Konzert: 15.-17.6.2017 SUBKULT festivalen, Trollhättan, Schweden

Subkultige Tage in Schweden

ladda ned

Unsere in Norwegen lebende Korrespondentin Ankalætha war auf Reisen und hat für uns von diesem ultracoolen, kleinen Festival in Schweden berichtet. Lest selbst, was man gegen die ständig nagende Festivalsehnsucht machen kann!

Was tun, wenn das WGT schon wieder vorbei und es bis zum nächsten Mal noch soooo lange hin ist? Nun, am besten fährt man einfach gleich auf das nächste Festival! Und was wäre da naheliegender als das SUBKULT im schönen Trollhättan, nur drei Stunden von Oslo entfernt im schwedischen Västra Götaland gelegen. Eine noch junge Veranstaltung, die 2016 zum ersten Mal stattfand, aber 2017 nicht zuletzt dank öffentlicher Unterstützung schon mit ordentlich großen, internationalen Namen aufwarten kann. Unter anderem stehen Aesthetic Perfection, She Past Away, Vive La Fête, Project Pitchfork, Pretty Addicted und The 69 Eyes auf dem zweitägigen Programm.

Donnerstag: Anreise und Unterkunft

Trollhättan ist, entgegen erster Befürchtungen, keineswegs „irgendwo im Wald“, sondern eine mittelgroße Stadt mit ca. 50.000 Einwohnern, nur 75km nördlich von Göteborg gelegen. Nachdem außerdem der Regionalzug von Göteborg nach Oslo hier hält, ist eine schnelle und bequeme Anreise auch ohne Auto gesichert. Von Stockholm aus fährt außerdem der vom schwedischen Videoblogger „CoalCandy“ organisierte „Skuggbussen“ – der „Schattenbus“ – direkt zum Festival. Eine Unterkunft lässt sich auch problemlos finden, der Veranstalter stellt einen Campingplatz zur Verfügung (nur Zelt, Partyzelte erlaubt), und es gibt mehrere Hotels und eine Jugendherberge im Ort, die sogar noch näher am Festivalgelände sind und teilweise auch kurzfristig noch Zimmer frei hatten.

DTrollhättan Sluseas Erste, was mir auffällt, als ich Donnerstagnachmittag aus dem Zug steige, ist: Es ist warm! Der Wetterbericht war sich da vorher nicht so sicher, aber nun wird klar: Skandinavien hin oder her, nächstes Jahr muss ich mehr kurze Röcke mitnehmen. Weitere Erkenntnisse folgen Schlag auf Schlag: Niemand versteht mein Norwegisch, alle sind trotzdem supernett, und die Entfernungen im Ort sind noch viel kürzer, als es auf dem Stadtplan aussah. Beste Voraussetzungen für das Wochenende also. Der Rest des Abends wird dann damit verbracht, in der Sonne zu sitzen, das Hostel-Zimmer zu beziehen, einkaufen zu gehen, ebenfalls in Norwegen lebende Bekannte zu treffen und zusammen noch eine Sightseeing-Tour zur wohl größten Sehenswürdigkeit des Ortes, einer alten Schleusenanlage, zu machen. Danach noch Fingernägel aufpolieren und früh ins Bett – es steht ja schließlich einiges an die nächsten Tage.

Wie aus YouTube zu erfahren ist, z.B. bei CoalCandy, wäre es aber durchaus auch möglich gewesen, schon die Nacht auf Freitag am Campingplatz durchzufeiern. Sofern man die jugendliche Energie für sowas hätte …

 

Freitag: Aesthetic Perfection, She Past Away, Vive La Fête, Spark!

