Immer des G’schieß mit der Elli!

Augustin ist ein erfolgloser Werbefilm-Regisseur in München, Roland ein erfolgloser Romanautor in Wien. Roland (Stefan Fent) erinnert sich an das Angebot seines entfernten Spezls, dass er jederzeit bei ihm in München unterkommen könne. Leider ist der Zeitpunkt jetzt sehr ungünstig. Erstens will Augustin (Thomas Schwendemann) Roland gar nicht mehr kennen, und zweitens ist er gerade wegen etlicher ausstehender Mietzahlungen aus der Wohnung geflogen. Augustin, der Aufschneider und Sprücheklopfer, schafft es eine Zeitlang seinen Lebensstil beizubehalten – wenn man halt jemanden im Bayerischen Hof kennt – aber Roland landet gleich unter der Brücke. Auch wenn dies eine der hübschesten Unterführungen ganz Münchens ist – unter dem Friedensengel – so sitzt er dennoch mit nichts auf der Straße. Schnell kommen die beiden aber zufällig wieder zusammen, es wird gejammert, geschimpft und gegrantelt, und Augustin erinnert sich an das ehemalige Lokal seiner Oma in Giesing, das Gasthaus Schmuck. Neben viel Staub und Spinnweben gibt es da auch noch etliche Kisten mit Schlehenschnaps, der wird probiert. Und dabei wird eine Idee geboren: Warum denn nicht dieses Lokal wieder aufmachen? Wäre das nicht kultig, wenn es nur ein paar Dinge dort gäbe, nur Omas Schlehenschnaps, Würstel, Senf und Kren? Sonst nichts? Die Würstel zu bekommen ist schwierig genug, aber zumindest ist die junge Frau, die ihnen diese dann bringt, ein heißer Feger, und außerdem völlig hingerissen von Rolands Wiener Dialekt und Ausdrucksweise. Sind sie schon zu dritt, die drei vom Gasthaus Schmuck. Laura (Stefanie Mendoni) peppt den Kneipennamen noch etwas auf und trägt mit der CD mit Aufnahmen ihrer Freundin zum Hörgenuss bei. Anfangs ist das ganze etwas zäh, will heißen, es kommt niemand, aber dann wird es plötzlich der „Place to be“, jeder will ins Schmucklos! Thomas D. steht an der Theke, Harry G spricht öffentlich über das Schmucklos, sogar Alt-OB Christian Ude kommt zu Wort! Und ganz gehörig geholfen hat dabei die Oma (Marianne Sägebrecht), die zwar schon längst tot ist, aber noch ganz schön lebendig aus dem Bilderrahmen heraus schimpft!

Das klingt jetzt alles sehr lustig und urig. Der Film hat aber reale Hintergründe eingebaut: Die Gentrifizierung, die auch in dem eigentlich recht einfachen Giesing nicht Halt macht, das abgerissene Uhrmacherhäusl um die Ecke, der Leute-aus-den-Wohnungen-Rausgrauler, die normalen Leute, die sich das Leben in München nicht mehr leisten können (toll mal wieder: Eisi Gulp), und die, die sich mit Händen und Füßen wehren wie Lisl Graubein (Michaela May), man sollte sie Raubein nennen!

Herrlich das Lokalkolorit, die Kneipen, die Plätze, die Sprüche und Schlagabtausche, die zufälligen Passanten (Uschi Glas und Günther Maria Halmer)! Die rührendste Rolle hat ein Mann, der hier bezeichnenderweise Giesinger heißt: Joseph Hannesschläger, der Rosenheim Cop, als liebenswerter Pate von Giesing in seinem letzten Film.

Übrigens: Die Band Monaco Fränzy gibt’s wirklich, und deren Debütalbum, das im Schmucklos in Dauerschleife läuft, ist parallel zum Film entstanden und im Handel erhältlich. Dass junge Leute sich Monaco Fränzy nennen ist schon alleine eine Schau. Dass die jungen Macher des Films es schaffen, ein „Immer des G’schieß mit der Elli!“ mehrmals einzubauen ist eine liebenswerte Reminiszenz. Der Film läuft schon eine ganze Weile, aber man kann ihn immer noch am Wochenende im Rio Palast anschauen – und das Kino ist zu Recht voll.

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Schmucklos
Genre: Komödie
Produktionsland: Deutschland
Start in Deutschland: 21.11.2019, (1 Std. 49 Min. )
Regie: Thomas Schwendemann
Cast: Thomas Schwendemann, Stefan Fent, Stefanie Mendoni, Franziska Zawila, Michaela May, Eisi Gulp, Marianne Sägebrecht, Joseph Hannesschläger, Günther Maria Halmer, Uschi Glas, Harry G, Thomas D., Christian Ude u.v.m.

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