Interview mit Combustion

In München gibt es ein Death Metal Quintett, dass nun schon seit einigen Jahren für Aufsehen im Underground sorgt und dabei seinen Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad stetig steigert. Nachdem Combustion nun schon mehrere Artikel im Webzine gewidmet wurden, unter anderem auch als Band der Woche, wurde es nun Zeit, sie auch einmal zu interviewen. Zu diesem Zweck wurde ich ins Herz ihres Schaffens eingeladen, um mich dort mit Drummer Necro und Gitarrist Kaffka zu treffen. Nach einer kurzen Besichtigung ihres Proberaums ging es dann auch gleich ans Werk.http://www.schwarzesbayern.de/wp/wp-content/gallery/cd-cover/combustion-band-2012.jpg

FeindbildMensch: Aus welcher Idee heraus wurde Combustion gegründet? Was ist der Grundgedanke hinter der Band?
Necro: Also gegründet kann man so nicht sagen, da wir schon zusammen in die Schule gegangen sind und schon zu zweit, als jeder sein erstes Instrument hatte, quasi zusammen Musik gemacht haben. Aber wir wollten schon immer eine Band haben. Das war also der Urgründungsgedanke.
Kaffka: Der Grundgedanke ist schlicht und einfach, einen Ding zum Alltag zu haben. Einen Ding zum Ausgleich.
Necro: Ja, es ging immer ums Spielen, nicht darum, damit was zu erreichen.

FeindbildMensch: Combustion bedeutet auf Deutsch der Brand, wie kamt ihr auf diesen Namen und was verbindet ihr mit ihm?
Kaffka: Das hat einfach was damit zu tun, wenn wir uns treffen, können wir den Alltag liegen lassen. Man sieht es so ein bisschen als die Verbrennung von Seelenmüll. Es ist einfach, Proberaum, alle Probleme bleiben draußen und dann machen wir einfach, worauf wir Bock haben.
Necro: Egal was den Tag passiert ist, wenn Bandprobe ist, dann brennts!

FBM: Von welchen Bands ist eure Musik beeinflusst?
Kaffka: In erster Linie gehts um aktuelle Hörgewohnheiten, die spielen immer mit rein. Und dann noch die All-Time-Favorits, die man so hat. Also wir haben keine klassische Richtungsausprägung.
Necro: Es ist nicht so, dass wir sagen, wir wollen so sein wie diese Band, sondern jeder hat seine musikalischen Vorlieben und denen versucht er nachzukommen. Von fünf Leuten spiegelt sich das dann in der Band wider und daraus baut man dann was.

FBM: Aus welchen Gründen habt ihr euch von den vielen Arten Metal zu spielen gerade für Death Metal entschieden?
Necro: Das ist immer dieses Schubladendenken, das machen andere für dich. Du machst Musik und dann kommen andere und sagen: Das ist schon mal kein Core und Black Metal ist es auch nicht und New-Core-Thrash-Heavy ist es vielleicht auch nicht unbedingt, dann muss es Death Metal sein. Wir selbst haben nie gesagt, wir spielen genau diese Art von Musik, wir haben gesagt, wir spielen unsere Art von Musik und die anderen haben nen Stempel drauf gesetzt. Wenn man mich persönlich fragt, sage ich, wir spielen Combustion Metal.
Kaffka: Es passiert einfach. Aus den Riffs, die da sind und wie jeder einzelne sein Instrument bedient, kommt dann einfach raus, was raus kommt. Also wir gehen auch nie in den Proberaum und sagen, das muss jetzt so klingen wie das und das.
Necro: Es läuft auch nie eine CD einer anderen Band und einer sagt, ich will jetzt so klingen. Und wenn wir was durch unsere Presse durchgejagt haben, ist es eigentlich immer geil.
Kaffka: Zumindest für uns.
(allseitiges Gelächter)

FBM: Was sind in euren Augen absolute No-Gos für Death Metal Bands?
Kaffka: Für mich ist ein No-Go für ne Death Metal Band, wenn es einfach nicht drückt. Ich mags nicht, wenn es sich nur irgendwie durchschaukelt, es muss nen Groove haben und es muss ordentlich stampfen. Das beste Beispiel für mich ist da von Six Feet Under das Haunted-Album, weil es so simpel und banal ist, aber es sind Hooks und Riffings drin, die haben einfach genau diesen Druck, den ich mir von ner Death Metal Band erwarte. Wenn etwas nicht funktioniert, dann ist es sowas wie eine Morbid Angel Show, sowas haut einfach für mich nicht hin. Ich nenns mal plump so’n Rumgewichse, dann stehen die statisch auf der Bühne rum, es entsteht einfach keine Stimmung.
Necr0: Also ich komm aus nem Black Metal Bereich und wenn da das Album gut ist, heißt es noch nicht, dass die Band performen kann. Für mich ist es traurig, wenn ich live dann Musiker seh, die versuchen das umzusetzen, aber scheitern dann kläglich dran, weil es im Studio einfach machbar ist und live dann nicht mehr. Also ich verzeihe eher Fehler auf der CD, wenn ich nach ner Show dann nach 60 Minuten rausgehe und sage: Wow … bam … das hat gerockt! Bei Morbid Angel steh ich halt da und denk mir: Okay … joar … nochmal nicht unbedingt. Ne Band muss es live bringen.

