Interview mit The Bleeding

The Bleeding ist eine junge Band aus Hamburg. Die vier Musiker wollen sich gar nicht so sehr festlegen, was das Genre betrifft. Bei ihnen steht die Freude am Musikmachen im Vordergrund. Aber mit ihren rockigen Klängen und kritischen Texten werden The Bleeding sicherlich bald mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Mazel, verantwortlich für den Gesang, hat sich die Zeit für ein Interview mit uns genommen. Moin moin nach Hamburg!


The Bleeding aus Hamburg

Kyra Cade: Wer sind The Bleeding?
Mazel: Moin Moin aus Hamburg. The Bleeding sind: Dennis Kayzer und Nils Bardowicks an den Gitarren, Daniel Suchfort an den Drums und Sänger Mazel Detels.
Hey, na, ich bin Mazel.

K. C.: Welche Musik macht ihr?
M.: Wir selber wollen das gar nicht so eingrenzen. Das sollen lieber Andere machen. Was würdest du denn sagen? Ich hab nicht einmal ne Ahnung, wie diese ganzen Schubladen heutzutage genannt werden. Wir versuchen uns einfach an allen Genres, die wir selber so feiern zu bedienen, um unseren eigenen Sound daraus zu kreieren.

K. C.: Hört man beispielsweise „A Made Man“ bekommt man guten, gitarrenlastigen Sound geboten, der den „Großen“ in nichts nachsteht. Steht die Musik vor dem Gesang bei euch?
M.: Danke. Wir haben einen großen Anspruch an uns selbst, alle Instrumentalisten sind lange dabei und haben auf musikalischer Ebene schon ein bisschen Erfahrung gesammelt. Das sind keine Typen, die mal eben sagen: „Ey, lass mal ne Band starten“. Dazu kommt, dass Christoph Stepan in seinem Little Big Ears Studio einfach geile Arbeit abliefert, seit Jahren. Harte, handgemachte Musik steht in einer gewissen Form immer über dem Gesang, da das musikalische Erarbeiten eines Songs, der ganze Entstehungsprozess innerhalb der Band, um ein Deutliches aufwendiger und intensiver ist als das erschaffen von Lyrics und Vocals. Trotzdem haben wir versucht, mit der Musik weniger abzudrehen als vorher, um den Vocals genug Raum zu lassen.

K. C.: Wenn ich es richtig gelesen habe, habt ihr keinen Bass. Warum?
M.: Auf den Aufnahmen haben wir natürlich einen Bass. Nils hat den mal eben eingespielt. Der war früher eigentlich mal Bassist. Ist ihm irgendwie nicht spannend genug gewesen. Wir sind sehr zufrieden mit dem, was er abgeliefert hat. Man fühlt sich in einer Vierer-Kombi irgendwie am wohlsten. Das passt als Gefüge. Live werden wir dann immer den ein oder anderen Überraschungsgast am Bass dabei haben.

Deutliche Gesellschaftskritik

K. C.: Über was singt ihr? Habt ihr eine Message?
M.: Sei immer du selbst und renne nicht einem fucking Trend hinterher. Ich singe über ganz normales Zeug, über Schicksale, meines und das von Anderen. Was man als „working class hero“ eben alles so zu erzählen hat. Auch hier legen wir uns als Band nicht fest. Warum auch ?

K. C.: Gibt es eine Geschichte zum Bandnamen?
M.: The Bleeding lässt sich ganz gut mit „Ausbluten“ übersetzen. Nun gibt es mehrere Ansätze, sich mit Ausbluten zu befassen. Nehmen wir beispielsweise die kirchliche Methode, bei der Dämonen durch das Öffnen der Schädeldecke befreit werden sollten. Oder die Schächtung von Tieren, bei der das lebendige Tier an der Kehle beschnitten wird, um auszubluten. Die modernste Interpretation bietet, denke ich, die Globalisierung und ihre Folgen. Der einfache normale Mann „blutet aus“ . Er verliert an Status, Macht, Einfluss und Ansehen gegenüber den in ihren dicken Ledersesseln sitzenden, fetten, alten, grauen und mächtigen Männern, die dem Rest der Welt das Leben „saugen“. Im Geschichtsunterricht würde man wohl etwas grober sagen:„Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer“. Wir überlassen da jedem seine eigene Interpretation, auch und gerade weil wir uns bewusst sind, dass The Bleeding von vielen Leuten eher mit dem herkömmlichen stumpfen „Heavy-Metal-Blut-Gore-Image“ assoziiert wird. Ich finde das witzig.

