Interview mit Milou Manouche von Des Koenigs Halunken

Liebestolle Sultane und rachsüchtige Feen

Des Koenigs Halunken haben zuletzt Anfang April als Support für Coppelius in München und Stuttgart gespielt. Dabei wandelte sich anfängliche Skepsis des Auditoriums rasch in Begeisterung um. Die fünf Schweizer erzählen mit alten und neuen Instrumenten und viel Geschick ihre Erlebnisse als Hofstaat König Neidhelms und von ihrer „Irrfahrt“. Dabei wechseln sich mittelalterliche Klänge und echter Rock ab. Milou Manouche, Texter und Sänger der Halunken hat uns einige Fragen beantwortet.

Kyra CadeDie Halunken sind in Deutschland bisher nur einem kleinen Publikum bekannt. Stellt euch doch mal bitte kurz vor.
Milou Manouche: Wir sind ein bisschen verrückt (*grins*). Das liegt nicht daran, dass wir aus der Schweiz kommen, sondern weil wir fünf Musiker mit viel zu viel Phantasie sind. Die müssen wir irgendwo ausleben: Bei des Koenigs Halunken können wir das. In unseren Geschichten finden märchenerzählende Irrlichter ebenso Platz wie liebestolle Sultane oder rachsüchtige Feen. All diese Ideen landen in Folkrockliedern und bilden zusammen eine ganze Geschichte.

K. C.Was macht euch aus?
M. M. : Wir sorgen für Spaß, gute Unterhaltung und Tanz. Fünf abgefahrene Figuren in schillernden Kostümen erzählen in einer kurzweiligen Märchenrockshow eine zusammenhängende Geschichte. Mittlerweile ist eine richtige Halunkenwelt entstanden.

K. C.Ihr bezeichnet euer momentanes Programm als „Märchen-Rockshow“. Das ist ein beeindruckender Stilmix. Was erwartet das geneigte Auditorium? 
M. M. : Als Konzeptband verweben wir unsere zahlreichen Ideen zu einem Geschichtenteppich, in welchem unsere Märchenrocksongs zu einem Ganzen verknüpft werden. Wer Des Koenigs Halunken besucht, der kann nicht nur zu unseren Liedern rumhüpfen, er erlebt auch eine Geschichte. In seinem neusten Abenteuer verschlägt es König Neidhelm den Neunundsechzigsten samt Hofstaat in eine unterirdische Stadt – und dort ist die Hölle los! Jeden Sonntag trifft sich das Volk in der Arena und wohnt den abgefahrensten Zirkusspielen bei. Da stehen Gourmet-Kannibalen genauso auf dem Programm wie ein nackter Kaiser. Sogar ein Fremdling aus der gefürchteten Oberwelt tritt auf und stellt mit seinen Geschichten die halbe Unterwelt auf den Kopf.

Göttervater anstelle des Göttervaters 

K. C.: Das aktuelle Album heißt „Irrfahrt“. Darin werden Kannibalen, Barbaren und Feen besungen, aber ihr habt auch Elemente aus Märchen übernommen, beispielsweise in „Mantje“. Welche Märchen oder Geschichten haben euch am meisten beeinflusst? 
M. M. : Es gibt eine Menge. Wir lassen uns da keine Beschränkungen auferlegen. Auf der Irrfahrt ist wohl das Leitthema, dass der Größenwahnsinnige immer scheitern muss, weil er das Maß verloren hat. Trotzdem geht das Leben auf irgendeine Art und Weise immer weiter – das ist mir bei meinen Texten wichtig und auch eine Art Lebenseinstellung der Halunken. Im Lied „Schlafwandler“ zum Beispiel ertrinkt die Hauptfigur am Ende im Sumpf, aber sie lebt weiter in einem Spiel, dass die Kinder von da an des Nachts spielen.

K. C.Ihr habt im Booklet eures Albums ein amüsantes Trinkspiel namens „Irrfahrt“. Spielt ihr dies gegeneinander oder ist Seine Majestät Neidhelm der 69ste von vornherein Sieger und somit „Göttervater anstelle des Göttervaters“? 
M. M. : Hehe. Ja, wenn ein König dieses Spiel mitspielt, dann darf er die Regeln auslegen wie er will, so steht es geschrieben. Wir spielen es aber nicht mehr so oft, weil man danach immer nackt, sternhagelvoll und ziemlich bekleckert ist *grins*.
Wer sich übrigens die Mühe macht, die geographischen Namen im Spiel zu entschlüsseln, wird dabei eine ganze Menge Anagramme und Wortspiele über Musikgruppen aus der Mittelalterszene entdecken.

K. C.: In den vergangenen fünf Jahren seid ihr ein wenig herumgekommen und habt so manche Irrfahrt hinter euch gebracht. Welche Erlebnisse sind in besonderer Erinnerung geblieben? 
M. M. : Die Konzerte mit Schandmaul im Frühling waren ein tolles Erlebnis und werden uns bestimmt noch eine Weile in Erinnerung bleiben. Überhaupt finden wir Reisen nach Deutschland und Österreich spannend – wir erhalten immer neue Ideen und die guten Feedbacks aus dem Publikum ermutigen uns. Alle Irrfahrten, die wir so erlebt haben, will ich gar nicht aufzählen hier, da wir uns sowieso fast jedes Mal verfahren. Vor allem Hauptmann Schädel ist in dieser Hinsicht ein Spezialist.

