Festival: X. Amphi-Festival, 26. / 27. Juli 2014, Tanzbrunnen Köln – Sonntag

amphi-11Schwül und heiß ging der Sonntag weiter, doch ich schleppte mich schon früh aufs Gelände, immerhin standen Solar Fake (wieder mal viel zu früh, wann werden die endlich mal später eingeplant?) auf dem Programm, die mir mit ihrer Musik und grundsympathischen Ausstrahlung zuverlässig Instant-Glücksgefühle bereiten. So auch an diesem Tag wieder: Die Sonne brannte, meine Haut rötete sich trotz Sonnencreme, aber alles egal, „Parasites“, „Where are you“, „One step closer“, „Reset to default“ und alle anderen Songs, zusammen mit dem großartig singenden Sven Friedrich und dem ungeheuer agilen Keyboarder Andre (leider scheint Frank jetzt offiziell nicht mehr dabei zu sein) machten auch diesen Auftritt wieder zu etwas Besonderem. Mit dieser Meinung war ich sicher nicht allein, denn der Platz vor der Außenbühne war äußerst gut gefüllt. Ein wunderbarer Einstieg in den zweiten Amphi-Tag! 


amphi-12Nicht ganz so melodisch und spontan mitreißend ging es weiter, Klangstabil sind doch ein wenig sperriger, die muss man sich erarbeiten, auf die muss man sich einlassen. Ich gestehe, mich in letzter Zeit ein wenig an ihnen abgehört zu haben, da „You may start“, „Math and Emotion“ und „Schattentanz“ wirklich auf quasi jeder Party laufen und mir das schon ein wenig zu viel wurde. Live hat das Ganze jedoch noch mal eine ganz andere Qualität und Atmosphäre, und auch wenn Klangstabil zu Beginn des Auftritts ebenfalls mit großen Soundproblemen zu kämpfen hatten („Sorry, aber wir können hier ja auch keinen Soundcheck machen, hoffentlich läuft jetzt dann alles.“ – sinngemäß zitiert), war dann spätestens bei „Math and Emotion“ alles so, wie es sein sollte. Über „Push yourself“ und „You may start“ baute sich dann eine wirklich schöne Stimmung im Staatenhaus auf, die mit dem tatsächlich großartigen „Schattentanz“ noch gesteigert wurde. Gänsehaut pur. 

amphi-13Danach blieb ich gleich im Staatenhaus und postierte mich so weit vorne wie möglich vor der Bühne – The Exploding Boy aus Schweden standen auf dem Programm. Vor zwei Jahren in Leipzig hatte ich sie schon gesehen, seither liebe ich diese Band, deren Auftritt auch mein Highlight auf dem diesjährigen Amphi war. Ganz in weiß gekleidet („It’s fucking hot out there! You should try it!“) kamen die vier Stockholmer auf die Bühne und entfachten von der ersten Minute an ein großartiges Feuerwerk aus Gitarren- und Synthsounds sowie diesen unnachahmlich melancholisch-wunderschönen Melodien. Vollkommen anders als alles, was sonst so auf dem Amphi lief, und gerade deswegen großartig. Vollkommen entspannt, ohne große Show, aber mit viel Herzblut und Intensität zockten die vier weißen Herren herzzerreißend schöne Songs wie „Heart of Glass“, „Street Cliché“, „London“, „Torn, „Dark City (Pt 2)“ oder „Here comes the Rain“. Ungeheuer sympathisch waren auch die kurzen Plaudermomente von Gitarrist/Sänger Stefan: „Come to our signing session later, but we have to keep it quite short. We HAVE to see Apop.“ oder „Anyone seen Midge Ure yesterday? Epic.“ Und – man glaubt es kaum – der Sound war auch ausgezeichnet, zumindest für Staatenhausverhältnisse. Band und Publikum waren nach diesem Auftritt sehr, sehr glücklich und schwebten von der Bühne respektive aus der Halle. 

amphi-14Eigentlich wollte ich danach ein wenig Pause machen und alles etwas sacken lassen, doch Mesh hatte ich noch nie live gesehen, sodass ich einen kurzen Abstecher vor die Außenbühne machte. „Born to lie“, den aktuellen Hit der Band, habe ich so auch noch erwischt. Sehr positiv aufgefallen ist mir die kräftige Stimme und der astreine Gesang des Sängers, Sound war auch in Ordnung – bei der nächsten Gelegenheit versuche ich mehr, von Mesh zu sehen. 

amphi-15Synthie-elektronisch ging es im Staatenhaus weiter mit Rotersand, die ich mir essenspausenbedingt allerdings zuerst einmal von weiter weg anhörte. Doch spätestens bei „Waiting to be born“ zuckten meine Beine unkontrolliert, und ich arbeitete mich durch das bis hinten gefüllte Staatenhaus Richtung Bühne vor, um ein wenig zu tanzen. Damit war ich nicht alleine, die Halle kochte, überall wurde ekstatisch getanzt, angefeuert von Sänger Rascal Nikov und angeheizt von Liedern wie „War on Error“ oder dem mächtigen „Exterminate annihilate destroy“. Rotersand haben die Halle wirklich zerlegt, das war große Klasse. 

