Dancing in the night
Traditionell gibt es beim Free & Easy ja auch immer mindestens einen schwarzen Abend samt dementsprechender Aftershowpartys, und genauso traditionell sind dabei Solar Fake immer wieder gern gesehene Gäste. Vor zwei Jahren waren sie mit Future Lied to Us dabei (Review hier), heute haben sie mit Days of Sorrow und Gulvøss zwei spannende und für München neue Opener dabei, die aber alles andere als Unbekannte in der Szene sind. Die Zeichen für einen Abend mit bester Synth-und-mehr-Musik stehen also gut, und wer danach noch weitertanzen möchte, kann das bei DJ Schwedler auf der Aftershowparty mit Depeche Mode und Anverwandtem tun. Wenn das mal nicht ein starkes Programm ist!
Dementsprechend viele Bekannte und Freund*innen trifft man dann auch schon vor dem Einlass auf dem Gelände und im Werk später dann noch viel mehr. Eine familiäre Stimmung liegt in der Luft, auch wenn nicht ganz so viele Solar-Fake-Fanclubmitglieder da sind wie bei anderen Konzerten – aber es ist schließlich auch ein Donnerstag und München für viele weit weg. Voll wird es aber trotzdem, und Days of Sorrow starten vor beeindruckender Kulisse ihr Set, von dem man aber mangels Licht anfangs noch recht wenig sieht. Die Band um Sänger William Lennox gibt es mit Unterbrechungen bereits seit 1983, war damals auch in der Post-Punk/Dark-Wave-Szene erfolgreich – unter anderem mit dem Hit „Wild world“ -, bis es dann 1987 zur Trennung kam. 2022 hat man wieder zusammengefunden, das Debütalbum Soulmate sister veröffentlicht und danach mit Kati von Schlotterstein am Keyboard auch ein neues Mitglied aufgenommen. Diverse Auftritte folgten, neue Musik entstand, die Zeichen stehen unbedingt auf noch viel mehr „Tage der Trauer“. Das Quartett spielt sich atmosphärisch durch seine Diskografie, aktuellere Sachen wie „Shadows“ oder „Tears“ reihen sich nahtlos ein in die Songs für die „alten Säcke“ wie den schon erwähnten Klassiker „Wild world“ – den im Publikum noch so einige kennen und der lautstark bejubelt wird – oder „Travel“. „War 24“ und „Firestar“ machen auch richtig Laune, und auch die anfangs noch etwas zurückhaltend agierende Band ist jetzt richtig in ihrem Auftritt angekommen. Hervorragend aufgewärmt verabschiedet das Publikum schließlich das Quartett, das hoffentlich nicht zum letzten Mal in München war.
Gulvøss – das ist nicht nur ein Wasserfall (Gullfoss) in Island, sondern auch das Projekt von Sven Wittmiß aus Berlin, das er live mit Gitarrist und Drummer auf die Bühne bringt. Große, gefühlvolle Soundscapes, rockig, synthig, ohne direkte genremäßige Einordnung, mit viel Gespür für Atmosphäre und mitreißende Details – und natürlich Svens Stimme, fertig ist der Sound von Gulvøss. Zwei Alben gibt es bereits, Sinners vs. Saints und The perfect symphony, von denen es heute natürlich einiges zu hören gibt. „Running with the light“ ist mit seinem Ohrwurm-Refrain das erste Highlight, „dancing in the night as we were lovers“ – ja, tanzen kann man hier, und ein paar machen das auch schon. Insgesamt beherrschen die etwas ruhigeren Songs das Set, wie „Welcome to the sun“ oder „Apple of Eden“, was für einige wirklich schöne, emotionale Momente sorgt. Bei „My salvation“ kann man noch mal richtig tanzen und in dem großartigen Refrain schwelgen, bevor der Auftritt nach „Free love“ zum Ende kommt. Ich habe Gulvøss erst vor ein paar Wochen auf dem Amphi gesehen und war da völlig geflasht von der Band, das war einfach nur mächtig. Heute wirkt alles ein wenig zurückgenommener, aber nicht weniger eindringlich und vor allem sehr, sehr empfehlenswert. Auch Gulvøss waren hoffentlich nicht zum letzten Mal in München!
