Film: Grüße aus Fukushima

Geister der Vergangenheit in Schwarzweiß

Gruesse-Aus-Fukushima

Marie hat ihre Hochzeit selbstverschuldet platzen lassen und reist nun für Clowns4Help nach Fukushima. Sie will zusammen mit anderen Clowns den Menschen dort, die fünf Jahre nach der großen Katastrophe immer noch in Notunterkünften leben müssen, etwas Freude bringen. Der eigentliche Hintergrund jedoch ist, so stellt sich später heraus, dass sie denkt, sich dort heilen zu können, wo es anderen noch schlechter geht als ihr. Ein guter Plan, der nicht aufgeht, denn Marie ist zum Clown nicht geboren, keiner lacht über ihre Gags, wirklich nicht einmal die Alten, die eigentlich dankbar jeden Funken Freude aufnehmen.

Marie will zurück. Aber sie überlegt es sich kurz vor dem Einstieg in den Zug und fährt zu der alten Japanerin Satomi, die sie kurz vorher ins Sperrgebiet gefahren hat, in das ursprüngliche Fukushima, zu den zerstörten Häusern. Hier hilft sie ihr, aus Schutt und Asche ihr Häuschen wieder zu errichten.Satomi ist keinesfalls eine dankbare alte Frau, die freudig diese Hilfe annimmt. Sie empfindet Marie als einen rechten Trampel, der kaum etwas richtig macht, und ob diese die Teezeremonie jemals korrekt hinkriegen wird, ist eine berechtigte Frage. Dennoch richten die beiden Frauen sich dort ein, schlafen nebeneinander auf dem kargen Boden, stellen sich den Geistern der Vergangenheit und den Fragen nach der Zukunft. Es gibt ein einschneidendes Erlebnis, nach dem Marie sieht, dass sie nun wieder ihren Weg in die alte Heimat Deutschland antreten kann.

Doris Dörrie ist nach dem großartigen Film Kirschblüten mit Elmar Wepper und Hannelore Elsner ein zweites Mal nach Japan gegangen. Im Gegensatz zu dem quirligen, farbenrauschenden Film von 2008 hat sie hier ganz in Schwarzweiß gedreht. Noch deprimierender, schockierender sind dadurch die Bilder der Landschaft, der Tausenden von Säcken am Strand mit kontaminiertem Sand, die Trostlosigkeit der zurückgebliebenen Menschen, meist Alte, in der verstrahlten Gegend.

Mit Rosalie Thomass aus München, die durch Marcus H. Rosenmüllers Beste Zeit bekannt wurde, und Kaori Momoi (Die Geisha), die die alternde Geisha spielt, hat sie zwei wundervolle Schauspielerinnen gefunden, die sukzessive auf ergreifende Art und Weise von ihrer Vergangenheit erzählen, von ihren Ängsten und Sorgen, und auch ein ganz klein wenig einen Ausblick auf die Zukunft verraten.

Ein bewegender Film.

Grüße aus Fukushima
Regie: Doris Dörrie
Nationalität: Deutschland
Filmstart: 10.03.2016, 1 Std. 48 Min.
Cast: Rosalie Thomass, Kaori Momoi, Moshe Cohen

 

 

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