Immer weiter, nur nicht stillstehen

Ich beame uns jetzt mal in die 1970er Jahre zurück, da war Suzi Quatro eine der ersten erfolgreichen Frauen im Rockgeschäft – noch dazu am Bass! Sie erzählt in der englischsprachigen Dokumentation Suzi Q aus dem Jahr 2019 ihre Lebensgeschichte: von ihrer Kindheit in Detroit in den 50er Jahren, von ihren Eltern und ihren vier Geschwistern (tatsächlich mit dem Nachnamen Quatro), von ihren ersten Auftritten ab dem achten Lebensjahr bis zur Gründung der erfolgreichen Band Pleasure Seekers gemeinsam mit ihren drei Schwestern (da war sie 14), bis zu ihrem Aus-/Aufbruch Ende 1971 nach London mitsamt den damit verbundenen familiären und persönlichen Schwierigkeiten.
Der Musikproduzent Mickie Most nimmt sie unter seine Fittiche, die ersten zwei Jahre sind hart, aber mit dem Engagement von Nicky Chinn und Mike Chapman als Komponisten wird der Grundstein für große Erfolge gelegt.

„Can the can“ (1973) macht den Anfang, „48 Crash“, „All shook up“ und noch viele mehr. Es werden im Laufe der Jahre weltweit mehr als 55 Millionen Platten verkauft, außerdem gibt es diesen für mich unvergesslichen Song „Stumblin‘ in“, ein Duett mit Chris Norman (1978).
1977 steigt Suzi in eine Sitcom in Amerika ein (Happy Days) und macht ihre ersten Schauspielerfahrungen, die sie später weiter ausbauen kann. 1978 heiratet sie ihren Bandkollegen Len Tuckey, in den 80er Jahren wird die Familie erweitert, es wird sehr ruhig um die Band. 1985 kehrt Suzi Quatro zurück auf die Bühne, allerdings nur als Schauspielerin. Seitdem gibt es auch immer wieder Auftritte als Sängerin mit neuer Band, es ist nicht mehr das gleiche, aber sie ist trotzdem mit viel Energie und Freude dabei.

Suzi Quatro ist für mich eine tolle Frau, damals in ihrem Ledersuit und mit diesen Powersongs und heute als gereifte Frau – wir sind beide erwachsen geworden, und ich bin kein Groupie mehr. Ich bin begeistert von dieser natürlichen Offenheit, in der Suzi von ihrem Leben und ihren Erlebnissen erzählt. Es gibt in ihrem Fall bis heute keinen Stillstand, auch wenn es wie in der Anfangszeit bedeutet, jemanden oder sich selbst weh zu tut. Interessant sind die Interviews mit ihren Geschwistern oder mit anderen weiblichen Rockstars, für die die Sängerin eine Inspiration und Vorbild war (dazu zum Beispiel Cherie Currie). Außerdem äußern sich u.a. Joan Jett, Debbie Harry, zwei Mitglieder der Talking Heads und Alice Cooper, mit dem Suzi Quatro und ihre Band auf Tour waren. Suzi hat einen Großteil ihrer Jugend für die Musik geopfert, das kann man sehen, dass ihr das im Nachhinein leid tut (ein sehr berührender Moment in dem Film). Es gibt einige Livemitschnitte und Interviews aus der großen Zeit der Bassistin zu sehen.
Liam Firmager bewies mit seiner Regie ein gutes Händchen. Er stellt die Wucht und Power dieser kleinen Person heraus, aber lässt uns auch die weiche Seite dieser Powerfrau sehen.

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Suzi Q
Amazon Prime, Vö. 04.06. 2020
DVD, Vö. 07.08.2020 – 15,29
Regie: Liam Firmager
Genre: Dokumentarfilm, Musikfilm, Biografie
Filmlänge: 98 Minuten
Sprache: Englisch

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