FBM: Wer ist bei Combustion fürs Songwriting zuständig?
Necro: Den Großteil macht der Kaffka, in Prozent will ichs nicht sagen, aber ich sag mal den Großteil, das meiste, fast alles. Das Endprodukt entsteht dann organisch zusammen, aber die meisten Ideen und Einflüsse kommen vom Kaffka.
Kaffka: Aber es ist selten, dass ich mit nem komplett fertigen Song dastehe. Meistens kümmern wir uns gemeinsam um die Arrangements. Meistens gibt es nur einen Riff oder einen Grundgedanken und das schustert man dann mit anderen zusammen und probiert es aus und so entsteht dann quasi ein Gerüst. Dafür nehmen wir uns dann Raum und lassen uns für den Feinschliff soviel Zeit, wie es braucht. Wir hatten auch schon den Fall, dass ganze Parts quasi aus Fehlern heraus entstanden sind.
Necro: Aktuelles Beispiel: Die Single „Betrayer“ ist der lange Anfang bei einem Konzert entstanden. (Kaffka lacht) Denn ich war schon fertig und hab die Fußmaschine schon abgebaut. Mein Kollege meinte aber, wir spielen die Zugabe noch und stimmt in das Lied ein. Dreht sich dann aber um und sieht, dass ich meine Fußmaschine in der Hand habe und dann haben wir den Anfang halt verdoppelt und verdreifacht und vervierfacht. Irgendwann bin ich dann mit eingestiegen, als wieder alles aufgebaut war und so ist die neue Version entstanden.

FBM: Ihr wart kürzlich wieder im Studio, darf man mit einem weiteren Silberling rechnen?
Kaffka: Wir waren hier in München bei Another Diamond Recordings bei Nick und Aaron. Die Jungs verfahren eigentlich im Gegensatz zu unserer EP, bei der alles oldschoolig, klassisch gemacht ist ganz anders, sie haben sehr morderne Produktionsarten, die wir einfach mal für uns ausprobiert haben. An dieser Stelle nochmal ein klares Danke an Nick und Aaron. Der Grundgedanke dieser Aufnahme war eigentlich herauszufinden, ob wir mit den Jungs zusammen funktionieren und unserer Meinung nach hat das ziemlich gut geklappt. Wir stehen jetzt in der Planung für unser erstes Full-Length-Album. Einen genauen Zeitraum gibts noch nicht, wir möchten uns einfach die Zeit nehmen, um es ergebnissoptimiert für uns umzusetzen. Demnach gibt es noch keinen festen Zeitpunkt; mit der Konstruktion der Songs sind wir durch, am Feinschliff sitzen wir jetzt gerade und hoffen, da dieses Jahr noch einsteigen zu können.
Necro: Auf jeden Fall! 2014 wird das Ding geschmiedet!
Kaffka: Gut, dann ist das so!
(Allseitiges Gelächter)

FBM: Von unterschiedlichen Bands hört man von verschiedenen Methoden, sich auf ihre Gigs einzustimmen. Wie bereitet sich Combustion vor einem Auftritt darauf vor, die Bühne zu betreten? Habt ihr ein bestimmtes Ritual dafür?
Necro: Nur eins. Die Band hat mal ein Spielzeug für meinen Hund gekauft und dann fanden wir es aber ganz toll und der Hund hats nie gesehen. Das ist ne Gummisau zum Draufrumkauen und die drücken wir jetzt alle vor der Show mal, weil sie ein sehr Death Metal lastiges Quietschen an den Tag legt. (Gelächter) Ansonsten dehnt sich jeder ein bisschen durch, wärmt sich auf, oft haben wir als Backstageraum ja auch nur eine Toilette, wo es dann mit Ritualen ein bisschen schwerfällt.
Kaffka: Also alles ganz unspektakulär.

FBM: Gibt es Bands, mit denen ihr besonders gerne mal einen gemeinsamen Gig spielen würdet?
Kaffka: Ja! Fertig!
Necro: Logo, man, was ist denn das für ne Frage?
(Gelächter)
Kaffka: Ne klar, man würde immer gern mit seinen Idolen oder mit richtig großen Bands zusammenspielen. Wir sind zum Beispiel beide große Meshugga Fans, also in die Richtung zu gehen wäre absolut awesome.

