Von Kriegen und seinen Helden

Seit Sabaton im Mai 2014 die neue CD „Heroes“ veröffentlichte und klar war, dass eine größere Tour anstehen würde, habe ich auf diesen Tag gewartet: endlich ein ganzes Headliner-Konzert der Power-Metaller aus Schweden erleben. Bisher hatte ich die Band zweimal im Rahmen eines Festivals gesehen und war immer so begeistert, dass sie vor allem live zu einer meiner ganz großen Favoriten wurden. Auch negatives Gerede um kriegsverherrlichende Texte und ein Verriss in der Tagespresse eines anderen Veranstaltungsortes konnten nichts an meiner Vorfreude ändern.

Waren sie bei ihrem letzten Besuch in München noch im Backstage Werk, so war mir sofort klar, dass das dieses Mal nicht mehr der Fall sein würde. Allerdings wurde überraschenderweise nicht das Zenith gebucht, sondern „nur“ die Tonhalle. Wie erwartet meldeten die Ticketverkäufer aber auch gut zwei Monate vor dem Termin bereits „ausverkauft“. Noch scheint der Höhenflug von Sabaton also kein Ende zu nehmen, und besonders in Deutschland können die Fans gar nicht genug von ihren Helden bekommen.

Einlass war pünktlich um 18:30, was angesichts der Minusgrade dankbar zur Kenntnis genommen wurde. Manche Fans standen schon seit drei Stunden vor der Halle, um einen Platz in der ersten Reihe zu ergattern. Mag das im Sommer ja noch ganz spaßig sein, so wird das jetzt Anfang Februar schnell zu einer echten Herausforderung. Rasch füllte sich dann aber die Tonhalle, die Stimmung war super, und alle waren in großer und freudiger Erwartung, auch die ersten „noch ein Bier“-Rufe erschallten bereits in der Wartezeit.

battle-beast-by-peter-seidel-metalspotter-14Als Support waren für die Tour Battle Beast und Delain angekündigt. Erstere Band hatte ich bereits vor einigen Jahren als Support für Nightwish erlebt, Delain kannte ich bis dato noch gar nicht.
Pünktlich um 19:30 betraten Battle Beast die zum Bersten volle Halle. Frontfrau Noora Louhimo konnte mit viel Power und einer kräftigen Stimme recht schnell überzeugen. Überhaupt gefielen mir die Finnen heute wesentlich besser als vor drei Jahren, wo ich sie eher unscheinbar und langweilig in Erinnerung hatte.

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Nach circa 45 Minuten Spielzeit und einer kurzen Umbaupause betrat im Anschluss die Symphonic-Metal-Band Delain die Bühne. Gitarist Timo Somers war für die Tour verhindert und wurde kurzfristig durch die sehr junge Merel Bechtold ersetzt. Optisch bot die niederländische Band ja durchaus etwas fürs Auge, akustisch war es leider nicht so toll. Der Gesang Charlotte Wessels’ war für mich teilweise nur sehr schwer zu ertragen. Ihre leicht quiekende Stimme ist ansich schon gewöhnungsbedürftig, aber bei zu vielen nicht sitzenden Tönen hat meine Toleranz ein Ende. Im Nachhinein habe ich noch mit mehreren Leuten gesprochen und keiner konnte mir Positives vom Auftritt der Niederländer berichten, also stand ich nicht alleine mit meiner Meinung. Ich gestehe, ich war jedenfalls froh, als der Auftritt nach ebenfalls 45 Minuten ein Ende hatte.

 

