Konzert: 10.09.16 – Zanias @ Katzenclub – Kranhalle/Feierwerk München

Zart und doch kraftvoll

 

DSC_9578Ein neuer Katzenclub im Feierwerk, eine neue Chance, einen tollen Musikact ganz nah zu erleben sowie natürlich eine tolle Party auf zwei Tanzflächen, die diesmal eine Reise in die Vergangenheit verspricht. Viele kennen ihn noch, den legendären Pulverturm ganz weit oben in der Schleißheimerstraße, mit heimeligem Biergarten und ganz besonderem Flair. „Schwarz“ wurde es Dienstag und Freitag, ein Leben ohne den Pulverturm schien kaum möglich. Leider schloss die Kultdisco Ende 2006, das Gebäude wurde bald darauf abgerissen. In unseren Herzen lebt der Turm aber weiter, und an diesem Samstag gibt es beim Katzenclub ein Pulverturm-Revival mit DJ Thaly zu feiern. Auf der Bühne dürfen wir Zoè Zanias bewundern, die bereits mit Linea Aspera und Keluar im Untergrund ordentlich für Aufsehen gesorgt hat und jetzt ihre Soloarbeiten unter dem Projektnamen Zanias vorstellt.

Ein wenig später als angekündigt geht die zarte Zoè (bürgerlich Alison Lewis) auf die Bühne, man hat noch gewartet, bis sich bei dem warmen Wetter ein wenig mehr Besucher eingefunden haben. Auch scheinen einige nicht gemerkt zu haben, dass die Konzertanfangszeit eine Stunde vorverlegt wurde – was ich persönlich allerdings großartig finde, weil die Party danach dann viel früher in Gang kommt. Um halb elf hat sich dann aber doch eine beachtliche Besucheranzahl in der Kranhalle versammelt und sieht gespannt zur Bühne. Die ist wie immer in beinahe vollständige Dunkelheit getaucht, Zoè ist vor allem anhand ihrer blonden Haare zu erkennen, der Tisch mit Laptop, Drumpad und anderen Geräten liegt ebenfalls nahezu im Dunkeln. Zoé beginnt das Set mit „In eternal Return“, das vom Sound her nicht besonders weit von Linea Aspera und Keluar entfernt ist, aber dennoch absolut eigenständig ist. Zoés markante Stimme ist natürlich das verbindende Element zwischen den drei Projekten, auch der unterkühlte Synthiesound ist allen drei gemeinsam. Zanias zeichnet sich meinem Eindruck nach allerdings durch ein wenig mehr Weichheit aus, etwas wärmer wirkt der Sound, weniger kalt wie Linea Aspera oder rhythmuslastig wie Keluar. Auch Zoès Stimme klingt variabler als zum Beispiel bei Keluar. Der erste Eindruck ist also schon mal richtig gut, als es dann mit dem Linea-Aspera-Klassiker „Malarone“ weitergeht, eins der schönsten Lieder des Projektes, das hervorragend zum Material von Zanias passt. Die nächsten Songs, darunter das auch auf YouTube einsehbare „Follow the Body“, sind dann wieder Zanias pur. Zoè wirbelt hochkonzentriert zwischen dem Bühnenrand, dem elektronischen Drumpad und dem Laptop hin und her, was die Kommunikation mit dem Publikum naturgemäß ein wenig einschränkt, mich aber nicht stört, ich bin völlig von der faszinierenden Frau und ihrer Musik gefesselt. Hin und wieder merkt man ihr ein wenig Hektik und Nervosität an, aber schließlich tritt sie solo auch noch nicht so lange auf. Nach „Floor“, „Vessel“ und „Through this Collapse“ gibt es noch einmal einen Linea-Aspera-Song zu hören, das hypnotische „Synapse“, begleitet von kräftigen Schlägen auf das Drumpad. Nach dem intensiven, langsamen „Why“ merkt man Zoè die Nerven ein wenig an, als sie das Drumpad auf den Bühnenboden legt, um den nächsten Song von dort zu performen, dieses sich aber nicht einschalten lässt und sie das Gerät frustriert wegschleudert – ein kleiner Rockstarmoment! „To the Core“ gibt es dann ohne Drumpad, aber nicht weniger mitreißend, und nach einer knappen Stunde ist der Auftritt leider schon zu Ende. Mit einem kurzen Dank verlässt Zoè rasch die Bühne, um dann im Vorraum noch Merchandise zu verkaufen und für Fotos und Gespräche zur Verfügung zu stehen.

DSC_9553Die in Malaysia, Papua-Neuguinea und Indonesien aufgewachsene Australierin (die jetzt in Berlin lebt) ist eine ganz reizende, ein wenig schüchterne Frau und tolle Musikerin. Nach ihrem Auftritt mit Keluar auf dem WGT vor anderthalb Jahren bin ich froh, sie im Rahmen des Katzenclubs noch einmal erlebt zu haben, und diesmal in einem viel kleineren und intimeren Rahmen als in der gut gefüllten Kuppelhalle in Leipzig. Ein wirklich schönes Konzert mit tollem Songmaterial von Zanias! Die nachfolgende Party auf zwei Tanzflächen war dann natürlich auch erste Sahne und hat viele Erinnerungen an früher geweckt.

 

 

 

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Tracklist:
In eternal Return
Malarone
Follow the Body
Floor
Vessel
Through this Collapse
Synapse
Why
To the Core

facebook.com/zoe.zanias/
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