K. C.: Gegründet am 01.11.11. Steckt etwas Symbolisches hinter den fünf Einsen?
M.: Nö.

K. C.: Euer Outfit entspricht so gar nicht dem Klischee der „bösen Metaler“. Keine langen Haare, Bärte, schwarze Kleidung oder gar weiße Schminke. Ein absichtlicher Kontrast?
M.: Wir gehen alle auf die 30 zu, haben „normale“ Jobs und haben die wildesten Zeiten unserer Jugend, zumindest privat, wohl hinter uns. Naja, die Meisten von uns. Haha. Musik ist mehr als äußere Erkennungsmerkmale und die Zugehörigkeit zu einer gewissen Schublade. Der eine mag Punk, der andere steht auf Death-Metal, ich zum Beispiel liebe Hip Hop. Ich finde nicht, dass man das den Menschen ansehen können muss. Overacting, von allem zu viel und aufgesetzt, das ist eher nicht so unser Ding. Wir definieren uns nur über unsere Musik und über das, was wir damit sagen wollen!!

„Musik sollte immer echt sein!“

K. C.: Welche Vorbilder habt ihr?
M.: No fucking heroes. Alle Leute tragen sonntags ne Jogginghose.

K. C.: Musik ist für euch…?
M.: Viel mehr als ein cooles Outfit, ne trendy Cliqué, stylische Freunde oder ein sekundärer Teil einer hippen Subkultur. Musik ist keine Show, nicht immer ein Spektakel wie ne Massendisko. Musik sollte immer echt sein!!

K. C.: Ihr kommt aus Hamburg, da ist Wacken nicht weit. Wie wäre ein Auftritt auf dem W:O:A?
M.: Wir wollen immer spielen, überall, egal wo!!

K. C.: Arbeitet ihr an einer EP oder einem Album? Wo soll’s hingehen mit The Bleeding?
M.: Wir haben Anfang 2012 unsere ersten drei Songs aufgenommen, um erst einmal überhaupt für uns selbst ein grobes Bild zu bekommen, in welche Richtung es mit der Band gehen soll. Die drei Tracks kann man ideal nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen, an Booker zu geraten oder um Interviews wie mit euch zu ergattern. Sieh es als einen ersten Einblick für die paar people, die es interessiert, weil man natürlich immer Bock auf Feedback hat. So eine Facebook-Seite will heutzutage ja auch gefüllt werden. Fortlaufend läuft bei uns der Songwriting-Prozess auf Hochtouren, denn das primäre Ziel von uns heißt auf jeden Fall: ALBUM. Kein richtiges, eigenes Album ist keine richtige Band. So ne Demo kann jeder. Ich denke, dass wir spätestens Ende des Jahres genug Material zusammen haben. In der Zwischenzeit wollen wir viel spielen, bucht uns!! Alles darüber hinaus können und wollen wir gar nicht planen.

K. C.: Ein paar Worte zum Abschluss?
M.: Wir haben gerade mal zwei Songs hochgeladen und ihr macht ein Interview mit uns. Vielen Dank, wir wissen das sehr zu schätzen. Vielen Dank fürs Lesen – und wenn DU willst, dass wir bei euch spielen – schreib uns einfach an!!

K. C.: Vielen Dank für das Interview.
M.: Peace


Keine bösen Metaler, aber leidenschaftliche Musiker: The Bleeding


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