Wo die Liebe hinfällt!

2008, so lang ist das schon wieder her, kam Der Brandner Kasper und das ewige Leben in die Kinos. Schon im letzten Jahr wäre Josef Vilsmeiers zweite Verfilmung über den Boandlkramer, mit Michael „Bully“ Herbig in der Titelrolle, in die Kinos gekommen, wenn nicht Corona dazwischengekommen wäre. Bei den Dreharbeiten war Vilsmeier schon schwer krank, und leider erlebte er die Aufführung in den Lichtspielhäusern nicht mehr. Und wir müssen auch wieder mit einem Streamingdienst Vorlieb nehmen, aber besser so als gar nicht!

Beim Brandner Kasper hat sich der Tod gehörig über den Tisch ziehen lassen damals. Mit Kerschgeist abgefüllt, hat er beim Kartenspielen damals sauber gegen den Brandner verloren. 21 weitere Lebensjahre wurden diesem gewährt. Es war nicht leicht für den Boandlkramer, aus dieser Bredouille wieder herauszukommen. Und jetzt passiert es wieder!

Eigentlich soll er den Buben der jungen Gefi (Hannah Herzsprung) holen, doch als er diese am Sterbebett sitzen sieht, verliebt er sich in sie, er, der noch nie Liebe verspürt hat, mit diesen Hummeln im Bauch und einem vor Freude rasenden Herz. Er schafft es also nicht, Gefi den Sohn wegzunehmen, und schmuggelt dafür den Gumberger (Sebastian Bezzel) in den Himmel. Der hat eigentlich einige Sünden auf dem Kerbholz, sollte also in der Hölle landen. Niemand aber merkt es, auch den Teufel (Hape Kerkeling) stört es anscheinend wenig. Er weiß aber ganz genau, wenn der Boandlkramer seiner Arbeit nicht mehr nachgeht, wird die Welt im Chaos enden, das göttliche Gleichgewicht wird zerstört. Er gibt ihm Zeit, sich um Gefi zu kümmern. Diese wartet zusammen mit ihrem Sohn, dass ihr Mann Anderl aus der russischen Kriegsgefangenschaft zurückkommt. Weil sie aber nicht mehr an seine Rückkehr glaubt, will sie den Bürgermeisterssohn Toni heiraten. Der Boandlkramer muss sie also nur in sich verliebt machen, geht doch ganz einfach! Außerdem hat er sich vom liebenswerten Streithansl und Frauenliebling Gumberger Tipps geben lassen, wie man eine Frau für sich gewinnen kann. Diese wendet er auch heftig an, macht sich aber allerorts nur lächerlich, wenngleich seine Flirtversuche auch sehr anrührend sind. Als er merkt, dass er bei Gefi wirklich nicht ankommt, gibt er auf. Er weiß, das alles hat keinen Sinn, er muss wieder zurück auf seinen Platz. Nur, der Teufel weist ihn jetzt darauf hin, dass das kein Intermezzo war, es ist eine arrangierte Sache für die Ewigkeit. Wie kommt der Boandlkramer jetzt aus dieser Nummer wieder heraus? Das kann nur noch ein göttliches Wunder richten.

Meine Erwartungen waren hoch an diesen Film. Sie wurden alle erfüllt. Die Schauplätze sind wieder liebevoll inszeniert. Die Hölle ist ein glitzernder Tanzpalast mit einem fiesen tanzenden Conferencier als Teufel, der Himmel wieder typisch bayrisch barock, und die Erde ist ein ärmliches Bayern nach dem Krieg – bis auf die von Vilsmeier so geliebten Landschaften und Berge. Die komischen Rollen sind wieder grandios besetzt: Herbig spielt den Boandlkramer gewohnt gut, aber als er seine schwarzen Lumpen gegen Freiersklamotten austauscht, seinen Stil ändert und zu einer Mischung aus Karl Valentin und Stan Laurel wird, ist allein das schon zum Lachen. Eisi Gulp und Jürgen Tonkel, ein grantiger und ein gütiger Erzengel, Rick Kavanian sitzt an der Himmelspforte, Sigi Zimmerschied ist der polternde Bürgermeister, und Sebastian Bezzel¸ der Eberhofer Franz aus den Rita-Falk-Krimis, scheint einfach wieder sich selbst zu spielen. Dazu die weibliche Hauptrolle: die bezaubernde Hannah Herzsprung, die ich noch nie so niedlich bayrisch sprechen hörte. Könnte man immer so weiter schauen!

Der Boandlkramer und die ewige Liebe
Genre: Komödie
Regie: Josef Vilsmeier
Drehbuch: Michael „Bully“ Herbig, Marcus H. Rosenmüller und Uli Limmer
Produktionsland: Deutschland
Seit 14.05.2021 auf Amazon Prime
Cast: Michael „Bully“ Herbig, Hannah Herzsprung, Hape Kerkeling, Sebastian Bezzel u.v.m.

 
 
 

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