Gelände, noch recht leerFreitagvormittag schlägt dann zunächst mal das Wetter doch noch zu: es regnet, ausdauernd und unerbittlich, und man beginnt sich zu fragen, ob das kurzfristige Angebot des Veranstalters, Regenschirme mit aufs Gelände nehmen zu dürfen, wirklich so überflüssig war … aber die Götter haben ein Einsehen, und pünktlich um die Mittagszeit hellt es zumindest etwas auf. Zwar gehen noch gelegentlich leichte bis mittelschwere Schauer nieder, aber bei den immer noch sehr angenehmen Temperaturen dämpft das die Stimmung im Laufe des Nachmittags nur unwesentlich. Ein Rundgang über das – bei der ersten Band des Tages, Dr. Arthur Krause, noch sehr leere – Gelände im „Folkets Park“ zeigt auch, dass man von Veranstalterseite für jedes Wetter gerüstet ist: Nur die Hauptbühne „Aura“ ist komplett open air, Möglichkeiten, sich unterzustellen und trotzdem die Bühne noch zu sehen, gibt es aber auch hier etwas weiter am Rand. Die etwas kleinere „Stella“-Bühne befindet sich in einer Halle, deren eine Seite über große Tore zum Gelände hin geöffnet wird, wann immer sich das anbietet. Eine kleine Kuriosität hier sind die Sitzbänke, die sich im hinteren, leicht ansteigenden Teil des Saales befinden. Auch alle Bars haben überdachte Sitzplätze. Und sogar der Kaffee-Bus hat einen großen Sonnenschirm dabei, sodass man nicht im Regen stehen muss, während man auf sein schwarzes Gold wartet. Alles in allem ein tolles Gelände, die perfekte Mischung aus professionell und supergemütlich.

DpointIst die erste Band noch ein wenig dem Wetter und der Uhrzeit zum Opfer gefallen, hat man das Gefühl, dass es um halb zwei bei Dpoint in der Halle jetzt aber wirklich losgeht: Die „Tanzfläche“ zwischen Mischpult und Bühne wird eifrig genutzt, und auch dahinter hat es sich bis ungefähr zur ersten Sitzbank gut gefüllt. Mich persönlich nimmt der Opener „Pain“ zwar noch überhaupt nicht mit, aber glücklicherweise holen die Synthpop-Lokalmatadoren danach rhythmischere, deutlich tanzbarere Stücke aus dem Gepäck und liefern einen gelungenen Auftakt für das im weiteren Verlauf des Tages zu erwartende Musikfest ab.
Canis LupusRichtig freue ich mich allerdings auf die nächste Band, die bei schon deutlich besserem Wetter auf die Hauptbühne darf: Die schwedischen Goth-Rocker Canis Lupus gibt es auch schon eine ganze Weile, mir sind sie allerdings erst bei der Festivalvorbereitung aufgefallen und haben mich mit dem aktuellen Album Shape of the Ghost spontan überzeugt. (Umso erstaunter bin ich, als ich im Gitarristen plötzlich einen meiner Nachbarn aus dem Hostel wiedererkenne … Trollhättan ist doch klein, ja.) Stilistisch irgendwo zwischen Fields of the NephilimBay Laurel und The Mission angesiedelt, zeigt sich die Band aus Örebro live überraschend lebhaft, und nicht nur die Fans springen vor der Bühne lustig durch die Pfützen, auch die Gitarristen mischen sich zwischendurch unter das Publikum.
Danach stehen eigentlich Container 90 auf dem Programm, aber dann treffen wir zufällig auf andere Deutsche, die „hauptsächlich wegen Pitchfork“ extra aus der Heimat angereist sind, und beschließen, doch lieber erst mal zusammen was trinken zu gehen. Für Pale Honey begebe ich mich zwischenzeitlich noch mal vor die Bühne, muss aber feststellen, dass der sehr ruhige Indie-Poprock, den ich zu Hause im Wohnzimmer durchaus gerne höre, live in einem solchen Setting trotz der wunderschönen Stimme einfach nicht genug Stimmung macht. Hier rächt sich auch ein wenig die skandinavische Alkoholpolitik: gemütlich vor der Bühne in der Sonne sitzen und was trinken kann man nicht, der Alkoholgenuss ist nur in einem vom Hauptgelände abgetrennten Barbereich, mit eigener Ein- und Auslasskontrolle, gestattet. Ich begebe mich also wieder zu meinem Cider und anschließend erstmal zurück ins Hostel: Es ist zwar jetzt sonniger, aber auch deutlich windiger geworden und somit Zeit, sich für abendliche Temperaturen umzuziehen.
Aesthetic PerfectionRechtzeitig zu Aesthetic Perfection bin ich aber wieder da – und hätte mir den Klamottenwechsel genauso gut sparen können, weil ich schon nach den ersten paar Songs völlig durchgeschwitzt bin. Herr Graves macht es vom ersten Moment an komplett unmöglich, die Füße stillzuhalten, alles tanzt. Platz dafür ist, ohne dass man das Gefühl hätte, es wäre zu leer. Auch die Band scheint sich an der Überschaubarkeit des Publikums kein bisschen zu stören, spielt sich gut gelaunt durch ihre beliebtesten Songs von „The ones“ und „Spit it out“ über – natürlich – „Antibody“ bis „Never enough“ und „LAX“. Und egal wie wild die Zuhörer springen, auf der Bühne wird immer noch mal eins draufgesetzt, Elliott Berlin am Keyboard zeigt eine turnerische Leistung sondergleichen und befindet sich des Öfteren nicht hinter, sondern neben, vor oder sogar auf seinem Instrument. Verschnaufpausen gibt es keine, auch die „Zugabe“ wird nach minimaler Unterbrechung ohne großes Aufhebens mit einem sinngemäßen: „Ich höre grad, wir haben noch fünf Minuten – auf geht’s!” angehängt.

