Konzert: 13.02.14 – Enforcer, Skull Fist, Vanderbuyst, Genghis Khan – Backstage Club, München

No false Metal!

 

Metal lebt, und wie! Immer mehr Bands haben sich in den letzten Jahren wieder den klassischen Untergenres aus den Achtzigerjahren zugewandt, und die Fans lieben sie dafür. Ein ganz besonderes Package erwartet das großteils sehr junge, dafür umso stilsicherere Publikum am heutigen Abend: Die Holländer von Vanderbuyst, die Kanadier von Skull Fist und die Schweden von Enforcer werden den Backstage Club zum Kochen bringen mit dem echten, dem wahren Metal. Ab in die Patch-verzierte Jeanskutte und die Fäuste gereckt!

genghis-khanZu Beginn werden allerdings noch die Italiener von Genghis Khan auf die Bühne geschickt, die ihre Sache durchaus ordentlich machen und dem langsam eintröpfelnden Publikum schon ganz gut einheizen. Ihr treibender 80er-Heavy-Rock mit viel Groove ist jetzt nichts Neues, die Songs des Debütalbums Genghis Khan was a Rocker kommen aber beim partywütigen Volk ganz gut an. Bei Tracks wie „1984 in Tokyo“, „Heavy Metal Maniac“ oder „Night of the living Dead“ sieht man schon vereinzeltes Kopfnicken. Besonders auffallend ist der blutjung aussehende litauische Gitarrist Šarūnas Kunigiškis, der ein beeindruckendes Solo nach dem anderen hinlegt. Überhaupt gebärdet sich die Band sehr selbstbewusst und beschließt ihren Support-Gig mit einem Drum-Solo und diversen finalen Gitarrenriffs, als hätten sie soeben zwei Stunden vor mehreren tausend Zuschauern gespielt. Mich persönlich hat es jetzt nicht vom Hocker gehauen, aber musikalisch ist das alles sehr solide, und man kann die Jungs ja mal im Auge behalten.

vanderbuyst-1Zugegeben, jede Band vor Vanderbuyst, wegen denen ich heute hauptsächlich hier bin, hat es etwas schwer. Ich habe die Holländer vor zwei Jahren bereits einmal im Vorprogramm von Grand Magus gesehen, und da gefielen sie mir schon fast besser als die Headliner (was etwas heißen will). Umso mehr freue ich mich auf den Auftritt, und ich werde nicht enttäuscht. Zu dem Intro von Whitney Houstons „I wanna dance with somebody“ – jawohl, richtig gelesen – betritt das Trio breit grinsend die Bühne und begrüßt das johlende Publikum. Sofort geht es mit dem neuen Song und gnadenlosem Ohrwurm „Shakira“ los, ein herrlicher 70er-Rock-Stampfer mit Killerrefrain, der von der Meute vor der Bühne auch sofort begeistert aufgenommen wird. Sänger/Bassist Jochem Jonkman und Gitarrist/Bandchef Willem Verbuyst sind die unbestrittenen Blickfänge, stehen keine Sekunde still, posen, was das Zeug hält, und lassen die Haare fliegen. „Flying Dutchman“, „Steeling your Thunder“, ein zweiter neuer Song namens „Little Sister“ oder „Welcome to the Night“ lassen die Stimmung keine Sekunde abkühlen. Vanderbuyst sind noch besser, noch entspannter, noch eingespielter als vor zwei Jahren, und ich hoffe, sie auch mal weiter oben im Billing oder sogar als Headliner zu sehen – verdient haben sie es.

skull-fist-1Danach wird es ganz, ganz true, als die Kanadier von Skull Fist die Bühne entern. Schwarz-weiße Leopardenhosen, Jeanswesten, Plusterhaare, Ponyfrisuren … alles dabei, alles so, wie es sein soll. Mit im Gepäck ist das pressfrische Album Chasing the Dream, der Nachfolger des Debüts Head of the Pack aus dem Jahr 2011. Die Fans sind hungrig auf neues Material, das merkt man, und wollen ordentlich Gas geben. Da lassen sich Skull Fist nicht zweimal bitten, das Tempo ist vom ersten Ton an höllisch schnell, die Band bringt den Club innerhalb weniger Minuten zum Kochen. „Fuck yeah, hell yeah, shit yeah“, wie Sänger Jackie Slaughter seine Begeisterung einmal so prägnant zusammenfasst. Die Authentizität und Spielfreude der Band sind hochgradig ansteckend, ich amüsiere mich prächtig, obwohl klassischer Achtziger-Metal mit extrem hohem Gesang nicht ganz so meins ist. Die Jungs versprühen aber so viel Charme und … ja … Metalspirit, da zucken die Nackenmuskeln von ganz allein bei Songs wie „Chasing the Dream“, „Sign of the Warrior“, „Commit to rock“, „You’re gonna pay“ oder „No false Metal“, was natürlich nicht fehlen darf. „We always keep the spirit alive!“, sagen sie von sich, und ja, man glaubt es ihnen. Sehr feiner Auftritt!

enforcerKönnen Enforcer das toppen? Nun ja, nicht ganz. Das Songmaterial der Schweden ist ja eigentlich über jeden Tadel erhaben, ich sah sie auch schon mal live (wieder im Vorprogramm von Grand Magus, aber letztes Jahr), da gefielen sie mir überraschend gut. Auch der hohe Gesang war für meine Ohren sehr erträglich. Was passt dann heute Abend nicht? Der Sound, leider. Es dröhnt vom ersten Moment an, Sänger Olof Wikstrands Stimme kommt nur als hohes Kreischen an, kein Wort ist zu verstehen, und die Band knüppelt alles in Grund und Boden. Zu enthusiastisch? Wollen sie auf Teufel komm raus das Stimmungslevel von Skull Fist halten? Ein bisschen weniger Gas wäre hier gut gewesen, ansonsten machen Enforcer nämlich eigentlich alles richtig. Outfit sitzt, Posen sitzen, Songmaterial im klassischen Speed-/Heavy-Metal-Gewand sitzt. Doch so Perlen wie „Death rides this Night“, „Mesmerized by Fire“, „Katana“, „Take me out of this nightmare“ oder „Silent Hour/The Conjugation“ können ihre Wirkung – bei mir zumindest – nicht richtig entfalten, gehen buchstäblich im rosarot angestrahlten Nebel unter, der die Bühne verschleiert. Dem Publikum gefällt es zum Glück sehr viel besser, vor lauter Pommesgabeln und Fäusten vor dem Gesicht sieht man die Band manchmal gar nicht, und überall propellern die Haare. Höhepunkt der Show ist schließlich neben dem Venom-Cover „Bursting out“ in der Zugabe ein amtlicher Stagedive-Versuch von Skull-Fist-Sänger Jackie Slaughter, was den Club endgültig zum Ausrasten bringt.

Fazit: Genghis Khan haben sich wacker geschlagen, müssen aber noch ein wenig an eigenem Profil zulegen. Vanderbuyst waren so wunderbar retro, wie ich sie mir gewünscht hatte. Skull Fist sind für meine Begriffe die Gewinner des Abends, das hat einfach nur Spaß gemacht. Enforcer können’s – für meine Ohren war da heute allerdings manches nicht ganz optimal, an Spielfreude und Einsatz haben die Schweden es aber natürlich nicht fehlen lassen. Insgesamt eine feine Sache mit ehrlichen, engagierten Bands, bei denen sich auch Black-Metal-Schwarzheimer wie ich einfach mal entspannen können.

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