Jacqueline muss wieder die Hufe schwingen!
Seit sicher war, dass es eine Fortsetzung von „Der Schuh des Manitu“ geben würde, wurde diskutiert. Kann man davon wirklich eine Fortsetzung machen? Kann man darüber noch lachen? Ist dieser Humor noch zeitgemäß? Und was wird aus unserer mittlerweile erreichten Wokeness? Diskussionen über kulturelle Aneignung und politische Korrektheit wurden entfacht. 2001 hat Michael Bully Herbig mit o.g. Film einen Riesenhit gelandet, ganz Deutschland hat gelacht. Ich war gespannt!
Geht gleich lustig los. Apachen-Häuptling Abahachi und sein Blutsbruder Ranger, wie schon im Original verkörpert von Bully Herbig und Christian Tramitz, legen los in feinstem Bayrisch. Mei, wie lang haben die beiden sich nicht mehr gesehen? Zuschauer*innen mutmaßen insgeheim, womöglich 24 Jahre? Nein, am Montag wars! Zotig geht’s hurtig weiter, die beiden ziehen durch den wilden Westen wie ein grantelndes altes Ehepaar, und schnell sind die beiden leider auch in einer mehr als kniffligen Situation.
Sie werden verwechselt und landen schneller, im wahrsten Sinne des Wortes, mit ihren Köpfen in der Schlinge, als ihnen lieb ist. Gut, dass da noch ihr griechischer Blutsbruder Dimitri ist, erneut gespielt von Rick Kavanian. Dimitri hat eine neu eröffnete Kneipe namens Hellas Fellas, hierzu hat er eine patente junge Frau namens Mary (Jasmin Schwiers) eingestellt. Schnell stellt sich heraus, sie ist sehr wichtig für die Rettung der beiden. Es kommt nämlich noch hinzu, dass eine siebenköpfige Gangsterbande unter kompetenter weiblicher Führung (Jessica Schwarz) das Kanu des Manitu beschaffen soll. Santa Maria (Sky du Mont) will es haben, ihm verweigert man sich lieber nicht! Es ist trotzdem alles nicht so einfach, drum ist es auch sehr wichtig, dass sich Abahachis schwuler Zwillingsbruder Winnetouch noch einschaltet. Er lebt nicht mehr auf der Puder-Rosa-Beautyfarm, er hat mittlerweile die Tanzschule Rosa-Rumba-Ranch. Er tanzt zwar gerade mit Frau Wolf, doch diese muss warten. Sein über alles geliebter Bruder und seine Angehörigen müssen gerettet werden! Letztendlich ist die Handlung hier gar nicht wichtig, es kommt auf die Situationskomik an. Und davon gibt es viel: Lukas, der Lokomotivführer kommt vor, Santa Maria, der Ölbaron, liest aus dem Roman „Der Ölprinz“ von Karl May, Dimitri feuert wieder einen Wortverdreher nach dem anderen ab, der Deputy des Sheriffs sächselt. Es gibt brüderliche Kommunikation durch Jodeln, eine fröhliche Gesangseinlage im Gefängnis, eine Wasserballett-Nummer im See. Im Knast wird „Weil wir so supergeil drauf sind“ gesungen, ein Nonsens-Song von Stefan Raab. Da kann sich jetzt sicher schon der eine oder die andere aufregen. Jeder Gag veranlasst auch nicht zum Schenkelklopfen, doch es ist tiefsinniger als gedacht. Man will auch „woke“ sein. Der alte weiße Mann kommt gleich in den ersten Filmminuten vor, es gibt jetzt Frauenrollen, die nicht nur hübsche Deko im Saloon sind, sondern cleverer als die ganze Herrenriege. Abahachi bemerkt mehrmals, dass man nicht mehr Indianer sagen darf, doch all das dient natürlich gleichzeitig als Witzvorlage. Winnetouch in Rosa, Schirmchendrinks schlürfend, ist auch ein lebendes Klischee, aber liebevoll gemacht. Die Witze über jemanden sind jeweils zahm, nicht böse gemeint, zum Schmunzeln. Bei einem Talkshow-Auftritt vor ein paar Jahren hatte Herbig gesagt, dass er seinen damaligen Hit „heute so nicht mehr machen“ würde, da „die Comedy-Polizei“ so streng geworden sei. Man merkt das dem Skript an, das Herbig zusammen mit Christian Tramitz und Rick Kavanian geschrieben hat, sein Humor ist vorsichtiger geworden.
Ein ganz großes Geheimnis über Abahachi wird gelüftet. Der Wert des Herzens über den der Herkunft wird hervorgehoben. Ein adoptierter Apache kann auch ein wahrer Apache sein. Und hier, am Ende des Films gibt es doch tatsächlich noch heimlich ein paar Tränchen meinerseits, mein Garant für Qualität.
Fazit: Vui Schmarrn, aber saukomisch. Ich war mit der Gesamtsituation zufrieden.
Apropos lustig: Unbedingt beim Abspann im Kino sitzen bleiben!

Das Kanu des Manitu
Genre: Komödie
Regie: Michael Bully Herbig
Produktionsland: Deutschland
Kinostart: 14. August 2025, 88 Min.
Cast: Michael Bully Herbig, Christian Tramitz, Rick Kavanian, Jasmin Schwiers, Jessica Schwarz, Friedrich Mücke, Sky du Mont u.v.m.
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