FHTAGN!

cthulhus-ruf_9783453534988.Da ich davon ausgehe, dass H. P. Lovecraft unseren Lesern kein Unbekannter ist, fasse ich mich kurz: Howard Phillips Lovecraft ist ein aus New England stammender Schriftsteller anfangs des 20. Jahrhunderts, der zu Lebzeiten leider erfolglos blieb. Erst später erhält er weltweite Anerkennung, nicht zuletzt durch Autoren wie Stephen King und Neil Gaiman. Er war seiner Zeit weit voraus, doch heute sind seine Geschichten um die Großen Alten und den Cthulhu-Mythos, die Tod und Wahnsinn verheißen, längst Kult. Unzählige Filme, Spiele und Romane sind auf sein Werk zurückzuführen, das auch viele Bands beeinflusste.
Mit Cthulhus Ruf wurde nun seine zentrale Geschichte nicht nur neu veröffentlicht, sondern darüber hinaus von François Baranger bildgewaltig begleitend illustriert. Er war schon an der Gestaltung von Filmen wie Kampf der Titanen, Die Schöne und das Biest und Harry Potter beteiligt.

In Boston des Jahres 1926 verwaltet der Anthropologe Francis Thurston den Nachlass seines Großonkels, Professor für semitische Sprachen, der unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen ist. Dabei entdeckt er Papiere und Hinweise, die von einem weltweit vertretenen geheimen Kult berichten, deren Mitglieder ein uraltes Wesen mit Flügeln, Klauen und Tentakeln anbeten: Cthulhu. Daraufhin beginnt Thurston eigene Nachforschungen anzustellen. Als Leser*in folgt man dabei dessen Perspektive. Erst nach und nach setzt sich mit jedem neuen Hinweis das vollständige Bild zusammen, wobei diese nicht in chronologischer Reihenfolge entdeckt werden. Die Geschichte ist also sehr komplex, aber genau dadurch entsteht ein unwiderstehlicher Sog, der eine*n immer tiefer in die Geschehnisse eindringen lässt, während das unaussprechliche Grauen wächst und wächst. Man erfährt von einer Blutspur aus Todesfällen, Menschen, die wahnsinnig werden und der versunkenenen antiken Stadt R’lyeh. In dieser Geschichte von Lovecraft wird der Cthulhu-Mythos geboren: Ph’nglui mglw’nafh Cthulhu R’lyeh wgah’nagl fhtagn.

Fazit: Cthulhus Ruf lohnt sich unbedingt für alle Kultisten, Fans und diejenigen, die danach unweigerlich Fans sein werden. Die Story an sich ist ja schon grandios, und Baranger hat sie darüberhinaus wie schon gesagt bildgewaltig begleitend illustriert. Er versteht es bestens, die surrealen Stimmungen einzufangen und das Grauen auszudrücken, das die Protagonisten der Geschichte erfasst. Es wirkt beim Lesen beinahe wie ein epischer Kinofilm.
Leider muss ich noch auf den unterschwelligen Rassismus hinweisen, der stellenweise zu Tage tritt. Das war 1926 schon falsch, ist heutzutage in Zeiten von Black Lives Matter erst Recht völlig unaktzeptabel und gehört entschieden verurteilt. Dennoch muss man feststellen, dass das leider Teil der allgemein vorherrschenden gesellschaftlichen Strömung seiner Zeit gewesen ist, der auch Lovecraft unterworfen war. Um so besser, dass sich hier endlich etwas ändert und das Thema heute mehr in den Fokus des öffentlichen Bewusstseins rückt.

:buch: :buch: :buch: :buch: :buch: :popcorn:

H. P. Lovecraft: Cthulhus Ruf
Heyne, Vö. 12.10.2020
Hardcover mit Schutzumschlag, 64 Seiten, 64 farbige Abbildungen
25,00 €, erhältlich über Penguin Random House

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