K. C.: Eure Reise nach Deutschland Anfang April, wo ihr Support von Coppelius wart, erwies sich teilweise als nicht ganz unproblematisch. Falsche Wege, Polizeikontrollen und ein überladener Transporter haben euch aufgehalten (nachzulesen Tourbericht ). Bieten diese Erlebnisse genug Stoff für ein neues Album „Irrfahrt Vol. 2“? 
M. M. : Nee, nee… über Irrfahrten haben wir genug erzählt. Aktuell spielen wir ja schon Songs aus einer noch unveröffentlichten Scheibe, welche in einer geheimnisvollen Unterwelt voller Maschinen und Fabriken spielt. Es ist zwar nicht gerade üblich, Songs vor der Veröffentlichung des Albums zu spielen, aber wir hatten einen Besetzungswechsel letzten Sommer und wollten mit neuen Stücken antraben, fanden aber noch keine Zeit für eine CD-Produktion. Das holen wir diesen Herbst nach, ihr könnt euch also schon auf eine dritte Scheibe freuen.

Foto: Des Koenigs Halunken

K. C.Das Debütalbum „Spieglein, Spieglein“ erzählt vom Niedergang des Königreiches Egozentria. Wie sehr leiden Seine Majestät und die verfluchten Hofleute heute noch darunter? 
M. M. : In der aktuellen Besetzung leben wir als Nachfahren des ursprünglichen Königs in einer Unterwelt. Der Fluch wurde uns also weitervererbt, unsere Generation hat die ganze Geschichte mit dem Untergang aber schon ziemlich hochstilisiert und denkt, König Neidhelm III sei der Größte gewesen, obwohl er in Wirklichkeit ein armseliger Verlierer war. Vor der Idealisierung alter Geschichtsbilder sind eben auch die Halunken nicht gefeit .

K. C.Es gibt außerdem eine CD, auf der nur instrumentale Stücke zu hören sind. „Us em Gjätt“ wurde aber nicht unter eurem Namen veröffentlich, sondern unter „Koenix“. Könnt ihr kurz etwas zu diesem Album sagen?
M. M. : Koenix ist das Akustikprojekt der Halunken. Die Besetzung ist teilweise anders. Mit Koenix sind wir im Sommer viel unterwegs auf allen möglichen Mittelalterfesten und -märkten. Highlight ist jeweils die Mittelalterwoche in Visby auf Gotland (Schweden). Koenix zeichnet sich durch treibende Rhythmen aus und ist ungemein tanzbar. Übrigens sind auch zwei gesungene Lieder auf der Scheibe, allerdings singen wir bei Koenix in der Sprache unserer Heimat, in Schweizerdeutsch.

Fünf Jahre Halunken 

K. C.Am 24.06.2006 hattet ihr euren ersten Auftritt. Dieses Jahr steht also das fünfjährige Jubiläum an. Habt ihr Aktionen geplant, feiert ihr diesen Tag besonders? 
M. M. : Ja, klar feiern wir diesen Tag! Am Spaktekel-Burgruinenfest werden wir, wie vor genau fünf Jahren, wieder spielen. Wir haben ein spezielles Programm geplant, Einzelheiten dürfen wir aber noch nicht verraten. Sicher ist: Wir werden uns einmal nicht an unsere sonst eiserne Regel halten, eine zusammenhängende Geschichte erzählen zu wollen. Vielleicht graben wir das eine oder andere Lied aus, das wir nie mehr gespielt haben.

K. C.Welche Ziele haben die Halunken, welche Projekte sind geplant? Wird man in Zukunft mehr von euch hören und sehen können?
M. M. : Wir haben fest vor, vermehrt in Deutschland zu spielen. Am 29. April sind wir beispielsweise an einem Mittelaltermarkt in Bernburg (irgendwo zwischen Leipzig und Magdeburg) anzutreffen, am 10. September dürfen wir das Festival Mediaval in Selb beehren. Hauptsächlich arbeiten wir aber diesen Sommer aber an unserer dritten Halunkenscheibe, mit der wir dann zu Beginn des Jahres 2012 auf Tour gehen wollen.

K. C.: Ein paar Worte zum Abschluss? 
M. M. : Huch. Ein bewegendes Schlusswort? Da fällt mir nie was Gescheites ein. Aber ich hätte einen Wunsch, einen letzten Wunsch: Kommt uns doch mal gucken und hören! Wir würden uns riesig freuen

Die Halunken sind am 29.04.11 beim einem 16. Walpurgis / Ritterturnier auf Schloss Bernburg zu sehen, und am 10.09.11 auf dem Festival Mediaval in Selb

 

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