Der Sternenmann
Vor ziemlich exakt zehn Jahren erschien David Bowies letztes Studioalbum Blackstar. Zwei Tage später starb er mit 69 Jahren in New York. Krebs. Mit „Bowie – Der letzte Akt“ zeichnet der britische Filmemacher Jonathan Stiasny ein fesselndes Stück David-Bowie-Geschichte. Er zeigt vor allem, wie Bowie, der britische Sänger, Produzent und Schauspieler, ein Meister der Verwandlung, seine Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit in ein letztes künstlerisches Statement verwandelte.
Der Film beginnt mit einem Blick ins Weltall. Das passt perfekt. Bowie war schließlich der Starman, er war der ultimative Zeitreisende. Es geht in der Doku zwar laut Titel um den letzten Akt, doch der Film springt in der Zeit vor und zurück, wie es gerade zum Thema passt. Bandkollegen, Tourmanager, Lebensgefährtinnen, Musikjournalisten, Produzenten, Musikerkollegen kommen zu Wort. Ein Fan kennt Bowies ganze Stationen, doch es gibt viele unbekannte Bilder und Videoausschnitte zu sehen. Es gibt einen Rückblick in die 1960er und 1970er Jahre. 1971, er, mit langen blonden Haaren, wollte unbedingt auf dem Glastonbury Festival auftreten. Doch irgendwelche Umstände zwangen ihn, um 5 Uhr morgens aufzutreten. Die Sonne ging gerade auf, ein paar verschlafene Hippies in diesem Mini-Woodstock fragten sich, wer das denn sei? Tolle Stimme und Ausstrahlung hatte er ja! Doch schon kurze Zeit später legte er den Hippie-Look ab. Ch-Ch-Changes! Veränderungen waren eben sein Ding! Er wurde zu Ziggy Stardust mit den Spiders from Mars. Er wurde berühmt. Let’s dance erschien. Er hat mit Tina Turner gesungen und Werbung gemacht. Er füllte Hallen weltweit, doch der Ruhm war ihm unangenehm. Und er verlor auch seine ihm eigene Musik und Fans. Er gründete Tin Machine. Das war jetzt auch wieder etwas, das kein Fan wollte! Diese schräge Hardrock Musik! Ihm taten schlechte Kritiken übrigens weh. In den 90ern hat er absolut herum experimentiert. Er lernte Rave kennen, spielte bei Auftritten, wo keiner ihn kannte, keiner live spielte, nur er mit seinem Saxophon. Er spielte in Filmen mit, er spielte Songs für Filme, beispielsweise für Hanif Kureshi. Letztlich war er musiktechnisch aber so ein bisschen abgemeldet. Durch einen Zufall, oder soll man sagen Missverständnis, kam er dazu, im Jahr 2000 auf dem Glastonbury Festival der Headliner zu sein. 30 Jahre nach seinem Auftritt als unbekannter, junger Hippie! Das 30 Jahre alte „Is there life on Mars?“ spielt er zur Eröffnung seines Auftritts. Ein ruhiges Lied, aber alle waren ausnahmslos weggebeamt von seiner Präsenz. Er war wieder da! Er hat sich auch danach wieder mit seinen älteren Songs angefreundet, die die Fans doch so liebten! 2004 ist er auf dem Hurricane Festival in Deutschland aufgetreten, jedoch musste er den Auftritt vorzeitig wegen starker Schmerzen beenden. Es stellte sich heraus, er hatte einen Herzinfarkt. Wie wir wissen, ging es ihm wieder besser.
Er hatte 2016 dann ein neues Projekt, Black Star würde das Album heißen. Im Tonstudio waren die ausgewählten Musiker*innen dann sehr betroffen und ergriffen, als er hereinkam. Er hatte keine Augenbrauen mehr und eine Glatze. Jeder wusste nun, dass er Krebs hatte. Er zog es durch. Wieder ein Raumfahrerthema! Im Video von „Blackstar“ liegt der Raumfahrer, der er immer war, am Boden. Oder seht euch das Video an vom Song „Lazarus“. Er liegt in seinem Krankenhausbett, später geht er rückwärts, langsam nach hinten, in einen Schrank und schließt die Tür von innen. Die Reise des Starman ist zu Ende. Am 8. Januar 2016 kommt das Album heraus. Zwei Tage später erfährt die Welt von seinem Tod.
Tolle Doku!

Bowie – Der letzte Akt
92 Min.
Regie: Jonathan Stiasny
Land: Großbritannien
In der ARTE Mediathek verfügbar bis zum 15.04.2026
(498)

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