Interview mit Orange Sector

Im April nächsten Jahres wird in München ein großes Festival stattfinden. Das Dark Munich Festival geht in die dritte Runde und bietet mit über 50 Bands für jedes musikalische Ohr genug Abwechslung. Im Rahmen des Festivals haben wir uns mit einigen Bands in Verbindung gesetzt und sie mit Fragen überhäuft.
Den Anfang machen Orange Sector. Seit 1992 kleben Martin und Lars förmlich aneinander. Im Interview erfahrt ihr mehr über die Elektro-Combo aus Hannover.

Likiwing: Orange Sector gibt es seit 1992. Aus welcher Idee heraus entstand dieses Projekt? Was bewegte euch dazu und warum gerade EBM?
Martin: Lars und ich sind damals viel zusammen in Hannovers Clubszene unterwegs gewesen. Da ich bereits Erfahrung im EBM-Songwriting vorweisen konnte, kamen wir schnell zu der Idee, ein Projekt auf die Beine zu stellen. Aus einer Wortspielerei heraus entstand der Bandname. Wir haben aber 1992 niemals daran gedacht, dass das Ganze mal solche Ausmaße haben wird. Freunde mussten uns dazu überreden, die fertigen Demos einem Label vorzustellen. Unser Wunschlabel war ZOTH OMMOG, und wir waren sehr glücklich darüber, dass wir diesen Deal in nur wenigen Tagen abschließen konnten.

L: Gab es Bands, die euch damals inspirierten? Was wolltet ihr mit der Musik erreichen?
M: Wir haben damals nie geleugnet, eine Vorliebe für DAF zu haben. Wir wollten unseren Beitrag leisten, dass diese Art von Musik nicht aussterben darf.

L: Orange Sector war eine Zeit lang auf Eis gelegt. Wie kam es 2005 zum Comeback, und warum habt ihr beschlossen, es erneut zu wagen?
M: Der Torben Schmidt von Infacted Recordings hat uns mit einem fertigen Konzept überreden können. Er hat uns ein gemastertes „Best of“-Album namens Here wer are (back again) inclusive Cover vorgelegt. Ich war von der modernen Technik im Studio begeistert und wollte dann neue Songs produzieren.

L: Wer bringt neue Ideen an den Stammtisch, und wie schnell werdet ihr euch einig, was neue Songs anbelangt?
M: Die Songideen liefere ich ab. Diese werden im Wellencocktail Tonstudio in Hannover vorproduziert, und dann spiele ich sie Lars vor. Lars‘ Ideen sind eher textlicher und experimenteller Art. Er ist der sogenannte Punkt auf dem Buchstaben I. Wir harmonieren musikalisch sehr gut, deswegen sind wir uns auch schnell einig.

L: Bastelt ihr gerade wieder an einem neuen Album? Wie geht es voran?
M: Ich lasse keine Lücken zwischen den verschiedenen Alben zu. Direkt nach der Veröffentlichung von Vorwärts nach Weit habe ich weitergearbeitet. Wir sind weiter, als man vermutet, daher werden wir auch keine 3 Jahre mehr für das neue Album benötigen.

L: Was bedeutet es für euch, Musik zu machen? Gibt es noch andere Sachen, in die ihr soviel Kreativität und Leidenschaft steckt?
M: Die Musik verbindet uns, und sie bedeutet uns sehr viel. Das ist mit anderen Sachen nicht vergleichbar.

L: Gibt es Bands, mit denen ihr am liebsten auf der Bühne steht oder unterwegs seit? Gehört da jemand Spezielles zur „Familie“?
M: Wir haben 1993 einige Konzerte mit S.P.O.C.K. gespielt. Wir freuen uns sehr, die Jungs in Februar 2014 in Leipzig wiederzusehen. Die Armageddon Dildos gehören fast zur Familie.

L: Was unterscheidet euch von anderen EBM-Bands?
M: Wir sind nicht typisch EBM … vielleicht waren wir das mal. Wir sind Mitte 40 und genießen das Ganze anders als früher. Ein militantes Erscheinungsbild und ein grimmiger Blick ist nicht mehr unsere Art der Interpretation. Man erkennt Punk- und Rock-Einflüsse in unserer Musik. Soll ich in dem Alter mit einer Gasmaske vor einem Stacheldrahtzaun rumlaufen? Nein, wir wollen Spaß und haben Spaß! Das bringen wir auch so rüber. Lachen ist nicht verboten!

L: Was war euer schönster und vielleicht spektakulärster Auftritt?
M: Die Auftritte mit Front 242 waren sehr lehrreich. Wir waren stolz, aber zu sehr verkrampft. Einzelne Gigs aufzuzählen wäre nicht fair, aber es ist schon schön, wenn das Publikum in Skandinavien, Ungarn oder Belgien die Texte mitbrüllt.

L: 2014 werdet ihr beim Dark Munich Festival auftreten. Was erwartet ihr von diesem Event? Gibt es eine Band, bei der ihr selber vor der Bühne stehen werdet?
M: Wir haben vor unseren Konzerten eine große Konzentrationsphase. Eine komplette Show eines anderen Künstlers werde ich mir vermutlich also nicht anschauen. Wir sind schon auf vielen großen Festivals aufgetreten, und wir sind sehr gespannt, wie man die vielen Bands organisatorisch unter einen Hut bringt. Seit 2 Jahren habe ich über Facebook Kontakt zu dem Veranstalter, also freue ich mich sehr darauf, den Mucky endlich persönlich kennenzulernen.

L: Welche Aktivitäten erfüllen euch noch in der Freizeit?
M: Familie, Musik und Sport. Orange Sector nimmt viel Zeit in Anspruch, und leider sind wir beruflich sehr stark eingebunden.

L: Was fällt euch ganz spontan zu folgenden Begriffen ein?

München: Oktoberfest
Heimat: Hannover
Musik: Orange Sector
Sinn des Lebens: Familie
Ängste: Krankheit

L: Ich danke euch für das Interview und freue mich auf April 2014 und euren Auftritt beim DMF.
Habt ihr noch ein paar Worte zum Abschluss?
M: Vielen Dank für das Interview. Wir freuen uns sehr, endlich wieder in München zu sein.

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