Interview mit Autor André Wegmann

Viele Autoren bleiben unentdeckt, weil sie keinen Verlag finden. Das Ebook hat dies geändert und fördert viele Talente zu Tage, von denen man vielleicht nie gehört hätte. Dazu gehört auch André Wegmann, Autor der Horror-Novellen„Sonne des Grauens“ und „Kutná Hora – Kreaturen des Zorns“. Er hat sich die Zeit für ein ausführliches Interview genommen und gibt Einblick in sein Schaffen.


Autor André Wegmann

Kyra Cade: Ende 2011 erschien Dein erstes Ebook. Im April 2012 bereits das zweite. Arbeitest Du schon an etwas Neuem?
André Wegmann: Nein, noch nicht. Die letzten Wochen habe ich intensiv an der Fertigstellung von „Kutná Hora – Kreaturen des Zorns“ gearbeitet und jetzt sammele ich erst mal neue Ideen und versuche „Kutná Hora“ bekannter zu machen, indem ich es auf verschiedenen Seiten und Blogs vorstelle, was auch Zeit in Anspruch nimmt. Aber es lohnt sich anscheinend, aktuell freue ich mich über Platz Fünf in der Rangliste der Horror-Ebooks bei Amazon.

K. C.: Wie und wann kamst Du zum Schreiben?
A. W.: Ich hab schon in der Schule gerne geschrieben und später dann just for fun im Internet in Foren. 2003 versuchte ich mich an den ersten Kurzgeschichten, verlor das aber erst mal wieder aus den Augen. Vor anderthalb Jahren suchte ich nach einem Nebenverdienst und begann damit, sogenannte „Unique Content“-Texte zu allen möglichen Themen zu schreiben. Das entwickelte sich sehr gut, ich hatte schnell meine Stammkunden, die mich regelmäßig mit Aufträgen versorgten. Aber irgendwann wollte ich nicht mehr nur schöne Texte zu zum Beispiel irgendwelchen Urlaubsregionen verfassen, sondern was eigenes und fantasievolleres. Im Sommer 2011 begann ich mich dann für Ebooks zu interessieren, da die Werbung für den Kindle auf der Startseite von Amazon ja kaum zu übersehen ist. Schnell dachte ich, das wäre ideal und die Überlegungen für mein erstes Ebook begannen.

K. C.: Gibt es literarische Vorbilder?
A. W.: Nein, nicht wirklich. Es gibt viele tolle Autoren, vor deren Können ich großen Respekt habe. Aber ich habe niemanden als Vorbild. Ich schreibe so, wie mein Gefühl es mir vorgibt und orientiere mich an niemand bestimmten.

K. C.: Welches ist Dein Lieblingsbuch?
A. W.: Auch da gibt es viele sehr gute Bücher. Ich habe zahlreiche tolle Thriller gelesen, die für sich schon absolut beeindruckend waren. Aber ein Lieblingsbuch zu nennen, fällt mir schwer. „Ice Ship“ vom Autorenduo Preston und Child hatte irgendwie was Besonderes.

Witzig, furchteinflößend, erschreckend: Das Horror-Genre

K. C.: Warum hast Du Dir das Horror-Genre ausgesucht?
A. W.: Horror und Krimis/Thriller sind meine Lieblingsgenre. Mein erstes Ebook „Sonne des Grauens“ hatte ja einige Thrillerelemente. Na ja, im Horrorbereich kann ich mich schön austoben, furchteinflößende, fantasievolle Figuren und Plots kreieren und versuchen, die ganze Bandbreite der Emotionen bei den Leuten zu erreichen. Wenn ich Lust hab, kann ich lustige Passagen einbauen, oder erotische… Und ich kann versuchen die Leser ordentlich zu erschrecken (lacht).