Miss Little LillithKaum ist auf der großen Bühne Schluss, strömt gefühlt das gesamte Publikum geschlossen rüber in die Halle, wo nach einem kurzen Intermezzo durch die Bauchtänzerin Miss Little Lillith die in letzter Zeit ja sehr populären She Past Away ihren Auftritt beginnen. Jetzt wird es zum ersten Mal richtig eng zwischen den Bänken. Die Tore werden geschlossen, vermutlich damit der Soundcheck der Hauptbühne sich nicht störend bemerkbar macht. Das hat den angenehmen Nebeneffekt, dem Gig der Türken eine äußerst passende düstere Stimmung zu verleihen, die ansonsten in der sommerlichen Helligkeit Schwedens eher schwer zu erreichen ist. Auch auf der Bühne bleibt es vergleichsweise dunkel, nur schemenhaft sind die Musiker oft zu sehen. Musikalisch sowieso schon top, kommen She Past Away live nochmal eine Ecke druckvoller rüber als auf Konserve, und der Versuch, dank freier Sitzplätze die Füße zu schonen, scheitert kläglich: Vorne ist einfach noch mehr Endorphin abzuholen.
Irgendwie hat sich jetzt der Spielplan leicht verschoben, und die entstehende Lücke verleitet offensichtlich nicht nur uns dazu, erst mal eine Pause einzulegen. Nachdem man ja aber mit den einmal gekauften Getränken nicht zurück aufs Hauptgelände darf, fangen die belgischen Vive la Fête derweil ohne uns an. Man kann sie allerdings hören, da zumindest gerade kein DJ parallel auflegt. Gerecht wird ihnen das nicht, wie ich feststelle, als wir bei circa der Hälfte des Auftritts doch noch zum Publikum dazustoßen, denn die unglaubliche Energie des Elektro-Rock-Ensembles um die vor Elan nur so sprühende Sängerin Els Pynoo muss man aus der Nähe erleben. Leider scheint es relativ vielen ähnlich ergangen zu sein wie uns, bis auf die allerersten Reihen hat es sich im Zuschauerraum deutlich gelichtet. Schade, die Band hätte mehr verdient gehabt.
Dass doch noch nicht alle heimgegangen sind, merkt man dann um Punkt 12 Uhr nachts, als in der Halle die letzte Band des Abends im Clownskostüm die Bühne stürmt. Spark! sind offensichtlich äußerst beliebt, schon die anfänglichen Scherze werden frenetisch bejubelt, und der anschließend sehr spielfreudig vorgetragene EBM bringt den Saal zum Kochen. Spätestens jetzt sind die Bänke im Weg, die Halle vibriert, und wäre das Publikum um diese Zeit noch taktfester, müsste man sich glatt Sorgen um den Holzboden machen. Kurze Verschnaufpausen gibt es immer nur dann, wenn Spark! anfangen – für mich aufgrund rudimentärer Schwedischkenntnisse leider nur selten ganz nachvollziehbar -, mit dem Publikum herumzualbern. Die Einzigen, die wirklich keinen Spaß zu haben scheinen, sind die extrem sauertöpfisch dreinschauenden Ordner. Merkwürdig eigentlich, denn eine fröhlich-friedlichere Menschenmenge dieser Größenordnung ist kaum vorstellbar.

