Film: Joker

Sympathy for the Joker

jokerGotham City, Anfang der 80er Jahre. Arthur Fleck (Joaquin Phoenix) ist ein Außenseiter. Psychisch krank – er lacht in den unpassendsten Situationen laut auf – scheint ein Job als Clown am ehesten zu ihm zu passen. Aber auch hier gibt er eine armselige Figur ab, er wird öfters zum Opfer von Verspottung und Gewalt als ihm lieb ist. Abends kehrt er in sein armseliges Leben zu seiner Mutter in einer heruntergekommenen Wohnung zurück. Arthurs Mutter Penny ist viel damit beschäftigt, hilfesuchende Briefe an den superreichen Thomas Wayne zu schreiben, für den sie vor vielen Jahren gearbeitet hat. Wayne ist Kandidat als Bürgermeister von Gotham City, einer Stadt, die in Müll und Chaos versinkt, er verspricht, den Bürgern zu helfen. Hilfe erhofft sich somit auch Penny, er schreibt aber nie zurück. Arthurs einzige Freude ist die Late Night Show, moderiert vom Talkmaster Murray Franklin (großartig selbstherrlich und zynisch: Robert de Niro), seinem großen Vorbild. Als er nach und nach alles verliert (seinen Job als Clown, die Gespräche mit seiner Sozialarbeiterin und somit seine Medikamente), und als er einmal mehr angegriffen und in einer U-Bahn von drei jungen Schnöseln zusammengeschlagen wird, wehrt er sich mit Hilfe eines Revolvers, den er zum persönlichen Schutz von einem Kollegen zugesteckt bekam.

Er rastet so aus, dass er die drei Jungs erschießt. Danach flüchtet er, noch immer im Clownskostüm. Thomas Wayne, bei dem die drei Erschossenen angestellt waren, spricht in der Öffentlichkeit von nicht-reichen Menschen, deren Neid für die Morde verantwortlich sei, nennt sie Clowns, nach dem Äußeren des Mörders. Daraufhin entsteht auf den Straßen eine Protestbewegung gegen das Establishment. Die Demonstranten tragen Clownsmasken. Als Arthur eines Tages doch einen Brief von Thomas Wayne an seine Mutter erhält und diesen liest, als er sieht, wer er ist, nehmen die Ereignisse ihren Lauf. Arthur, der ja eigentlich gerne Stand-Up-Comedian sein möchte, hat daraufhin einen blamablen Auftritt in einem Club. Dieser wird als Clip seiner geliebten Late Night Show zugespielt, in der Murray Franklin ihn lächerlich macht, diesen witzlosen „Joker“.

Der Joker ist geboren, und was dann folgt ist eine Spur des Grauens, wobei man sogar als Zuschauer nicht immer sicher sein kann, ob alles real ist oder ob es sich nur im Hirn des psychisch kranken Arthur abspielt.
Joker zeigt eindrucksvoll, wohin eine Gesellschaft mit mangelhaftem Arbeits- und Sozialsystem steuern kann. Wenn Neid und Missgunst regieren, das sieht man an dieser depressiven, kranken Stadt Gotham City, dann stehen die Menschen irgendwann mal auf und fangen an zu demonstrieren, mit radikalsten Mitteln. Der Pöbel rennt dem Falschen hinterher. Nicht immer gibt es einen Batman, der die Menschheit retten kann.

Ja, es handelt sich bei diesem Thriller um eine Comicverfilmung, hat aber mit einem Comic nichts mehr gemein. Es ist mehr eine Charakterstudie. Dieser kranke, armselige, dürre, sich nicht um sich selbst kümmernde Arthur/Joker berührt so sehr, dass man ihn am liebsten beschützen möchte. Der Joker ist ein Massenmörder! Und dennoch erweckt er Mitleid und Sympathien. Wieder einmal eine grandiose Schauspielleistung von Joaquin Phoenix. Dieser hat sich unter anderem auf diese herausragende Rolle vorbereitet, indem er rund 25 Kilogramm abgenommen hat. Das alleine macht einen schon halb wahnsinnig, meinte er. Außerdem bekam er vom Regisseur ein leeres Notizbuch, in dem er sich Anmerkungen machen sollte. Dieses Notizbuch ist das, was im Film Verwendung findet.

Die Super-Joker der Weltgeschichte waren bislang ja Jack Nicholson und Heath Ledger. Meines Erachtens gibt es nun ein Joker-Triumvirat, an dessen Spitze Joaquin Phoenix steht. Oscarreif. Ich will mehr sehen.

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Film: Joker
Produktionsland: USA
Regie: Todd Phillips
Genre: Thriller
Starttermin in Deutschland: 10. Oktober 2019, 122 Min.
Cast: Joaquin Phoenix, Robert de Niro, Frances Conroy, Zazie Beetz, Brett Cullen u.v.m.

 

 

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