Ein Film wie Poesie

Quelle: http://www.moviepilot.de

Adam und Eve leben in einer Fernbeziehung zwischen Detroit und Tanger. Ihr Alltag ist bestimmt von Musik, Literatur und Blut aus Likörgläsern. Als Eve spürt, dass ihr Mann in einer Depression steckt, nimmt sie die unbequeme Reise in die USA auf sich, um bei ihm zu sein. Glücklich wiedervereint genießen sie ihre Zweisamkeit, schwelgen in Kunst und Kultur und betrauern den Verfall der Welt. Doch die Ruhe ist dahin, als Eves Schwester Ava auftaucht, die ihnen schon früher Probleme bereitet hat und auch diesmal nichts als die Flausen eines ewigen Teenagers im Kopf hat. Und auch diesmal endet ihr Besuch im Chaos …

Die Welt, in der Adam und Eve leben, ist düster, schmuddelig und irgendwie abgelebt, aber im Gegensatz zu den meisten Vampirfilmen ist diese Dekadenz nicht mit den Blutsaugern selbst verbunden. Besonders Adam ist frustriert über die Art, wie Menschen mit sich selbst und ihrer Welt umgehen – nicht zuletzt, weil es immer schwerer wird, nicht verunreinigtes Blut zu bekommen. Die beiden strahlen förmlich durch diese Dunkelheit, Künstler zwischen Ignoranten. Selbst Eves Schwester Ava spielt nicht in der gleichen Liga. Adam und Eve sind wie Felsen in der Brandung, immer verbunden, während die Gesellschaft um sie herum sich ständig wandelt. An der Gegenwart zeigen sie nur begrenztes Interesse – Eve schwelgt in Klassikern der Literatur und Adam gibt sich früher Rockmusik und Wissenschaft hin. Er beweint den Niedergang der Kultur, den Zerfall von Detroit um ihn herum und irgendwie ist es doch nur seine Eve, die ihn am Unleben hält.
Die Fülle von Anspielungen auf die Popkultur des 20. Jahrhunderts, klassische Musik und Autoren bis zurück zu Shakespeare ist eine echte Freude und bringt die nötige Portion Witz in den Film, ohne die er vielleicht etwas zu melancholisch wäre.

Only Lovers Left Alive lebt von langsamen Bildern und Schnitten, minutenlanger Stille und langen Musikeinlagen und kommt entgegen des leicht fantastischen Rahmens der Vampirgeschichte vollkommen ohne Effekte und Schnickschnack aus. Er wird maßgeblich getragen von poetischen Bildern und der glänzenden Leistung der Hauptdarsteller. Tilda Swinton – einmalig unwirklich und ätherisch, wie sie nun mal ist – ist eindeutig die treibende Kraft in der Beziehung, voller Freude am Leben. Als perfekten Gegenpart dazu gibt Tom Hiddleston einen morbiden, leicht suizidalen Rockmusiker, der düstere, schwere Gitarrenmusik komponiert und des Lebens müde wird. Sie ergänzen sich zu einem Traumpaar, das Meinungsverschiedenheiten und Streit längst hinter sich gelassen hat und zu einer perfekten Einheit verschmolzen ist, selbst wenn sie getrennt sind. Seelenverwandte durch und durch. Der Film kommt wunderbar ohne Herzschmerz-Beziehungskiste à la Hollywood aus, sondern erzählt, was Eve und Adam seit Jahrhunderten tun: Überleben, und das gemeinsam.

Ein langsamer, düster-romantischer Film voller Kunst, Musik, Poesie und einer wahrlich unvergänglichen Liebe. Only Lovers Left Alive ist was fürs Auge und fürs Herz, auch wenn dieses Herz ein wenig melancholisch sein muss.

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Only Lovers Left Alive (2013)
Länge: 123min
Genre: Drama
Regie: Jim Jarmusch
Hauptdarsteller: Tom Hiddleston, Tilda Swinton, Mia Wasikowska, John Hurt

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3 Kommentare
  1. Monica
    Monica sagte:

    Eine ganz tolle Filmkritik. Genau so habe ich den Film auch gesehen und empfunden.
    LG, phoebe

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