FBM: Eine Band durchlebt in der Regel Höhen und Tiefen. Gibt es einen Moment den ihr als euren bisherigen Tiefpunkt bezeichnen würdet?
Kaffka: Es gibt immer Höhen und Tiefen und man kann keinen echten Tiefpunkt in dem Kontext benennen. Wir sind ne Band, wir bestehen aus fünf Freunden, die das zusammen machen, mal gehts dem einen besser, mal gehts dem anderen schlechter, das gehört einfach dazu. Wenn fünf Leute das gleiche Mitspracherecht haben, gibt es natürlich mal Reibereien oder Shows, die nicht so gut laufen, aber dann zieht man sich auch gegenseitig wieder hoch. Von nem klaren Höhepunkt kann man immer sprechen, wenn eine Show geil war und wenn das Publikum Spaß hatte.

FBM: Welche Ziele habt ihr euch selbst gesteckt? Was wollt ihr mit Combustion erreichen?
Kaffka: Weltherrschaft! (Gelächter)
Necro: Ich fänds schon geil, den aktuellen Status Quo aufrecht zuerhalten, dass ich die Möglichkeit hab, geile Shows zu spielen. Wie weit es noch ausufert, darum mach ich mir keine Gedanken, weil ich es so schon geil finde.
Kaffka: Es ist einfach die Tatsache, du machst was aus dem Nichts heraus und dann hast du plötzlich Leute, die sind geil drauf das mit dir abzufeiern.

FBM: Womit verbringt ihr eure Freizeit noch, abgesehen davon Musik zu machen?
Kaffka: Ich arbeite viel, um das für mich zu finanzieren, und ansonsten zock ich leidenschaftlich gern.
Necro: Ich bin viel im Tattoostudio und ich arbeite auch, und als Ausgleich zu dem ganzen Trubel bin ich dann gerne mit dem Hund spazieren oder mach mir einen ruhigen Abend mit Freunden.

FBM: Entscheidet euch spontan für eine der beiden Möglichkeiten:
– Fleisch oder Gemüse?

Beide: (wie aus der Pistole geschossen) Fleisch!
Necro: Wir haben keinen Veganer oder Vegetarier in der Band.
Kaffka: Und wenn, dann würden wir sie mit Wurstwasser bespritzen. Fahre aus, Salatdämon! (Gelächter)

Kinobesuch oder DVD-Abend?
Beide: DVD.
Necro: Weil ich gerne rauche.

– Süß oder Salzig
Kaffka: Salzig.
Necro: Süß.

– Die Simpsons oder Futurama?
Beide: Simpsons, logisch.

– Skandinavien oder Karibik?
(Necro sagt nichts, aber deutet auf eine Norwegenflagge sowie mehrere Poster skandinavischer Bands wie Mayhem und Co)
Kaffka: Ich nehm die Karibik, was soll ich denn in Skandinavien tauchen, viel zu kalt.

– Band oder Freundin?
Kaffka: Ich habe das Wort der Bandin generiert, um hier bei niemandem anzuecken. (Gelächter)
Necro: Ich schließe mich der Gratwanderung an, es ist beides geil.

FBM: Kommen wir zur letzten Frage: Gibt es noch etwas, das ihr euren Fans und Hörern mitteilen möchtet?
Necro: Klassisch bedankt man sich logischerweise bei allen, die zu den Gigs kommen, bei allen, die gerne Zeit mit uns verbringen, bei allen, die uns helfen; einfach bei allen, die das Ganze möglich machen.
Kaffka: An der Stelle möchte ich den Tommy von Bambetta Guitars nochmal erwähnen, der mich mit Gitarren versorgt und uns an den Saiteninstrumenten mit Technik unterstützt. Sonst noch was?
Necro: Ich find mich klasse! (Gelächter) Achso, außerdem noch die nächsten Shows, wann man uns mal wieder live brennen sehen kann:
22.3. in Rosenheim beim Revolution Contest als Special Guest.
19.4. in München als Support von Milking the Goatmachine.
Tags drauf in Leverkusen beim Pro-Moshen
und dann nochmal Ende Mai bei Death over Munich.

FBM: Okay, ich bedanke mich für das Interview.
Kaffka: Gerne.

Die Jungs scheinen ein gesundes Selbstbewusstsein zu haben, was sie aber auch mit ihrer wirklich hörenswerten Musik vollkommen rechtfertigen. Wer Combustion noch nicht kennt, sollte sie sich wirklich mal zu Gemüte führen und es ist auch, wie ich aus Erfahrung weiß, kein Fehler, eine ihrer Shows zu besuchen. Und seid gewiss, wenn das angekündigte Album erscheint, werden wir es natürlich sofort vorstellen.

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