Film: Loving Vincent

Starry, starry Night

 

loving vincent

Vincent van Gogh, das ist dieser Künstler mit der Sonnenblume, der sich später ein Ohr abschnitt und es einer Prostituierten zum Geschenk machte. Wer kennt nicht irgendetwas von oder über ihn? Doch so viel weiß man wieder nicht über van Gogh. Zum Beispiel sind die Umstände seines Todes nicht ganz geklärt. War es Selbstmord? War es Mord? Mit dieser Geschichte befasst sich Loving Vincent. Sie beginnt nach seinem Tod im Jahr 1890. Arman Roulin erhält von seinem Vater, einem Postmeister und Freund des Künstlers, einen Auftrag: Er soll van Goghs jüngeren Bruder Theo finden und ihm einen Brief zustellen. Anfangs hat Arman überhaupt keine Lust darauf, aber dann begibt er sich doch auf den Weg. Seine Recherche bringt ihn mit unterschiedlichen Menschen in Kontakt, Menschen, die Modell für van Gogh standen oder ihm anderweitig begegneten, wie Leute in seinen Unterkünften, sein Arzt oder sein Farbenhändler.

In Rückblenden in Schwarzweiß erfährt man aus van Goghs Vergangenheit, angefangen in seiner frühen Kindheit. Schon als kleines Kind war er eine Enttäuschung für seine Eltern. Dieses Muster konnte er in nichts, das er als Jugendlicher oder junger Erwachsener ausprobierte, revidieren. So ist ein farbiges und vielfältiges Bild des großen Künstlers entstanden. Damals belächelt und bespöttelt, kennt ihn heute jedes Kind. Der Inhalt des Briefes, den der junge Arman um jeden Preis weitergeben sollte, so stellt sich heraus, ist höchst lapidar. Es ging einfach um den Weg und die Retrospektive um den Künstler. Der Brief schließt mit den Worten „Loving Vincent“.

Das klingt jetzt alles wie ein schön gemachter Film über einen Jahrtausendkünstler. Doch noch aufregender als die Story ist die Machart des Films selbst. Die Gemälde des Künstlers wurden von mehr als 100 Künstlern in jahrelanger Handarbeit in Szene gesetzt. Der Film wurde zunächst mit echten Schauspielern gedreht, dann malten 125 Künstler das Ganze in Öl im Stil van Goghs nach, und somit entstand mit mehr als 65.000 echten Ölbildern, inspiriert von vielen seiner Gemälde, dieser Film. Dieser ist ein animiertes Kunstwerk in der Optik von Ölgemälden, kein Zeichentrick aus der Trickkiste von Disney und Pixar, keine Computeranimation. Rund 130 Gemälde waren die Vorlage für diesen Film. Einfach fantastisch.

Der Abspann ist wie ein Fotoalbum gemacht. Man blättert durch die Originalölbilder und deren Nachbildungen, durch die Schauspieler und die darauf basierenden neuen Bilder, sowie durch die Schwarzweißbilder aus der Vergangenheit. Zu diesen Schwarzweißbildern, die Alltagssituationen wiedergeben, muss man erwähnen, dass sie so detailgetreu sind wie Fotografien. Man staunt mit offenem Mund. Dazu wird Lianne La Havas neue Interpretation des alten Don McLean-Klassikers „Starry Starry Night“, auch bekannt unter „Vincent“, wiedergegeben:

„Starry, starry night
paint your palette blue and grey
look out on a summer’s day
with eyes that know the darkness in my soul“

Das Innovativste und Schönste, das ich seit Langem im Kino gesehen habe.

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Film: Loving Vincent
Genre: Biografie, Animation
Regie: Dorota Kobiela, Hugh Welchman
Produktionsländer: Großbritannien, Polen
Start in Deutschland: 28.12.2017, 95 Min.
Cast: Douglas Booth, Chris O’Dowd, Saoirse Ronan u.a.

 

 

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