesen unglaublich kraftvollen Sound, der irgendwo zwischen Depression, Angst, Hass und grenzenloser Wut angesiedelt ist und nicht nur live ordentlich kracht, sondern auch auf Platte für eine ganz spezielle Stimmung sorgt (wie zuletzt mit dem Album Null | Negativ bewiesen). Das ist tatsächlich jedes Mal ein Kunststück, das Selbstentleibung geradezu mühelos gelingt: Alle Anwesenden, von der ersten bis zur letzten Reihe an der Bar, in ihren Bann zu schlagen und diese ganz eigene Stimmung zu erzeugen, die dich erst einsaugt, dann ordentlich durchkaut und nach knapp einer Stunde wieder ausspuckt. Mit dem, was zurückbleibt, musst du dann selbst irgendwie klarkommen …

Wer nach einer solchen Band auf die Bühne muss, hat es ziemlich schwer, zumal das Publikum noch vollkommen traumatisiert ist. Thirdmoon stellten sich dieser Aufgabe mit ganz eigener Verve, jeder Menge Selbstbewusstsein und machten ihre Sache wirklich gut. Kein Wunder: Thirdmoon werden dieses Jahr 20 und haben damit schon das ein oder andere Jährchen auf dem Buckel, was sich sicherlich auch in Sachen Performance niederschlägt, immerhin haben die Herren nach eigenen Angaben gerade mal zwei Durchgänge im Proberaum hingelegt, um sich auf dieses Konzert vorzubereiten. Zum Glück bestand im Backstage-Bereich auch kein Mangel an Bier, sodass Thirdmoon alles reibungslos durchziehen konnten. Man ist ja immer versucht, Dinge zu schreiben wie „… eine Mischung aus altem und neuem Material“, allerdings wäre das im Falle Thirdmoons, deren letzter Silberling das 2007er Album Dimorphic Cynosure war, wohl nicht ganz angebracht. Deswegen: Geboten wurde eine Mischung aus altem und älterem Material, wobei streckenweise drei Gitarren zu hören waren, ohne dass das Liedgut überlastet wirkte. Der melodische Death Metal ging gut ins Ohr, und, Bühnenabstinenz hin oder her, Thirdmoon erweckten den Eindruck, als hätten sie durchweg Spaß an der Sache – auch wenn vor der Bühne schon die Verlobte wartete, in deren Arme Sänger Wolfgang nach eigenen Bekunden gerne schnellstmöglichst zurückzukehren wünschte. Bevor die Liebenden wieder glücklich vereint waren, gab es knapp eine Stunde Konzert, das Laune auf mehr gemacht hat!

Schwedenstahl und Betthupferl

Wer bei Valkyrja an paganes Liedgut nordischer Provenienz denkt, liegt nur zu 50 % richtig: Zwar hat man es mit einer Band aus Stockholm zu tun, allerdings haben die mit Heidentum nix am Hut. Stattdessen bieten die vier Schweden S. W. (Gitarre), A. L. (Vox), Jocke Wallgren (Drums) und V. P. (Bass) seit 2004 abgrundtief böses Schwarzmetall vom Feinsten, das sich textlich vor allem um die schwärzesten Emotionen, zu denen die menschliche Seele fähig ist, dreht. Dementsprechend lief auch das Konzert ab: Interaktion mit dem Publikum? Wird völlig überbewertet! Rausgehen und Gas geben lautete die Devise bei Valkyrja, und mich haben die Schweden damit absolut erreicht: Stillstehen und Konzert angucken is nich, stattdessen flog das bisschen Haupthaar, das ich noch habe. Zuletzt erschienen ist 2013 das Album The Antagonist’s Fire, das mit Stücken wie „Treading the Path of the Predator“ eines ganz klar ansagt: Gefangene werden hier nicht gemacht. Pause fürs Publikum? Fehlanzeige! Über eine Stunde lang hauten uns die Schweden alles um die Ohren, was sie hatten. Trotz fortgeschrittener Uhrzeit (es ist immerhin schon nach 22 Uhr!) kam keine Müdigkeit beim Publikum auf, auch wenn es mich doch etwas erstaunte, dass die Reihen schon arg gelichtet waren und der ein oder andere offenbar lieber in der Chillout-Area abwartete, was der Abend noch so bringen würde. Valkyrja jedenfalls ist eine grandiose Live-Band und war ein echtes Schmankerl, das uns da präsentiert wurde – danke dafür!