Nun hieß es nur noch die Umbaupause zu überstehen, bis es endlich losgehen würde. In der Zwischenzeit beobachteten wir voller Spannung, wie der Panzer zum Vorschein kam. Das Thema der aktuellen CD sind die Helden des Zweiten Weltkriegs, da darf ein thematisch entsprechender und spektakulärer Bühnenaufbau nicht fehlen. Im Vorfeld gab es bereits viele Fotos, aber auch Diskussionen rund um den Panzer auf der Bühne. Würde der in Deutschland überhaupt erlaubt sein? Zum Glück war er dabei und als das schwarze Tuch endlich entfernt wurde und den Blick auf den Aufbau freigab, war das schon ein toller Moment. Überhaupt passte optisch alles zum Thema der Tour, selbst die Kleidung der Roadies und des Kameramannes.
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Und dann war es endlich soweit, und es ertönte der obligatorische „Final Countdown“. Der berühmte Europe-Song wird zu Beginn eines jeden Sabaton-Konzerts von Band abgespielt und gehört genauso dazu wie die weißen Tarnhosen der Schweden, die im Anschluss die Bühne betraten und gleich mit einer unbeschreiblichen Power loslegten. Der Hit „Ghost Division“ aus dem Jahr 2008 wurde als Opener gewählt und sorgte dafür, dass die Tonhalle sofort brodelte. Die über 2000 Zuschauer ließen sich wirklich vom ersten Ton an mitreißen und feierten ausführlich. Trocken sollte hier heute keiner rauskommen!

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Was dann folgte, war eine 90-minütige Mischung aus älteren Hits und Songs der neuen Scheibe. Immer wieder unterbrochen vom Spiel um „noch ein Bier“, etwas das sich inzwischen so verselbständigt hat, dass es (zumindest auf deutschen Konzerten) einfach dazugehört. Auch wenn der überaus sympathische Sänger Joakim Brodén immer wieder darauf hinwies, dass er nicht viel Alkohol verträgt und sich sonst nackt ausziehen würde, so verlangte das Publikum trotzdem immer wieder von ihm, „noch ein Bier“ auf Ex zu leeren. Allerdings hatte die Band vorgesorgt, sodass Joakim nicht alleine trinken musste: kurzerhand wurden viele Liter Freibier an das Publikum der ersten Reihen ausgegeben. Im Anschluss wurde dann aus „Gott mit uns“ wieder mal ein „Noch ein Bier“. Es macht ihnen einfach Spaß, das Spiel um das Getränk.

Witzigerweise wurde an zwei Stellen des Abends dem Publikum die Wahl gelassen, welchen von zwei Songs es hören wollte. Besonders gefreut habe ich mich über die Wahl zu „En Livstid i Krig“ („A Lifetime of War“) auf Schwedisch. Denn auch das ist obligatorisch: ein Lied aus dem 2012 erschienenen Album „Carolus Rex“ in ihrer Heimatsprache zu präsentieren. Für mich als mit der Sprache vertrautem Schwedenfan ist das immer der Höhepunkt des Konzerts. Gänsehaut pur!

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An einer anderen Stelle wurde die Setlist übrigens gleich komplett ignoriert und das vom Publikum vehement geforderte „Swedish Pagans“ einfach ins Programm mit eingebaut. Es ist der Band eben nicht egal, was ihre Fans sich wünschen. Überhaupt macht das fannahe Verhalten der Schweden den besonderen Reiz eines Sabaton-Konzerts aus. Gerade dem Frontmann merkt man an, dass er noch immer schwer beeindruckt ist, wenn eine übervolle Halle komplett an seinen Lippen hängt und jedes Wort begeistert annimmt. Er wirkt dann immer wie ein ungläubiger Junge, der noch immer nicht kapieren kann, was hier eigentlich passiert.

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Aber leider hat ja bekanntlich alles ein Ende und so auch ein solch unvergesslicher Abend. Nach 13 einheizenden Songs verabschiedete sich die Band vorerst, um danach für eine Zugabe drei weitere Lieder zu präsentieren, darunter auch der Hit „Primo Victoria“ und das schnelle „Night Witches“ aus dem aktuellen Album. Doch dann war es endgültig Zeit sich zu verabschieden, Sticks, Plektren und andere Kleinigkeiten wurden an die Zuschauer verschenkt und ein Versprechen gegeben wiederzukommen.

Noch lange danach schwirrten die Melodien in meinem Kopf, während ich mich glückselig in meinen neuen „Heroes“-Hoodie kuschelte. Ein Hochgefühl, wie schon lange nicht mehr nach einem Konzert, sagte mir, dass das heute etwas ganz Besonderes gewesen war. Ein Wiedersehen in Wacken im Sommer ist jedenfalls sicher!

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch:

Noch mehr tolle Fotos dieses genialen Abends findet ihr hier beim Metalspotter

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