Film: Blade Runner 2049

Wann ist ein Mensch ein Mensch?

blade runner

Blade Runner Rick Deckard (Harrison Ford) ist im Jahre 2019 mit der Replikantin Rachel verschwunden. Der Auftrag, sie aus dem Verkehr zu ziehen, wurde nicht ausgeführt.
30 Jahre später. Die Erde leuchtet nicht mehr so wie damals, keine funkelnden Schaufenster und riesige Leuchtreklamen mehr. Nach einem Atomkrieg und mehreren nuklearen Unfällen sind ganze Landstriche radioaktiv verseuchte Sperrgebiete, die Welt ist grau, ausgelaugt, keine Rohstoffe mehr, nichts Grünes, kein Baum, kein Strauch. Vor den Toren des Molochs Los Angeles züchten Bauern in Schutzanzügen Eiweißquellen (Maden). Hier findet Blade Runner K (Ryan Gosling) – selbst ein Replikant – auf der Suche nach den letzten Replikanten einer alten Generation, die früher Aufstände verursacht haben, den Bauer Sapper Morton. Es gibt einen erbitterten Kampf, denn damals wie heute wollen die künstlich erschaffenen Wesen nicht einfach sterben, nur weil ihre Lebenszeit um ist. K gewinnt, und er – auf Gehorsam programmiert – meldet dies seiner Chefin beim LAPD, die „Madam“ genannt wird. Bei genauerem Betrachten des Tathergangs bemerkt man aber etwas Eigenartiges: ein toter Baum und eine Kiste unter der Erde.

Es stellt sich heraus, dass Knochen in der Kiste sind und ein Datum in den Baumstamm eingeritzt wurde: der 06.10.2021. Die Knochen bergen ein fantastisches Geheimnis: Sie gehörten zu einer Replikantin, die ein Kind geboren hatte, was nach der Natur der Dinge gar nicht möglich sein kann! „Madam“ ist in heller Aufregung, fürchtet Aufruhr in der Bevölkerung, vor allem unter den Replikanten, und will, dass alles verheimlicht wird. Friedlich leben letztendlich mittlerweile die Menschen, Androiden der neuesten Generation und Hologramme nebeneinander her. Der Unterschied ist einfach nur die Art der Entstehung und das Ende. Also muss herausgefunden werden, ob dieses Kind noch lebt, wenn ja, muss es eliminiert werden. K macht sich an die Aufgabe. Alles ist nicht so einfach, denn Datenmaterial gibt es nicht mehr für die Zeit vor 2021, nachdem ein mysteriöser Blackout vor Jahren sämtliche elektronische Daten gelöscht hat. Dennoch kommt K auf seinen Recherchen sehr weit. Sein Weg führt ihn in ein Waisenhaus, in dem ihn Erinnerungen übermannen. Er, obwohl ein Android, hatte immer Erinnerungen, aber ihm war bewusst, dass es künstlich eingespielte Erinnerungen sind. Nun aber sieht er sich am Ort seiner eigenen Kindheitserinnerung! Von nun an geht es rasend: Er sucht den alten Blade Runner Rick Deckard auf, der eigentlich seit 30 Jahren verschollen ist, er spricht mit der besten Erfinderin natürlicher Erinnerungen, und er macht die unliebsame Bekanntschaft mit einer gnadenlosen Replikantin. Er hat eine irrsinnige persönliche Erkenntnis, die ihn am Ende fast zerstört.

Blade Runner 2049 wurde weit vor Erscheinen des Films von Cineasten weltweit herbeigesehnt. Fragen kamen auf, ob Ryan Gosling es mit Harrison Ford würde aufnehmen können, oder ob Denis Villeneuve an Ridley Scott herankäme. Ich kann nur sagen, Ryan Gosling ist für mich ein Chamäleon. Er schlüpft nicht nur in die Rolle des Replikanten K, er IST es. Harrison Ford, trotz seiner 75 Jahre, ist ganz der wortkarge Zausel und Haudegen, wie man es von ihm gewohnt ist. Überhaupt ist die ganze Schauspielriege wundervoll. Dave Bautista, der Bauer, der anfangs von K erlegt wird, spielt so authentisch, als sei er nichts anderes gewohnt als in radioaktiv verseuchtem Gelände harte Arbeit zu verrichten. Robin Wright („Madam“) habe ich noch nie so ungeschminkt und hart gesehen, und Ana de Armas ist das süßeste künstliche Mädchen, das man sich nur vorstellen kann, ein Hologramm, das nach einiger Zeit sogar das Haus verlassen kann und sichtlich in K verliebt ist. Carla Juri verzaubert als einsame Wissenschaftlerin, die Erinnerungen für Replikanten herstellt. Hierbei könnte man Tränen vergießen!
Denis Villeneuve hat ganze Arbeit geleistet. Er hat ein ähnliches Universum geschaffen wie Ridley Scott vor 25 Jahren. Das positivste sind hier die künstlichen Wesen, die sensibler und hoffnungsvoller sind, als die meisten echten Menschen. Die versmogte, neblige Welt, in der die Handlung spielt, ist kaputter, grauer, hoffnungsloser. Dennoch muss man in diesen Bildern schwelgen, die manchmal etwas von Mad Max haben, von der Einsamkeit eines Marsianer, vom verspielten High Tech aus Das fünfte Element, vom Einfallsreichtum und Witz von Her. Ridley Scotts Blade Runner, diese Synthese aus Dystopie und Film Noir, wurde erst im Lauf der Zeit zum Kultfilm. Das wird auch Blade Runner 2049 einmal werden.

 

:popcorn: :popcorn: :popcorn: :popcorn: :popcorn:

 

Blade Runner 2049
Genre: Science Fiction
Regie: Denis Villeneuve
Nationalität: USA
Start in Deutschland: 5. Oktober 2017, 2h 43m
Cast: Ryan Gosling, Harrison Ford, Robin Wright, Sylvia Hoeks, Ana de Armas, Jared Leto, Dave Bautista, Carla Juri

 

(258)

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.