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Film: Finding Vivian Maier

finding-vivian-maierEin großer Fund für die Kunstwelt

Wem geht es nicht so? Man hofft, beim Flohmarktbummel ein großes Schnäppchen zu machen, so wie man früher auf dem Speicher der Großeltern nach spannenden Dingen gesucht hat.

Dem jungen John Maloof erging es tatsächlich so. Für ein Geschichtsbuch brauchte er ein paar Fotos von Chicago, in einem Auktionshaus wurde er fündig und ersteigerte eine Kiste mit Negativen. Zu Hause dann die große Überraschung – die Bilder von einer gewissen Vivan Maier waren richtig cool. Eine Google-Recherche ergab null Treffer. Er scannte die Bilder ein, startete einen Fotoblog und stellte einige Bilder vor. Die Resonanz war fantastisch. Alle wollten mehr von dieser Vivian Maier sehen.

Er kaufte alles, was er finden konnte, darunter Koffer mit Fotos, Negativen und einer Adresse, bei der er sich nach ihr erkundigte. Dort sagte man ihm: „Sie war unsere Nanny!“. Er besuchte diese Leute, und so begann die Suche nach der Person hinter dem Namen Vivian Maier und hinter der Dame, die ein Kindermädchen war. Er suchte Personen auf, für die sie damals verantwortlich war, interviewte sie. Nach und nach formte sich ein Bild von ihr. Sie war eine leicht schrullige, große Frau, die sich hinter klobiger Kleidung versteckte, gleichzeitig aber immerzu Bilder machte mit ihrer Kamera, die ihr immer um den Hals hing. Ehemalige „Kinder“ von ihr berichten in Interviews, wie das Leben mit ihr war. Sie war keine aufopfernde Mary Poppins, vielmehr haben ihre Schützlinge tatsächlich mit ihr teils Unternehmungen nur der Fotos wegen machen müssen, und sie war ein ungeduldiger Mensch. Viele schämten sich für ihr Verhalten und wundern sich heute noch darüber: „Sie machte ein Foto von einem brennenden Papierkorb!“
Zeit ihres Lebens war ihr ihre Privatsphäre sehr wichtig, ein abschließbares Zimmer, in das wirklich nie jemand eintreten durfte. Erst nach ihrem Tod erlangte sie Berühmtheit. Zu Lebzeiten hätte sie das überfordert, meinte einer ihrer Schützlinge. John Maloof ist es gelungen, mit diesem Film zwei Geschichten gleichzeitig zu erzählen: Das Leben der eigenbrötlerischen Fotografin Vivian Maier (geboren 1. Februar 1926, gestorben 21. April 2009) und gleichzeitig die spannende Geschichte der Entdeckung und Verbreitung ihres Werkes. Vivian Maiers Name ist mittlerweile nicht mehr wegzudenken aus der Street-Fotografie.
Ich persönlich liebe ihre Bilder, vor allem ihre Selbstporträts. Dieser Film wurde nicht sehr lange im Kino gezeigt. Aber man kann immer mal das Glück haben, es in einem kleinen Kino abseits des Mainstreams zu sehen, wie ich vor kurzem. Augen aufsperren, es lohnt sich. Ebenso der Kauf der DVD.

 

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Finding Vivian Maier
Dokumentarfilm, USA, 1 h 24 min
Erscheinungstermin in Deutschland: 2014
Drehbuch und Regie: John Maloof und Charlie Siskel
Amazon
DVD 14,99 €

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