K. C.: Hast Du Dich auch in anderen Genres versucht?
A. W.: Noch nicht wirklich. Habe kürzlich auch mal eine Liebesgeschichte geschrieben und ich bin diesbezüglich so selbstbewusst, dass ich denke, ich könnt auch sowas. Aber da muss man natürlich aufpassen, da es schnell zu schmalzig und kitschig wird. Aber viele Leser stehen ja auf so was, wenn man sieht, wie sich so Liebesromane oder -heftchen verkaufen. Nur mir macht es keinen Spaß irgendwas allzu kitschiges zu schreiben, selbst wenn dafür vielleicht ein größerer Leserkreis besteht, als für Horror. Ein Krimi oder Thriller wäre mal eine echte Herausforderung.

K. C.: Was inspiriert Dich zu blutrünstigen und entstellten Charakteren wie die Schausteller des Jahrmarkts aus „Kutná Hora“?
A. W.: Sicher denkt man ab und zu automatisch hier und da an Filme oder Bücher, die man gesehen bzw. gelesen hat. Ich habe auch seit der Kindheit gerne Wrestling geschaut, dort geht es letztlich auch darum, Leute zu unterhalten und zu begeistern. Dazu werden immer wieder teils skurrile „Gimmicks“ präsentiert, mit bunten oder furchteinflößenden Gesichtsbemalungen zum Beispiel.
Na ja hauptsächlich lasse ich aber natürlich meiner Fantasie freien Lauf und versuche Charaktere zu kreieren, die zur Story passen. Und bei Horrorgeschichten passt blutrünstig und erschreckend natürlich ganz gut.

K. C.: Wie lange brauchst Du durchschnittlich für ein Ebook? Kann man das sagen?
A. W.: Hm, nein. „Sonne des Grauens“ hab ich ne Weile ganz entspannt nebenbei geschrieben. Immer wenn ich Lust hatte, mal ne Stunde. Und so lang ist die Geschichte ja nicht. „Kutná Hora“ dagegen war richtige Arbeit, über zwei bis drei Monate, fast täglich. Nicht nur das Schreiben an sich. Ich habe den Jahrmarkt und das „House of Horror“, in dem die Story zu weiten Teilen spielt, zum Beispiel extra auf Papier skizziert, um möglichst bildhaft und detailliert schreiben zu können. Auch die Recherche hat einiges an Zeit in Anspruch genommen.

Kaffee, Zigaretten und erledigte Aufgaben

K. C.: Wo und unter welchen Umständen schreibst Du? Läuft dabei Musik, muss es still sein, brauchst Du eine Tafel Schokolade?
A. W.: Unterschiedlich. Mal brauche ich Ruhe dazu, dann wiederum läuft auch Musik. Schokolade ist immer gut, aber ich brauch sie nicht zum Schreiben. Eher Kaffee und Zigaretten (lacht).

K. C.: Was lenkt Dich dabei am meisten ab? 
A. W.: Stress. Daher schreibe ich die Geschichten, wenn alle anderen Arbeiten für den Tag erledigt sind und ich Ruhe dafür habe.

K. C.: Dein Trick zur Überwindung einer Schreibblockade?
A. W.: Habe ich keinen bestimmten. Wenn es gut läuft und die Finger über die Tastatur wie von selbst gleiten, schaffe ich mehr und wenn ich so etwas wie eine „Schreibblockade“ habe, schaffe ich vielleicht höchstens einen Absatz in zwei Stunden und höre dann auf und mache an einem anderen Tag weiter.

K. C.: Was machst Du neben dem Schreiben? Hast Du einen Job und andere Hobbys, oder füllt das Schreiben Dein Leben / Deine Freizeit komplett aus?
A. W.:Wie vorhin erwähnt, verdiene ich auch mit dem Schreiben von Texten Geld. Viele Firmen und zum Beispiel Hotels brauchen einmalige und qualitativ gute Texte, um erstens ihre Kunden zu informieren und anzulocken, und zweitens um bei Google hoch gelistet zu werden. Außerdem bin ich noch im Internethandel aktiv. In der Freizeit lese ich gerne oder mache Fitnesstraining. Und natürlich verbringe ich gern Zeit mit meiner Freundin.

