Film: Last Christmas

Weihnachtsschnulze mit völlig überraschendem Ausgang

Last ChristmasKate arbeitet in einem Londoner Christmas-Shop als Weihnachts-Elf. Sie muss, lächerlich verkleidet und mit bimmelnden Elf-Schuhen an den Füßen, unglaublichen Kitsch an den Mann bringen. Sie sieht dabei aber dennoch dermaßen knuffig und süß aus und hat dabei ein Lächeln, das sämtliche noch vorhandenen Pole zum rapiden Abschmelzen bringt. Auf die Art und Weise bringt sie doch dann und wann jemanden dazu, etwas zu kaufen. Eigentlich träumt sie aber von einer Karriere als Bühnentänzerin und -sängerin. Abends geht sie daher oft sogar noch in ihren albernen Klamotten in den nächstbesten Pub und besäuft sich. Nicht selten wacht sie in einem fremden Bett auf, was ihr gar nicht so unrecht ist, denn mit ihrer Familie hat sie, man weiß zuerst nicht warum, gebrochen, und sie braucht sehr oft eine neue Unterkunft. Sie, die tagsüber den entzückenden Elf gibt, ist eigentlich eine brüske, unglückliche junge Frau, die zynisch durchs Leben trampelt, am liebsten keinen Ratschlag annimmt und sich auf diese Art selbst die besten und langjährigsten Freunde und Familienangehörigen vergrault. Doch dann lernt sie plötzlich Tom kennen.

Er taucht irgendwie aus dem Nichts auf und will mit ihr spazieren gehen. Sowas Schräges hat sie ja noch nie gehört! Doch an und für sich findet sie ihn bald recht süß, sie sehnt irgendwann die Treffen mit ihm herbei, denn manchmal ist er einfach verschwunden und unauffindbar. Auf der Suche nach ihm ist sie auf eine Art auch auf der Suche nach sich selbst, wie auch der Zuschauer. Man erfährt nämlich so nach und nach, dass es einen Grund gibt, warum Kate so ist wie sie ist. Sie war schwer krank und danach einfach nicht mehr sie selbst.

Wer in diesen Film geht, ist ein Weihnachtsfan. Ihm macht es nichts aus Whams „Last Christmas“ schon ab Ende Oktober im Radio zu hören, ihn schreckt nicht ab, dass ihn in diesem Film GeorgeMichael-Musik erwartet, er erhofft sich gar einen bezaubernden Film à la Tatsächlich Liebe – Love actually. Dieser wundervolle Weihnachtsklassiker aus dem Jahr 2003 spielt ja doch auch in London, und die Straßen und Geschäfte waren geschmückt, und Hugh Grant war so ein liebenswerter, knuffiger, fescher Premierminister, so viele Paare haben sich gefunden oder gefestigt, und die Musik war doch auch so herzallerliebst! 16 Jahre später sieht es in der Welt und in London im Speziellen ein wenig anders aus. Emma Thompson, die Kates Mutter (großartig) spielt, hat das Drehbuch geschrieben, sie hat ein paar sehr bemerkenswerte Seitenhiebe eingebaut. In Last Christmas werden auch die hübschen, roten Doppeldeckerbusse als Kulisse eingesetzt, nur werden hier fremd aussehende oder sprechende Mitbewohner beschimpft mit den Worten „Geht doch dahin zurück, wo ihr hergekommen seid, oder redet zumindest so, dass man euch verstehen kann!“. Kates Mutter, die damals Zuflucht suchend nach London kam, hat große Angst vor der Zukunft, und ihr Mann, der in der alten Heimat Chefarzt war, muss hier Taxi fahren. Also: Dies ist auch ein bezaubernder Weihnachtsfilm, aber mit sozialkritischem Unterton und einem völlig überraschenden Filmtwist. Ich kann ihn unbedenklich allen Romantikern und Weihnachtsfans empfehlen!
Diejenigen, die den Song „Last Christmas“ nicht mehr hören können oder aufgrund obskurer Wetten und Spiele nicht hören dürfen: Das ist dann was für euch gegen Ende der Weihnachtsferien! Und weil ich fair sein will: Vorsicht: Der Filmtrailer beinhaltet das Lied!

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Last Christmas
Genre: Romanze, Komödie
Regie: Paul Feig
Produktionsland: USA
Start in Deutschland: 14.11.2019, 103 Min.
Cast: Emilia Clarke, Henry Golding, Michelle Yeoh, Emma Thompson

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