Um kurz nach eins ist Schluss, und zurück in der Unterkunft stellt sich nach anfänglichem Schlangestehen vor den sanitären Einrichtungen (vier Nassräume für ein ganzes Haus voller grade heimkommender Gothen – das kann ja nicht gut gehen!) erstaunlich schnell willkommene Ruhe ein – morgen ist ja auch noch ein langer Tag.

 

 

Samstag: Machinista, Lizette Lizette, Project Pitchfork, The 69 Eyes, S.P.O.C.K.
VicPickDer Samstag beginnt zunächst mal mit extrem schönem Wetter. Die Sonne knallt, die Vögel singen, und nach nicht mal einer Stunde Kaffeetrinken auf dem Balkon zeichnet sich der Rand vom Rock schon deutlich auf den Oberschenkeln ab. Ich beschließe also, jeglichen Versuch, mich dem viktorianischen Picknick angemessen zu kleiden, sofort aufzugeben und stattdessen mit möglichst wenig Stoff möglichst viel Haut zu bedecken, um sowohl Hitzschlag als auch Sonnenbrand zu vermeiden. Zum Picknick gehe ich trotzdem und finde im Park neben dem Festivalgelände eine kleine, gut gelaunte und äußerst gastfreundliche Runde vor. Sogar ein Begrüßungscracker mit Käse und Weintraube wird jedem Neuankömmling gereicht, ins Gespräch mit den anderen Teilnehmern kommt man – trotz einer gewissen Sprachbarriere – auch recht schnell. Unter anderem werde ich so gleich mal eingeladen, doch im Laufe des Tages am Steampunk-Stand auf ein Teeduell reinzuschauen. Wie genau ein solches Duell aber vor sich gehen soll, will man noch nicht erklären – ich soll ja vorbeikommen.
Die ersten drei Bands des Tages werden so in geselliger Runde gleich mal gepflegt verpasst; als ich mich schlussendlich doch mal auf dem Gelände wiederfinde, steht gerade die Psychobilly-Combo The Kasketeers auf der Bühne. Die Jungs sind auf ihre Art durchaus gut darin, Stimmung zu machen, Publikum ist allerdings Mangelware. Ob es wohl daran liegt, dass die Bandthematik doch recht eindeutig zum Trinken anregt? Die Barbereiche sind jedenfalls deutlich besser besucht als das Hauptgelände … und auch mein Weg führt zunächst mal dorthin, Leute finden.
MachinistaZu trinken gibt es für mich aber erstmal noch nichts, denn um kurz vor vier steht mit Machinista der erste Pflichttermin auf der Stella-Bühne an. Die Elektropopper aus Malmö erweisen sich live als deutlich basslastiger und weniger glatt als auf ihren Studioaufnahmen und gefallen mir persönlich dadurch gleich mal ein ganzes Stück besser. Den Rest des Publikums scheint es auch nicht zu stören, die Stimmung ist fröhlich-ausgelassen und die Halle trotz des frühen Slots schon ganz gut gefüllt und ordentlich am Vibrieren.
Die anschließend aufspielenden Punkrocker von Scumbag Millionaire erlebe ich nur am Rande mit, während ich unter anderem ein – außer Tee auch Kekse involvierendes – Duell beinahe gewonnen hätte, wenn, ja wenn ich die Erklärung auf Anhieb verstanden gehabt hätte. So gab es dann nur Verlierer und einen matschigen Keks auf dem Hemd.
Um kurz nach fünf geht es zurück in die Halle, wo zunächst die Burlesque-Show von Harley Queen zu bestaunen ist. Dank der frühen Stunde und strikten Familienfreundlichkeit des Festivals ein doch eher harmlos-belustigendes Spektakel – da gab es sogar in der zensierten Version der Video-Einspielungen der direkt im Anschluss auftretenden Lizette Lizette noch mehr zu sehen …

