Film: Doctor Strange

Der Doctor erwartet Sie …

Doctor StrangeDer brillante aber arrogante New Yorker Neurochirurg Stephen Strange hat alles: schickes Apartment mit Aussicht über New York, mehr Uhren als man überhaupt brauchen könnte, einen schicken Sportwagen, weltweiten Ruhm und Ehre und das Ansehen seiner Kollegen. Doch all das zerbricht in einem einzigen Augenblick, als er mit viel zu hoher Geschwindigkeit in seinem Sportwagen einen alptraumhaften Unfall verursacht, der ihn mit schwerwiegenden Nervenschäden in beiden Händen zurücklässt – das Ende seiner Karriere. Verzweifelt steckt er all seinen Reichtum in experimentelle Behandlungen und Operationen, doch die westliche Medizin kann ihm nicht helfen. Er macht sich auf den Weg nach Nepal, wo er auf die Hilfe einer mysteriösen Persönlichkeit namens Ancient One hofft. Doch er wird weit mehr lernen, als er je erträumen konnte.

Ich muss zugeben, ich habe mich seit der Ankündigung, dass der Brite Benedict Cumberbatch in die Rolle von Marvels Magier Doctor Strange schlüpfen würde, wie ein Schnitzel auf diesen Film gefreut. Es ist ja immer ein bisschen gefährlich, wenn man mit so viel Vorfreude an einen Film herangeht, aber um es gleich vorwegzunehmen: Ich wurde nicht enttäuscht.

Mit Doctor Strange ist Marvel ein neuer Geniestreich gelungen: Der Film punktet in allen typischen Stärken der Filme aus dem Marvel Cinematic Universe – gewitzte Dialoge, gut gemachte Action, das einzigartige Marvel Universum. Aber Doctor Strange geht noch einen Schritt weiter und setzt herausragende Optik und atemberaubende Effekte drauf. Der Film nimmt den Zuschauer teilweise mit auf einen abgedrehten Trip zwischen Kaleidoskop und Drogenfantasie, den ich so bei einem großen Mainstream-Film noch nie gesehen habe. Einer der wenigen Filme, bei denen es wirklich lohnt, ihn in 3D und am besten im IMAX zu sehen, um die volle Bildgewalt genießen zu können.

Die Charakterentwicklung von Stephen Strange ist ebenfalls ungewöhnlich tief: Alles, was ihm etwas bedeutet hat – seine Karriere, sein Ruf, sein Reichtum – wird ihm von einem Moment auf den nächsten genommen. Zurück bleibt ein gebrochener Mann, der ganz unten angekommen ist, aber nie den eisernen Willen verliert, sich zu heilen. Doch selbst als er in die mystischen Künste eingewiesen wird und ein außergewöhnliches Talent dafür zeigt, tut er doch im Grunde alles weiterhin nur für sich selbst und kann es nicht lassen, jeden daran zu erinnern, dass er DOCTOR Strange ist und nicht etwa nur Mister. Erst ganz am Ende lernt Doctor Strange das Wichtigste: Es geht nicht um ihn. Das macht ihn zu einem stärkeren Charakter, aber auch zu einem sehr einsamen.

Von der Besetzung kann man nur ins Schwärmen geraten: zuerst natürlich Benedict Cumberbatch, der vor sechs Jahren mit seiner Verkörperung von Sherlock Holmes in der BBC Serie Sherlock quasi über Nacht zum Star wurde und auch hier, wie gewohnt, seine Sache großartig macht. Dann die einzigartige Tilda Swinton als Ancient One, die auch ohne Haare einfach überirdisch genial ist. Dazu Chiwetel Ejiofor, den man aus 12 Years a Slave kennt, und Mads Mikkelsen als großartigen Bösewicht. Mehr kann man sich eigentlich kaum wünschen. Und dann ist da noch der eigenwillige Umhang, der sich Doctor Strange als Meister ausgesucht hat …

Doctor Strange ist nicht nur eine würdige Ergänzung des MCU, sondern für mich das Sahnehäubchen darauf. Ein rundum perfekter Superhelden-Film, der einem die Sehnerven davonfegt und keine Minute lang uninteressant wird.

Und es kommt noch besser: Nicht nur wird bereits von einer Fortsetzung gesprochen, es gibt auch Hinweise, dass wir den guten Doctor im nächsten Thor-Film und womöglich auch beim dritten Teil der Avengers wiedersehen werden. Juhu!

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Doctor Strange
Genre: Fantasy, Comic, Action, Drama
Regie: Scott Derrickson
Produktionsland: USA
Kinostart in Deutschland: 27. Oktober
Cast: Benedict Cumberbatch, Tilda Swinton, Chiwetel Ejiofor, Mads Mikkelsen, Rachel McAdams, Benedict Wong

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