Interview: Thorngoth

Thorngoth sind eine 2003 gegründete Black-Metal-Kapelle aus Bad Tölz, die soeben mit Schwarz-Karg-Kalt in Eigenregie ihr viertes Album vorgelegt hat. Über die aktuelle Scheibe haben wir ja bereits berichtet, jetzt hat sich Sorath (Gitarre/ Synthies) die Zeit genommen, meine Fragen zu beantworten.

Nekrist: Vorneweg ganz eigennützig die Frage, die mich am meisten interessiert: Wann und wo kann man euch mal live sehen?
Sorath: Der nächste Gig wird voraussichtlich Anfang September bei uns in der Nähe von Bad Tölz stattfinden. Näheres dazu werden wir auf unseren Webseiten bekannt geben.
Ende des Jahres wird es wohl noch weitere Gigs geben, wobei noch nichts bestätigt ist.

N: Man hört immer wieder davon, dass es vor allem in München schwierig sei, Auftrittsmöglichkeiten zu finden. Geht es euch auch so? Was müsste sich da ändern?
S: Bis 2010 hatten wir in München eigentlich die meisten Auftritte. Aber nachdem das Titanic City nicht mehr in Schwabing war, wurde das auch anders.
Mittlerweile geht in München nicht mehr so viel, das stimmt. Es braucht einfach einen Veranstalter und eine Location, die Konzerte mit Bands veranstalten, die nicht gemeinsam auf Tour sind. Im Backstage finden hauptsächlich Konzerte von tourenden Bands statt. Da hat man bestenfalls als Vorband noch eine Chance. Es kann auch nicht jede Band auf Tour. Uns hat sich bisher nur einmal die Chance geboten, auf Tour zu gehen, woraus leider nichts wurde. Man bräuchte wieder eine Location und einen Veranstalter, bei denen auch Bands auftreten können, die nicht gerade auf Tour sind.

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N: Euer neuestes Album Schwarz-Karg-Kalt ist soeben erschienen – Adjektive, die man nicht auf Anhieb mit dem idyllischen Bad Tölz gleichsetzt. Woher nehmt ihr Schwärze, Kargheit und Kälte?

S: Das Album hat auch nichts mit unserer Umgebung zu tun – bei Schwarz-Karg-Kalt geht es um das Universum und die verschiedenen Theorien, wie es enden könnte. Das Thema fasziniert uns. Daher war es auch nicht schwer, sich für das Songwriting in die passende Stimmung zu versetzen.

N: Ich war von dem Album ja sehr angetan – wie sieht es da bei euch aus? Hättet ihr alle Zeit der Welt, um noch ein wenig daran zu feilen, was würdet ihr „besser“ machen? Was nehmt ihr davon mit ins nächste Album?
S: Was die Produktion angeht, gibt es immer noch ein paar Punkte, bei denen die Vorstellungen der einzelnen Bandmitglieder auseinandergehen. Aber man muss sich selbst eine Deadline setzen, sonst könnte man ewig an einem Album feilen. Die Songs selbst würden wir nicht ändern, sonst hätten wir sie so nicht aufgenommen. Erst wenn man einige Jahre Abstand zu einem Album hat, kommen die Änderungsideen. So geht es uns mit Rauhnacht, das mittlerweile fünf Jahre alt ist.
Wie das nächste Album klingen wird, wissen wir selbst noch nicht. Auf jeden Fall wieder anders, zumindest anders als der direkte Vorgänger. Wir können daher eigentlich nur Erfahrungen aus dem Songwriting- oder dem Aufnahmeprozess mitnehmen, aber auf die Songs selbst wird das dennoch wenig Einfluss haben.

N: Musikalische Einflüsse? Ich meinte ja, frühe Dornenreich und Nocte Obducta herauszuhören, aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren!
S: Wir mögen zwar die Her von welken Nächten, jedoch habe ich dieses Album seit Jahren nicht mehr gehört und damals auch nur sporadisch. Dornenreich hat daher wohl gar keinen Einfluss auf uns. Dasselbe gilt für Nocte Obducta, die wir zwar auch mögen, aber wenig hören. Generell sind es eher die schwedischen Bands, die auf uns einen Einfluss haben. Spezielle Bands kann man da auch kaum nennen.

