Film: Die Insel der besonderen Kinder

Die besonderen Kinder und der außergewöhnliche Großvater

 Jacob hatte schon immer ein besonderes Verhältnis zu seinem Großvater. Aber dieser wird dement und stirbt, als Jacob ein Teenager ist. Man findet ihn mit leeren Augenhöhlen im Garten vor. Er hinterlässt seinem Enkel eine Landkarte mit einigen handschriftlichen Anmerkungen und ein paar alte Fotografien. Jacob reist – auch auf Anraten seines Psychiaters, den er nach dem Tod des Großvaters aufsuchen muss – dorthin, wo dieser einen großen Teil seiner Jugend verbrachte: auf eine Insel, zusammen mit anderen Kindern in einem Waisenheim. Dort sucht er gleich am ersten Tag nach diesem Heim, das damals in den 1940er Jahren von einer Miss Pellegrine geleitet wurde. Er findet es unter ganz mysteriösen Umständen. Dort sind ein paar Kinder mit jeweils einem besonderen Talent.

Eines ist unsichtbar, und eines verfügt über übermenschliche Kräfte. Fiona kann Pflanzen kontrollieren, und Olive kann mit ihren Händen Feuer entfachen. Die maskierten Zwillinge haben telepathische Fähigkeiten und können Personen versteinern, Hugh hat in seinem Inneren einen Bienenstock, Claire hat ihren Mund für Essen im Hinterkopf, und Horace kann in die Zukunft sehen und diese anderen in Projektionen zeigen. Miss Pellegrine ist ein Ingram, sie kann sich in einen Vogel verwandeln und für eine Zeitschleife sorgen, die auf die Minute genau einen Tag dauert, genau den einen Tag im Jahr 1943, an dem das Heim von den Deutschen im Zweiten Weltkrieg bombardiert und vernichtet wird. Jacob findet das Ganze zuerst skurril, er will dies erst einmal aus einer gewissen Distanz beobachten, doch er hat nicht die Gelegenheit dazu, er wird in diese Zeit hinein katapultiert, ob er will oder nicht. Und es ist ja auch nicht so, dass er die Situation nicht irgendwie nett findet. Hier hat er endlich Freunde, ist wichtig, hat Anerkennung, all das, was er in seiner Heimat als Außenseiter nicht hat. Würde man die Zeitschleife verlassen und in der Gegenwart landen, würden alle – alle außer Jacob natürlich – altern und sterben. Schließlich sind sie Kinder und Jugendliche im Jahre 1943 und nicht in 2016. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse, und man erfährt, warum Jacob überhaupt ohne es zu wissen auf die Insel gehen sollte: Sein Großvater war ursprünglich auch ein Heimkind bei Miss Pellegrine mit einem außergewöhnlichen Talent, und dieses hat Jacob geerbt. Er kann Hollows sehen. Dies sind Monster ohne Augen, die einmal Menschen waren, nun aber auf Kinder mit besonderen Eigenschaften aus sind, um sich deren Augen einzuverleiben. Denn nur damit können sie eine menschliche Statur erreichen. Und plötzlich wird aus dieser Geschichte, die bislang durchaus noch als gruselige Gute-Nacht-Erzählung für Kinder durchgehen konnte, ein atemberaubender Thriller mit einem Kampf zwischen Gut und Böse, Kinder mit besonderen Eigenschaften gegen Monster mit außergewöhnlicher Brutalität, um zu überleben. Wenn hier nicht diese Kinder und Jugendlichen wären mit ihren besonderen Eigenschaften, Jacob, der bis zum Schluss nicht weiß, warum eigentlich er auch auf diese Insel gehört, sie könnten nie den Kampf aufnehmen gegen diese Hollows, die weltweit die Zeitschleifen vernichten wollen, weltweit die Hüter der besonderen Kinder zu einem gewissen Zweck missbrauchen wollen.

Doch es wären keine besonderen Kinder, wenn sie das alle nicht irgendwie hinbekommen könnten.Der Film beginnt wie ein amerikanisches Vorstadt-Movie und wird dann zum Abenteuerfilm und ziemlich burtonesk. Die Action-Szenen vor dem Ende sind dann vielleicht ein bisschen viel, aber das Ende ist so, wie man es sich wünscht.

Die Geschichte ist eine Verfilmung  des gleichnamigen Romans von Ransom Riggs. Ende 2016 ist mittlerweile schon der dritte Band der Reihe erschienen. Leider ging bei mir „die staade Zeit für Filme“ erst nach Weihnachten los, und so schaffte ich es gerade noch so ins Kino, bevor der Film abgesetzt wurde. Sollte er irgendwo in einem kleinen Kino gezeigt werden oder im Stream kommen, lautet meine Empfehlung: ansehen. Genauso lesenswert sind die Bücher.

Die Insel der besonderen Kinder
(Originaltitel: Miss Peregrine’s Home for peculiar Children)
Genre: Fantasy
Regie: Tim Burton
Nationalität: BE/GB/USA
Start in Deutschland: Oktober 2016, 127 Min.
Cast: Eva Green, Samuel L. Jackson, Judy Dench u.v.a.

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