Konzert: 09.10.2013 – Negură Bunget, Ars Irae, Layment, Din Brad, Backstage Club, München

Atmosphärisch dichtes Schwarzmetall

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Negură Bunget gehören zu den Bands, die ich schon immer mal sehen wollte. Auf Platte taugen die Rumänen definitiv was, ihr sehr atmosphärischer Metal, der schon auch irgendwie Black ist, eignet sich hervorragend, um sich für ein paar Minuten von dieser Welt zu verabschieden und den Kopf klar zu kriegen. Nichts wie auf ins Backstage!
Publikum? Fehlanzeige. Das Konzert war von der Halle in den wesentlich kleineren Club verlegt worden, da man weniger als 20 Karten im Vorverkauf hatte absetzen können, so wurde gemunkelt. Dementsprechend rar machte sich das Münchner Publikum: Ich zählte beim Rauchen draußen gerade mal 20 Menschen, im Club selbst hielten sich auch nicht nennenswert mehr auf, sodass die Rumänen vor schätzungsweise 50 Mann spielten.

Pünktlich ging’s los mit Din Brad, einer rumänischen Band, deren Sound, soviel gleich vorneweg, so gar nicht meins ist. Ihre Musik bezeichnet das Trio als „a personal view on the Romanian traditional music”, und genau in diesem folkigen Mittelalter-Bereich bin ich nicht wirklich zu Hause. Stimmungsvoll sind die Stücke allemal, langsam, getragen von der dunklen und angenehmen Stimme von Sängerin Alma. Negru, ebenfalls bei Negură Bunget hinter dem Drumkit tätig, darf auch hier an die großen Trommeln, und am Keyboard steht ebenfalls ein Mitglied der Headliner, Adi „OQ“ Negagore. 2012 erschien das erste Album des Trios, und wer hin und wieder mal Lust auf ein ungewöhnliches, streckenweise auch befremdliches Musikprojekt hat, sollte mal in den Erstling Dor reinhören. Ich glaube, diese Kombo wirkt auf Platte besser als live, was auch an der eher statischen Bühnenpräsenz lag.

Rock’n’Roll – leicht deplatziert

Richtungswechsel: Layment rissen die wenigen Zuschauer, die sich meist um die Bar geschart hatten, dann etwas aus der Lethargie. Die sechs Herren aus Herne (Nordrhein-Westfalen) haben sich eingängigen Riffs, kraftvollem Gesang und viel Spielfreude verschrieben, und das merkt man in jeder Sekunde ihres einstündigen Auftritts. Marosh Schmidt (Gesang), Julian Schmidt (Bass), Tobias Schmidt (Gitarre – warum die Band nicht „Die Schmidts“ heißt, weiß ich auch nicht), Benjamin Burschei (Gitarre), Kristian Krajewski (Keyboard) und Matthias Schweiger (Drums) rockten jedenfalls richtig, waren an diesem Abend aber etwas fehlplatziert. Keine Kritik an dieser Stelle, ich hab den Auftritt und vor allem die Freude, die es den Jungs offensichtlicdsc6168h gemacht hat, vor den gerade mal 40 Hanseln in München zu spielen, absolut genossen. Layment sind derzeit auf Tour durch Norddeutschland, aber ich hoffe, es verschlägt sie auch mal wieder in den Süden. Dann aber bitte im Vorprogramm einer anderen Band (Monster Magnet vielleicht? Oder Motörhead?).

Deutlich schwärzer wurde es dann wieder bei Ars Irae, einer 2004 gegründeten Black-Metal-Band aus Rosenheim. Gesehen habe ich die Jungs zuletzt im Sommer beim Darkness over StuSta, zusammen mit Saeculum Obscurum, und seitdem hat sich nicht viel verändert bei dem bayerischen Quartett. Ars Irae machen soliden Black Metal, wenig innovativ, aber mit vielen Details, coolen Riffs und sauschnellen Blastbeat-Attacken. Und dass die Songs nicht nur aus der Konserve gut klingen, sondern die das auch ziemlich gut live hinbekommen, bewiesen sie hier einmal mehr. Das erste Full-length-Album, Unter der Erde, hat mittlerweile auch schon wieder drei Jahre auf dem Buckel, und ich hoffe, da kommt bald was nach. In der Nachfolge von Layment jedenfalls war die gute Stunde Ars Irae die bessere Einstimmung auf die nun folgenden Negură Bunget.

Rumäniens Vorzeigeband

Dass zwei Mitglieder der Band bereits einen Auftritt hinter sich hatten, merkte man ihnen nicht an. Mit viel Energie gaben die Rumänen, die seit 1995 aktiv sind (wenn auch nicht in dieser Besetzung) über eine Stunde lang ihre atmosphärisch sehr dichte Musik zum Besten. Dargeboten wurde eine gute Mischung aus alten und neuen Stücken, bei mir ließ das Konzert jedenfalls keine Wünsche offen. dsc6069
Die Musik der Rumänen ist etwas ganz eigenes, ein individueller Sound, wie ihn sonst nur die Griechen hinbekommen. Referenzen an nordische Bands, vielleicht sogar Vorbilder, gibt es durchaus, aber Negură Bunget verwandeln vermeintlich Altbekanntes in etwas ganz Neues, was mich schon vor geraumer Zeit zu einem Fan ihrer Musik machte. Getragene Melodien, verzerrt, unterlegt mit zurückhaltenden, doch schnellen Drums, dazu tiefer Gesang – absolut einzigartig. Assoziationen an bergige Waldlandschaften, durchzogen von Nebelfeldern, sind durchaus angebracht, versucht man, das Gehörte in Gesehenes zu übersetzen. Der ganz eigene Zugang zur eigenen Geschichte und Folklore, deren Mythen auch in den Liedern verarbeitet werden, erlaubt Einblicke in eine Gefühlswelt, die manchmal melancholisch, manchmal verstörend und mitunter auch sehr brutal ist, Letzteres gerade dann, wenn die Keyboards in den Hintergrund treten und den kraftvollen Gitarren das Feld überlassen. dsc6091
Ein Wermutstropfen bleibt: Offenbar interessierte sich nur ein Bruchteil der Anwesenden tatsächlich für die Rumänen, denn nach Ars Irae kehrten doch einige nicht von der Raucherpause zurück. Insgesamt spielten Negură Bunget vor vielleicht vierzig bis fünfzig Leuten – ganz schön wenig für eine Band, die lange Zeit die einzige Schwarzmetall-Kombo Rumäniens war und auch heute noch zu den bekanntesten aus dem Osteuropäischen Raum zählt.

Insgesamt war ein sehr vielschichtiger Konzertabend geboten, von atmosphärischem Folk über beinharten Rock und bösartiges Schwarzmetall bis hin zu dem dichten, intensiven Sound von Negură Bunget selbst war alles dabei – und genau das machte den Abend insgesamt etwas unausgegoren. Keine der Bands war schlecht, manche wirkten allerdings einfach fehl am Platz. Ein großer Teil des Publikums schien nach den ersten drei Bands bedient zu sein und verschwand in der Nacht – schade, denn der Auftritt von Negură Bunget hat sich definitiv gelohnt. Vielleicht trug da auch die Stammstrecken-Sperre ihren Teil dazu bei? Ich jedenfalls war soweit zufrieden und glücklich und kann eine Band mehr von der „Noch anschauen!“-Liste streichen.

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