N: Ihr habt es diesmal im Alleingang, ohne Label, versucht. Wie kam’s dazu? Worin besteht der Unterschied zu euren früheren Veröffentlichungen?
S: Wir wollten es mal ohne Label versuchen, da wir über Metal Promotions alles abdecken konnten, wofür ein Label gut ist. Promotion und Vertrieb sind dabei das wichtigste.
Im Prinzip besteht für den Hörer überhaupt kein Unterschied. Das Album ist bei sämtlichen Download Stores und als CD bei den größten Händlern erhältlich. Außerdem gibt es noch den bandeigenen Shop, worüber wir das Album und unsere Shirts anbieten.

N: Deutsche Lyrics, englische Homepage. Auf der Diskografie immer wieder englische und deutsche Titel im Wechsel; auf einer Scheibe mit dem urbayerischen Titel Rauhnacht sind die Hälfte der Titel auf Englisch. Woher kommt das? Was fällt euch leichter: Deutsche oder Englische Texte?
S: Bei englischen Texten geben wir uns eher zufrieden. Bei deutschen Texten haben wir höhere Ansprüche. In der Muttersprache will man nichts Banales schreiben. Also fällt uns wohl beides gleich leicht beziehungsweise schwer. Anfangs hatten wir ausschließlich englische Texte, haben aber seit dem Rauhnacht-Album immer mehr auf deutsche Texte gesetzt. Wir werden uns wohl auch künftig auf deutsche Texte konzentrieren.

N: Thorngoth gibt es jetzt seit 10 Jahren. Feiert ihr das Jubiläum? Mit welchen Vorstellungen, Wünschen und Zielen seid ihr damals an den Start gegangen? Was davon hat sich erfüllt?

S: Als wir angefangen haben, waren wir circa 17-18 Jahre alt. Allzu große Banderfahrung hatte da nicht jeder von uns und wir hatten auch nicht utopische Vorstellungen, was den Erfolg der Band betrifft.
Im Großen und Ganzen können wird jedoch zufrieden sein. Wir haben Alben abgeliefert, die in der Szene Anerkennung fanden und von einigen Leuten auch gerne gehört werden.
Sicher könnten wir dafür noch etwas bekannter sein, aber dafür haben wir wohl zu selten live gespielt. Direkt feiern werden wir das Jubiläum eher nicht. Vielleicht werden wir bei dem ersten Gig in dem Jahr Songs von allen unseren bisherigen Veröffentlichungen spielen.

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N: Man muss kein geübter Tolkien-Exeget sein, um darauf zu kommen, dass „Thorngoth“ in der Eldar-Sprache „der gehörnte Feind“ bedeutet. Was hat euch dazu bewogen, euch für diesen Namen zu entscheiden? Was verbindet ihr mit Tolkien, wie wichtig sind seine Werke für eure Musik?
S: Namensgeber war vor 10 Jahren unser Sänger Akhorahil. Er ist der Tolkien-Experte und Fan. Der Rest der Band hat keinen allzu großen Bezug zu Tolkien. Jeder von uns hat Herr der Ringe gelesen, das war es dann aber auch. Auf Rauhnacht gibt es einen Text, der von Tolkien inspiriert ist, aber sonst hat er keinen Einfluss (mehr) auf uns.

N: Was steht bei euch als Nächstes auf der Tod-o-Liste?
S: Uns auf ein paar Live-Shows vorbereiten. Wobei wir da noch nicht allzu viele Angebote haben und es ruhig mehr sein können. Veranstalter dürfen uns gerne anschreiben.
Ansonsten werden wir allmählich neue Songs für die nächste Veröffentlichung schreiben. Da lassen wir es aber erst mal ruhiger angehen.

N: Letzte Worte zum Abschluss?
S: Ich danke dir für das Interesse und das Interview!

N: Vielen Dank für das Interview!

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