Lizette LizetteLizette und ihre Mädels spielen sich auf der in passend kaltes blaues Licht getauchten Bühne routiniert durch das aktuelle Album Queerbody, und die konstant im Hintergrund laufenden Videoinstallationen untermalen dabei die eigentümlich distanzierte Stimmung der Musik noch zusätzlich. Auch die Musikerinnen verziehen kaum eine Miene und wirken zwar niemals statisch, aber immer unnahbar, irgendwie fremd in diesem sonst so familiären Setting. Dank der geschlossenen Tore bricht weder die Sonne noch die inzwischen schon auf der Hauptbühne beginnende Death-Metal-Band diesen Bann. Alles in allem sehr cool, und doch hinterlässt der Auftritt eher gemischte Gefühle, wie ein leicht verstörender Film, dessen volle Bedeutung man nur erahnen kann.
Die unterkühlte Stimmung verfliegt allerdings beim Verlassen der Halle schnell wieder – die Sonne brennt, Sitzplätze im Schatten sind Mangelware, Walking with Strangers geben grundsoliden, jedoch nicht besonders abwechslungsreichen Death Metal zum Besten, und außerdem muss ich noch die Reste eines aufgeweichten Kekses von meiner Tasche entfernen, also ziehe ich mich nochmal kurzfristig in die Herberge zurück.
Als ich wiederkomme, ist es ungefähr zehn Minuten vor Project Pitchfork, und obwohl, einer groben Schätzung anhand der im Laufe des Tages gesichteten Bandshirts zufolge, vermutlich ungefähr die Hälfte der Besucher heute deshalb hier ist, herrscht vor der Hauptbühne absolute, gähnende Leere. Nur zwei Ordner stehen gelangweilt im Fotograben. Trotzdem kommen Peter Spilles & Co. ganz pünktlich auf die Bühne, und schwupps, ist auch das Publikum plötzlich da, füllt den Zuschauerraum locker bis zum Mischpult. Einen Mangel an Enthusiasmus kann man den Schweden dabei auch nicht vorwerfen, ganz im Gegenteil – nur das mit dem „vorher die besten Plätze sichern“, das hat man hier einfach nicht nötig.
PitchforkPitchfork eröffnen mit „Conjure“, es folgt die Ankündigung, heute eine für ein Festival eher ungewöhnliche Songauswahl dabeizuhaben. So tauchen im Laufe der nächsten 75 Minuten neben den üblichen Verdächtigen wie „Timekiller“, „K.N.K.A.“ oder „Beholder“ auch Stücke wie „Fire & Ice“ und – was mich persönlich ganz besonders freut – „An End“ in der Setlist auf. Auf weitere Ansagen wird weitgehend verzichtet, bis auf die Mitteilung, man werde ohne Pause durch- und dafür lieber einen Song mehr spielen. Das Publikum dankt und tanzt. Bis es dann, viel zu schnell, auch schon wieder vorbei ist. Ich brauche erst mal eine Pause, diesen Auftritt muss man in Ruhe nachklingen lassen. (Und wer es ganz genau wissen will – hier noch die gesamte Setlist: Conjure / Timekiller / Rain / Alpha Omega / Titanes / Acid ocean / An end / En garde / Vulcano / K.N.K.A. / Beholder / Endzeit / Fire & ice / Existence / Onyx / Blood-thirst)
69 EyesFür mich die nächste Band sind deshalb dann auch schon The 69 Eyes, die ab kurz vor elf dran sind und damit den – für Vampire ja nicht ganz unerheblichen – Vorteil haben, dass es langsam tatsächlich so was Ähnliches wie dunkel wird. Gutgelaunt und gewohnt routiniert agieren die Finnen auf der ganz in rotes Licht getauchten Bühne, ohne dabei jemals allzu unnahbar oder gar arrogant zu wirken. Neben einigen Songs vom neuen Album (u.a. „Jerusalem“, „Lady darkness“ und „Blackbird pie“) gibt es natürlich Klassiker wie „Gothic girl“ und „If you love me the morning after“ zu hören. Alles wird vom Publikum gebührend gefeiert, gut platzierte Ansagen verstärken gekonnt den Gesamteindruck. Und dann auf einmal ist er da, dieser magische Festivalmoment: Es erklingen die ersten Takte von „Feel Berlin“, die Menge beginnt jetzt ernsthaft mitzusingen, und plötzlich, nur für ein paar nostalgische Augenblicke, ist die ganze Welt dunkelschön und wirklich alles ganz genau so, wie es sein soll. Das Set endet um Mitternacht, zu wohl niemandes Überraschung, mit „Lost boys“.
Zwei Tage Festival sind einfach viel zu kurz – das war’s jetzt also schon wieder …