K. C.: Verfolgen Dich Deine Geschichten manchmal?

A. W.: Nicht in der Art, dass ich schlecht davon träume (lacht). Ja, wenn ich an einer Story „dran“ bin, kommen mir die besten Ideen dafür oft kurz vorm Einschlafen oder zwischendurch beim Haare Waschen oder Rasieren (lacht).

Ebooks als Chance für Autoren und Grund für verändertes Leseverhalten

K. C.: Sind Ebooks für unbekannte Autoren eine Chance, endlich veröffentlicht zu werden und Aufmerksamkeit zu bekommen? 
A. W.: Auf jeden Fall. Jeder hat jetzt die Chance zu veröffentlichen. Aber es ist gut, dass es Bewertungssysteme gibt. Was qualitativ gut ist und einen Kundenkreis findet, wird sich durchsetzen. Was schlecht ist, wird auch hier nicht überleben. Aber Ebooks sind eine tolle Sache. Mein eigenes Leseverhalten hat sich dadurch sehr verändert. Ich schiebe jetzt zum Beispiel gerne mal eine Kurzgeschichte zwischen zwei Romanen ein. Außerdem entdecke ich guten Lesestoff, den ich vorher nicht gefunden hätte. Zudem, mein Ebook „Kutná Hora“ hat umgerechnet etwa 83 Taschenbuchseiten. So etwas würde man in keiner Buchhandlung finden, aber ich glaube, dass viele eine Geschichte in einer solchen Länge zu einem günstigen Preis gerne lesen. Nicht jeder hat immer Lust auf einen 500 Seiten starken Roman, zumal man oft gar nicht weiß, ob einem die Story dann wirklich so gut gefällt.

K. C.: Ist ein Buch aus „Fleisch und Blut“ oder ein Vertrag mit einem Verlag das Ziel auf lange Sicht?
A. W.: Nein. Sicher, ein eigenes Buch, physisch anfassbar, in den Händen zu halten, hätte schon was. Aber ich will gute Geschichten schreiben und diese natürlich auch erfolgreich verkaufen. Das Format spielt keine Rolle. Wenn irgendwann ein Verlag anklopft, würde ich mich sicherlich geschmeichelt fühlen, aber das ist nicht mein Traum. Außerdem würde es mich sehr unter Druck setzen, die erwarten dann ja eine qualitativ gute Story in Romanlänge bis zu einem bestimmten Zeitpunkt.

K. C.: Was würdest Du jemandem empfehlen, der schreibt und veröffentlichen möchte?
A. W.: Just do it. Wer weiß, dass er einigermaßen gut schreiben kann und von seiner Story überzeugt ist, sollte es einfach machen. Zu verlieren hat man wenig. Man sollte Wert auf ein gutes Cover legen, das ist wichtig und wird oft unterschätzt. Außerdem ist ein Lektorat wichtig. Viele Indy-Autoren können und wollen sich da kein professionelles leisten, aber man sollte den eigenen Text zumindest von jemanden, der gute Deutschkenntnisse hat und viel liest, gründlich prüfen und auseinandernehmen lassen. Am Anfang dachte ich auch, es reicht, wenn ich selber gründlich überarbeite. Aber das ist falsch. Ein vernünftiges Lektorat macht den eigenen Text um einiges besser.

K. C.: Ziele oder Wünsche für die nahe Zukunft?
A. W.: Gesundheit für mich und alle, die mir am Herzen liegen, Erfolg für meine Ebooks und anderen Tätigkeiten, und privates Glück. Momentan läuft alles ganz gut, hoffe es geht so weiter (lacht).

K. C.: Ein paar Worte zum Abschluss?
A. W.: Ich bedanke mich für die Interviewanfrage und die damit verbundene Gelegenheit, mich und meine Ebooks hier auf SchwarzesBayern vorzustellen. Und Dir, Kyra, wünsche ich natürlich alles Gute und viel Erfolg für deine eigenen Werke.

K. C.: Vielen Dank für die guten Wünsche und das Interview!

Die Ebooks von André Wegmann gibt es hier:

Fotos von André Wegmann.

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