Als letzte Band traten Thyrgrim aus Oberhausen an, die auf den ersten Blick vor allem eins sind: Verdammt groß und verdammt muskulös. Der Bassist sieht aus wie der Juggernaut (wenn der mal beschleunigt, biste besser woanders!), neben dem der normal große und normal proportionierte Klampfer wie ein Hänfling wirkt; definitiv im Zentrum steht ein Mann mit Mikro, für den das Wort „Hühne“ erfunden werden müsste, hätten wir es noch nicht im Vokabular. Visuell jedenfalls hatte Sänger Kain meine vollste Aufmerksamkeit, und akustisch machten die Mannen auch einiges her: Songs wie „Kniet nieder“ oder „Des Menschen Feind“, beide vom aktuellen Album Erwachen, ließen mich die doch recht vorgerückte Stunde (Thyrgrim hatten fast vierzig Minuten Verspätung, was nicht an der Band lag, sondern sich eben so über den Tag hinweg angesammelt hatte) vergessen. Gespielt wurde schneller Black Metal, kalt wie ein Schneesturm, der über karge Felder fegt, mit überwiegend deutschen Texten, und somit ein musikalisches Betthupferl ganz nach meinem Geschmack (nachzuhören im Übrigen bei Soundcloud). Dabei sind Thyrgrim ein gutes Stück melodischer als ihre Vorgänger Valkyrja und können, im Gegensatz zu den Schweden, auch mal ganz ruhig, etwa bei „Bare døden“. Live wirklich ein Augen- und Ohrenschmaus waren Thyrgrim der gelungene Abschluss für einen gelungenen Festivaltag!

Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Das Sick Midsummer Austria ist das entspannteste und großartigste Festival, das zu besuchen ich das Vergnügen hatte. Auch beim zweiten Mal war die Bandauswahl vom Feinsten, die Leute unglaublich nett, die Atmosphäre wirklich einzigartig (wir haben bereits Wetten darüber abgeschlossen, wann die Bauarbeiten am Haus beendet sein werden!), das Essen spitze, die Musik laut und überhaupt alles einfach großartig!
Zwei Minuspunkte habe ich dann doch noch gefunden: Zum einen bieten die Dixis leider keine Möglichkeiten, sich die Hände zu waschen – da war der Bauwagen besser! Und zum anderen gab es leider keinen Kuchen ohne Mandeln, Nüsse und sonstiges Obst, und als Hardcore-Allergiker bekam ich nichts von den unfassbar lecker aussehenden Süßspeisen ab. Das wäre ein Umstand, den es meiner Meinung nach schleunigst abzuschaffen gilt. Ich empfehle da immer einfache Rezepte wie Marmorkuchen oder so – als kleine Anregung für 2015! Aber das ist jetzt wirklich auf hohem Niveau gejammert. 

Danke, danke, danke an Orga, Bands, Personal, Fans – ihr seid spitze! 

:mosch::mosch::mosch::mosch::mosch:

Mehr Bilder hat The Doc für euch auf Flickr! 

 

Setlisten Sick Midsummer 2014

Mammon:
Rex Regum
Disillusioned
A Monument to Hypocrisy
Phosphoros
Peasants
Superstitio Illicita

Under Destruction:
Intro
Rapture
Nitrogen Narcosis
Declaration
Fire (Guardians Pt. 1)
Traitor
Ice (Guardians Pt. 2)
Origins of the Blight
Truth – Mercy – Regret

Morgengrau:
Intro
Vom Dasein meiner kalten Seele
Kalte Finsternis
Stimme der Vergeltung
Höllenfeuer
Epitaphe

Crimson Death:
Breaking out to kill
Rotten Kingdom
Awakening
Once They Tasted Blood
Starving
Chainsaw Forever
I am Death

Darkfall:
Intro
Phoenix Rising
War has come
Fading away
The Gods await
Rise to Dominate
Land of no Return
Misery of Peace
Peacemaker
Echoes from the Past

Thyrgrim:
Verräter
Die Erlösung
Des Menschen Feind
Bare døden
Kniet nieder
Endzeit
Mørket av Frykt

Bilder: The Doc

Mehr davon: klick!

Glückliche Kinder: Nekrist auf dem Sick Midsummer Austria 2014

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1 Antwort
  1. Michael
    Michael says:

    Das ist ja nun so überhaupt nicht meine Musikrichtung, aber es ist so packend und blumig geschrieben, das ich den Bericht trotzdem zu Ende lesen musste. Ein Highlight eines Konzertberichts. :)

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