S.P.O.C.KHalt – noch nicht ganz! Schließlich dürfen in der Halle noch S.P.O.C.K. alle, die jetzt auch noch nicht wieder nach Hause wollen, in den Weltraum entführen. Eine Stunde lang erfährt man jetzt also alles, was man über Star Trek wirklich nie wissen wollte. Wenn man nicht gerade damit beschäftigt ist, zu versuchen, dem Beschuss mit dem Supersoaker auszuweichen. War wohl nur Wasser drin, aber der Boden verwandelt sich an den getroffenen Stellen trotzdem in eine Art seifige Rutschbahn. Der Stimmung tut das keinen Abbruch, und einen besseren Abschluss für das Festival hätte man sich kaum vorstellen können. Auch wenn ich es ihnen dann doch etwas übelnehme, dass mir auf der Heimreise die nächsten zwei Tage lang konsequent „Never, never, never trust a Klingon!“ im Kopf rumgeht …

Als Fazit kann man festhalten, dass es sich beim SUBKULT um ein wirklich supergemütliches und in vieler Hinsicht wohl auch einzigartiges Festival handelt – der Abstand zwischen Musikern und Publikum ist minimal, Stress ist ein Fremdwort, und die Stimmung, bei gleichzeitig extrem professioneller Organisation, ausgesprochen familiär. Die niedrige Besucherzahl ist dabei wohl in erster Linie der geringen Größe der schwedischen Szene, sowie dem noch nicht so hohen Bekanntheitsgrad der Veranstaltung geschuldet. Für die Fans ist das toll, Veranstalter und Bands würden sich aber sicher über einen in Zukunft gesteigerten Zulauf freuen. Sowohl das Gelände als auch der Ort könnten ohne Probleme wesentlich mehr Leute verkraften – insofern, nächstes Jahr Subkult? Ich fahre bestimmt wieder, kommt jemand mit?

Von Deutschland aus ist die Anreise auch gar nicht so schlimm, man fliegt am besten bis Göteborg und nimmt dann gemütlich den Zug bis Trollhättan. Die Preise sind skandinavisches Niveau, aber man bekommt definitiv etwas für sein Geld.

Informationen auf Englisch zum Festival gibt es hier: subkultfestivalen.se/english/

 

 

(480)

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.