Film: Die Frau des Nobelpreisträgers

Hinter jedem erfolgreichen Mann …

frau des nobelpreisträgersEin einziger Anruf, er kann dein ganzes Leben verändern. So geht es dem Schriftsteller Joe Castleman (Jonathan Pryce), als er einen Anruf aus Schweden erhält: Er soll den Nobelpreis für Literatur bekommen. Seine Frau Joan (Glenn Close) hört mit, alles scheint wunderbar und die Freude groß zu sein. Doch Joans Gesichtsausdruck lässt einen darüber nachdenken, ob alles in Ordnung ist. Dennoch, das Paar fliegt nach Stockholm. Sohn David (Max Irons), der selbst Schriftsteller werden will, ist mit dabei. Im Flugzeug sitzt auch Nathaniel Bone (Christian Slater), der eine Biografie über Joe schreiben möchte. Das Ehepaar wimmelt den Journalisten ab, doch Joan grübelt über ihr damaliges Kennenlernen mit ihrem späteren Ehemann nach. Vor Ort dann in Stockholm, kurz vor der Preisverleihung, dreht sich alles um ihren Mann, während sie sich um seine Blutdrucktabletten und Lesebrillen kümmert, dass seine Krawatten zum Outfit passen, und ob er genügend Schlaf bekommt.

Sohn David büxt schon bald aus dem Nobelpreis-Programm aus und will einen Tag mal für sich in Stockholm herumstreunen, das will kurz danach Joan auch, es reicht ihr. Sie trifft auf den Journalisten Nathaniel und lässt mit ihm und danach für sich alleine die vielen Jahre der Ehe mit Joe Revue passieren. Hier ist nicht alles so verlaufen, wie sich die Familie und seine Fans das vorstellen. Joe war ein vielversprechender Autor, der für Joan seine erste Ehefrau und sein Kind verlassen hat. Joan hingegen war die Frau im Hintergrund, so denkt man, die aber in Wirklichkeit seine Romane geschrieben hat.

Es hat sich verdammt viel angestaut in der angeblich so harmonischen Ehe zwischen dem Star-Autor und seiner aufopfernden, stets im Hintergrund stehenden und dennoch ihn unterstützenden Ehefrau. Ist es der Journalist, der an ihrer Wunde rührt, ist es ihr gemeinsamer Sohn, der total unzufrieden ist, weil sein berühmter Vater ihn nie loben will, sind es die vielen Leute, die um Castleman herumscharwenzeln, ihm huldigen und lobhudeln, während sie auf der Seite steht, seinen Mantel hält und freundliche Antworten gibt, man weiß es nicht. Klar ist nur, diese Frau ist kurz vor dem Explodieren.

Teilweise spielt die Handlung in der Vergangenheit der beiden Figuren. In den 1950ern lernen sich Joe und Joan am College kennen, sie als talentierte Jungschriftstellerin, er als Literaturdozent. Gespielt werden hier die Hauptrollen von Harry Lloyd (Die Entdeckung der Unendlichkeit) und Annie Starke, der Tochter von Glenn Close.

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman Die Ehefrau von Meg Wolitzer. Der schwedische Regisseur Björn Runge hat daraus ein großartig gespieltes und handwerklich makelloses Familien- und Emanzipationsdrama gemacht. Mit seinen Hauptdarstellern, der sechsfach oscarnominierten Glenn Close, die vor einigen Tagen einen Golden Globe für die Rolle bekam, und Jonathan Pryce konnte er fast nichts falsch machen.

Ein Film, der zum Nachdenken anregt in einer Zeit, in der alle schon längst so emanzipiert sein wollen und sollen, in der es aber Frauenquoten für leitende Positionen gibt, in der es #Me Too gibt und die Möglichkeit Gehälter (von Männern und Frauen) zu vergleichen. Heutzutage sind wir nichtsdestotrotz immer noch nicht weit genug entfernt von Zeiten von Mad Men und Good Girls Revolt. Selbst die älteren Semester bemerken das hin und wieder. Schön und glaubhaft hier wiedergegeben.

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Die Frau des Nobelpreisträgers
OT: The Wife
Genre: Drama
Regie: Björn Runge
Produktionsland: Großbritannien
Start in Deutschland: 3.1.2019, 100 Min.
Cast: Glenn Close, Jonathan Pryce, Christian Slater, Max Irons u.v.m.

 

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