amphi-16Danach gab es wieder ein komplettes Kontrastprogramm im Staatenhaus, die Amerikaner von London after Midnight, auf die ich mich auch sehr gefreut hatte, weil die doch eher selten bei uns auf Tour sind.
Und nicht nur ich freute mich, der Platz vor der Bühne wurde schnell eng, und der Jubel war groß, als Sean Brennan mit seinen Mannen loslegte. Doch die Freude war nur von kurzer Dauer, leider waren auch London after Midnight von massiven technischen Problemen geplagt. Ein im Hintergrund lautstark brummendes „bad cable“ konnte nicht lokalisiert werden, die Videoeinspielungen sollten wir uns dann einfach dazu denken, Seans Gitarre verstummte immer wieder zwischendurch, und das großartige „Sacrifice“ am Ende musste instrumental vorgetragen werden, weil Seans Ohrstöpsel ausfielen und er so nicht weitersingen konnte. Extrem ärgerlich für die Band, die zunehmend frustrierter wurde, jedoch trotzdem alles tat, um dem Publikum noch einen guten Auftritt zu bieten. Ich fand es auch furchtbar schade, war aber froh, London after Midnight überhaupt mal gesehen zu haben, und laufe seither mit „Shatter“ als Ohrwurm herum. 

Meinen musikalischen Abschluss des Amphisonntags bildeten dann die alten Helden von Apoptygma Berzerk. Nachdem ich sie jahrelang nicht so richtig auf dem Schirm hatte, haben sie mir im April in München auf dem DMF wieder richtig gut gefallen, sodass ich mir jetzt zumindest noch den halben Auftritt anschauen wollte. Und das hat sich auch gelohnt, „Kathy’s Song“ war der perfekte Einstieg für mich, und beim nachfolgenden „Major Tom“ gab es eine kollektive Gänsehaut, als das Publikum fehlerfrei und quasi ausnahmslos den deutschen Text sang, Stephan Groth dazu den englischen. Danach wurde das Tanzbein geschwungen, „Until the End of the World“, „Starsign“, „Paranoia“ und das ewig gute „Non-stop Violence“ bildeten einen grandiosen Abschluss meines Amphi-Festivals im Abendlicht auf der Außenbühne. Dann hieß es noch mit Freunden quatschen und den Beach Club besuchen, was ja immer mindestens genauso wichtig ist wie die Bands. Berichte zu Krupps (bei denen es Erzählungen nach genauso katastrophale technische Aussetzer gab wie bei Front), Lacrimosa und Eisbrecher (und Blutengel am Samstag) gibt es sicher bald an anderen Stellen zu lesen. 

amphi-17

Fazit: Und wie war das zehnte Amphi jetzt so? Insgesamt gesehen: wie immer, also sehr schön, weil entspannt, friedlich, namhafte Bandauswahl und wie jedes Jahr auch einige Schmankerl (auch wenn ich es leider nicht zu Janus ins Theater geschafft habe), Beach Club, der fest in Händen der schwedischen Delegation war, die jeden Abend pünktlich um 23.00 ein „Hoch soll er/sie leben“ anstimmte – auf wen auch immer, diverse Trinkwasserstellen und tolle Momente. Positiv war auch die neue Met-Lounge mit vielen überdachten Sitzplätzen in der Mitte des Brunnens, die es dieses Jahr anstelle des XtraX-Standes gab. Negativ war allerdings wieder: überteuerte Getränkepreise (für die das Amphi als Veranstalter nichts kann, aber es muss trotzdem jedes Mal erwähnt werden), dieselbe unbefriedigende Essensauswahl wie jedes Jahr, gerade am Samstag unglaublich voll, irgendwie doch immer dieselben Bands, die sich alle zwei Jahre abwechseln. Neu waren dieses Jahr die massiven technischen Probleme (Corvus Corax mussten wohl auch einige Lieder ohne Dudelsäcke überbrücken) – der Grund dafür ist wohl nicht so leicht festzumachen und individuell verschieden, sicher ist aber auch die große Menge an Bands und der damit verbundene enge Zeitplan schuld, der wenig Raum für Soundchecks bietet. Hoffentlich wird das im nächsten Jahr bedacht und verbessert. Ein wenig ärgerlich waren auch die Extrakontrollen am Eingang zum Beach Club, man durfte die Getränke, die man auf dem Tanzbrunnengelände erworben hatte, nicht mit hineinnehmen, weil der Club eine andere Gastronomie hat. Nachvollziehbar, aber auch etwas undiplomatisch, meiner Meinung nach. 

Egal, schee war’s, das Jubiläums-Amphi, nächstes Jahr wahrscheinlich wieder!

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch:

(684)

1 Antwort
  1. Michael
    Michael says:

    Schöner Bericht, wobei als (MusikrichtungsBatcaver) die Entscheidun, nicht hinzufahren, im Nachhinein die richtige war.

Kommentare sind deaktiviert.