Film: Ein Becken voller Männer

Loser schwimmen sich frei

Ein Becken voller Männer

Diese Männer hier sind im besten Alter, Bertrand, Marcus, Simon, Laurent, Thierry, John, Basile und Avanish, sie sind alle zwischen Mitte 30 und Mitte 50. Aber sie sind weder die Schönsten noch die Klügsten. Sie haben alle mit ihrem Leben zu kämpfen. Der gescheiterte Rockmusiker lebt im Wohnwagen und verdingt sich als Küchenkraft, ein anderer ist zwar Firmenchef, fährt aber jede von ihm geführte Firma an die Wand, dem anderen läuft die Frau davon, und Bertrand: Der liegt seit zwei Jahren depressiv und arbeitslos auf der Couch, während seine Frau ihr gemeinsames Leben wuppt. Bis er im Schwimmbad auf eine skurrile Truppe trifft:

Ein Häuflein Männer lässt sich im Becken von einer Frau trainieren, es handelt sich dabei um Synchronschwimmen! Er schließt sich der Gruppe an, und es ergeht ihm wie den anderen: Man wird für sein Hobby bespöttelt und belächelt. Wasserballett? Das ist doch diese Sache mit den Frauen in Badeanzügen in den 50er Jahren? Gibt’s das auch für Männer? Naja, obwohl … Seit Frauen auch Fußball spielen dürfen … Dieses und Ähnliches hören sich die Männer außerhalb des Beckens an. Sie werden trotzdem eine eingeschworene Gruppe, es wird trainiert, gemeinsam in die Sauna gegangen, und Probleme werden diskutiert und von jedem ernst genommen. Sie sind so leidenschaftlich bei der Sache, dass sie es sich sogar vorstellen können, in Norwegen bei der Weltmeisterschaft mit anzutreten. Leider haben nicht nur sie ihre Probleme, sondern auch ihre Trainerin Delphine, eine trockene Alkoholikerin, weswegen sie eine Zeit lang ausfällt und die Kameraden etwas in der Luft hängen. Doch da kommt die knallharte Amanda ins Spiel, und nun erfahren die Schwimmer erst, was Training bedeutet!
Werden sie es tatsächlich schaffen, bei der WM anzutreten und sich gar mit ihrer Konkurrenz messen zu können? Werden eines Tages ihre Familienangehörigen stolz auf sie sein?

In diesem Film kann gelacht und geweint werden. Lustige Situationen wechseln sich mit ernsten Themen ab. Das erinnert ein bisschen an Ganz oder gar nicht, den Film, in dem die arbeitslosen Stahlarbeiter auf Chippendales machen und strippend die Herzen aller Frauen gewinnen. Die Schauspieler sind fast alle international bekannt, und der launige Retro-Soundtrack tut sein Übriges. Schon beim Intro zu Tears for Fears „Everybody wants to rule the world“ weiß man, ja, gute Wahl, in diesen Film gegangen zu sein! Den Männern zuzusehen, wie sie in Alltagssituationen ihre Choreografie zu Olivia Newton-Johns “Let’s get physical” oder Phil Collins „Easy Lover“ üben, im Wasser zu Vangelis ganz pathetisch werden: Das macht so Spaß! Wie dieses kleine Rudel Loser, das von den Mitmenschen immerzu bespöttelt wird, an den Situationen reift und über sich selbst hinauswächst – da muss ich am Ende fast schluchzen, so sehr freue ich mich.

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Ein Becken voller Männer
Genre: Drama und Komödie
Produktionsland: Frankreich
Start in Deutschland: 27. Juni (2 Std. 2 Min.)
Regie: Gilles Lellouche
Cast: Mathieu Amalric, Guillaume Canet, Benoît Poelvoorde, Jean-Hugues Anglade, Virginie Efira, Leïla Bekhti

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