Zu Solar Fake müsste man eigentlich nicht mehr schreiben als: Instantglück, Unmengen Hits und platt getanzte Füße. Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft ich Solar Fake schon live gesehen habe (und wie oft ich über sie berichtet habe), aber es ist jedes Mal wieder ein großer Spaß. Daher schreibe ich hier natürlich doch ein bisschen mehr, auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen. Nachdem SF ja auch erst im Dezember in München waren (wieder mit Future Lied to Us, nachzulesen hier), ist es heute auch nicht so viel anders – aber eine Quasi-Festival-Show ist trotzdem nicht ganz so wie ein Einzelkonzert. Wieder am Start ist heute auf jeden Fall Elliott Berlin, der umtriebige Schwede und Multiinstrumentalist, der für jede Band und jede Bühnenshow eine absolute Bereicherung darstellt (natürlich auch für Solar Fake) sowie das imposante Podest für Jeans und die Drums, das außerdem ein wichtiges Element für die Lightshow ist. Auch wie gehabt stürmt Sven im Mantel beim ersten Song „Hurts so bad“ auf die Bühne und wird ab da – irgendwann ohne Mantel – kaum eine Sekunde stillstehen bis zum letzten Song. Die Energie bei Solar-Fake-Konzerten ist jedes Mal wieder großartig, auch André springt – wenn am Bass – pausenlos über die Bühne, Elliott lässt die Haare hinterm Keyboard und am Bass fliegen (oder am Theremin), und Jeans hält an den Drums alles zusammen. Das Publikum bejubelt jeden einzelnen Song frenetisch, darunter Perlen wie „This pretty life“ oder „Not so important“ vom aktuellen Album Don’t push this button. Bei „Invisible“ gibt’s eine kurze Verschnaufpause, vor der die Band sich für wieder einmal perfekt passende Geschenke bedankt – vor allem köstlichen Kaffee -, dann geht’s rasant mit „Not what I wanted“ (einer meiner Lieblinge von SF) weiter. Schlag auf Schlag geht es, ohne Pannen – was für uns fast ein bisschen schade ist, weil die Jungs Pannen immer extrem lustig und charmant überspielen -, dafür mit viel Energie und toller Lightshow. Nach „No apologies“ weist Sven noch auf die nächsten beiden regulären Konzerte hin, für die sich die Besucher*innen Songs wünschen können, „also den Song könnten wir jetzt“. Gut zu wissen! Bei „Sick of you“ und später „Observer“ kann man noch mal alles geben, bevor es in die Zugabe geht. Ein Cover darf bei keinem SF-Konzert fehlen, heute gibt es „Papillon“ von den Editors. Mit „Where are you“ und „Lost“ endet der Abend mit zwei wunderschönen, aber auch sehr melancholischen Songs. Aber auch dafür ist Platz und trägt zum Instantglück bei.
Auch der „gothische“ Abend beim Free & Easy war wieder ein Volltreffer mit zwei Bands, die noch nie in München waren und die beide einen hervorragenden Eindruck hinterlassen haben, sowie den Stammgästen Solar Fake. Mit „Wild world“ gab es einen echten Szeneklassiker live zu hören, dem Days of Sorrow mit ihrem Auftritt (und natürlich den anderen Songs) ein einprägsames Gesicht verpasst haben. Gulvøss haben zum Träumen und Schwelgen eingeladen, und wer bei Solar Fake nicht geschwitzt hat, war nicht da. Ganz hervorragend schwitzen konnte man auch auf der Aftershowparty von DJ Schwedler bei Depeche Mode und anderen Synth-Klassikern. Vielen Dank ans Backstage, die Bands, das Publikum und allen anderen Beteiligten!
Setlist Solar Fake:
1. Hurts so bad
2. Under control
3. This pretty life
4. Not so important
5. All the things you say
6. No good time
7. Disagree
8. Invisible
9. Not what I wanted
10. This generation ends
11. No apologies
12. Sick of you
13. It’s who you are
14. The pain that kills you too
15. Observer
16. At least we’ll forget
17. Papillon
18. Where are you
19. Lost
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