Konzert: 22.09.2016 – Clockwork Psycho – Sunny Red (Feierwerk), München

Nightmares from Laibach

IMG_1601So steht es zumindest auf einem der T-Shirts am Merchandise Stand geschrieben, und auch das Debütalbum ist so betitelt. Mit dieser Aussage beweist die Band ordentlich Humor, stammt sie doch wie die berühmten Vetreter Neuer Slowenischer Kunst Laibach aus Ljubljana in Slowenien. Das Trio Clockwork Psycho besteht seit 2011 mit Lilith am Bass und Gesang sowie Al Eržen an der Gitarre und Marko Valant am Schlagzeug. Sie verarbeiten auch Punk- und Oi-Einflüsse, so dass die Übergänge zwischen Psychobilly und Punkabilly fließend sind.
Es ist heute die erste Veranstaltung von Psychobavaria, aber zum offiziellen Konzertbeginn um 20 Uhr ist noch niemand da. Erst nach und nach trudeln die Leute ein und rauchen erst mal draußen vor der Tür, auch die Band gesellt sich dazu.

Mit einer Stunde Verspätung geht es schließlich los, leider sind nur etwa zwanzig Besucher da. Davon lassen sich Clockwork Psycho aber nicht stören, und deren Sängerin und Bassistin Lilith begrüßt das Publikum mit „We got nightmares from Laibach!“ Außerdem fragt sie nach, wer alles am Tag danach arbeiten und früh aufstehen muss (ausnahmslos alle) und bedankt sich fürs Erscheinen. Nach ein paar Aufwärmübungen legt die Band mit einem Instrumentalsong los. Das rockt schon ordentlich, aber als der Gesang auch noch einsetzt, entfaltet sich das ganze Potenzial der Band. Liliths Gesang ist klasse und wird optimal vom Zusammenspiel der Band unterstützt. Auch beim Rest des Publikums kommen Clockwork Psycho super an, und es gibt lautstarke Beifallsbekundungen.
IMG_1595Das Eurythmics-Cover von „Sweet Dreams“ ist interessant gemacht, denn trotz Übersetzung ins Psychobilly Genre behält das Stück irgendwie seine newwavige Note, und das ganz ohne Keyboards. Anschließend spielen sie „Don’t fuck around with me“ zu Ehren von Nigel Lewis, Gründungsmitglied der Psychobilly Urväter The Meteors, das gerade erst auf dem Tribut-Sampler The Guv’nor erschienen ist. Plötzlich gibt es Tonprobleme mit dem Bass, die nach kurzer Verwirrung zum Glück schnell behoben sind, und weiter geht die Up-Tempo-Sause. Der Veranstalter geht mittendrin mit einem Tablett herum und bietet Tequila Shots an, eine richtig nette Geste. Überhaupt hat man sich hier viel Mühe gegeben, es gibt sogar Nachos für die Hungrigen, wie im Kino. Auf welcher Party sonst gibt es das schon?

Es kommt zu ersten Wrecking-Aktionen, und ein Oi-Punk ist schließlich angetrunken genug, um sich mit weit ausholenden Bewegungen durch die Leute zu rempeln. Eine Psycho-Dame ist irgendwann davon so genervt, dass sie ihn wenig damenhaft zur Seite schieben will. Er stolpert über die Merchandise-Ecke, und beide landen auf dem Boden. Ihr Freund sitzt sofort auf seinem Brustkorb, aber bevor jetzt eine echte Schlägerei ausbricht, können mehrere Leute die Situation schlichten. Der Oi-Punk versteht die Welt nicht mehr, denn schließlich sei man hier beim Psychobilly, und da gehöre sein Verhalten eben dazu. Dass er damit aber heute alle nervt, will er erst mal nicht einsehen. Die Band spielt ihren Song ungerührt zu Ende, aber dann mischt sich auch Lilith vom Mikro aus sinngemäß ein: „Come on, we are here to have fun at a Psycho show and not to fight! SoIMG_1588 calm down, have a smoke and then another drink at the bar.“ Und so wird tatsächlich zusammen erst mal eine Rauchpause vereinbart, die nicht nur ich dazu nutze, erst einmal beim Merchandise zuzuschlagen.

Weiter geht es mit einem großartigen Nirvana-Cover von „My Girl“. Der Song beginnt ganz ruhig, und Lilith zeigt, was sie für eine tolle Stimme hat. Der Mittelteil wird langsam schneller, um dann in einer fetten Psychobilly Keule zu enden – mein persönliches Highlight heute Abend. Fünf Nummern weiter wird der letzte Song angekündigt, aber erst nach zwei weiteren Songs ist dann wirklich Schluß, und Lilith stellt überrascht fest: „Hey, this is the longest set we ever played! One and a half hours!“ Da haben wir wohl Glück gehabt, denn es war eine echt coole Show.

Fazit: Ein super Konzert einer sympathischen Band im kleinen Rahmen. Sowohl für die Band als auch für den Veranstalter Psychobavaria ist es schade, dass sich nicht mehr Besucher an diesem Donnerstagabend versammelt haben. Trotzdem oder gerade deswegen entwickelte sich im gemütlichen Sunny Red eine richtige Wohnzimmeratmosphäre, sodass ich dem Abend und der Veranstaltung die volle Punktzahl geben muss.

Ich hoffe sehr, dass zum Konzert der Gutter Demons am 29.09. mehr Leute kommen. Zum einem ist die Psychobilly Szene in München nicht so klein, und zum anderen hätte der Veranstalter Psychobavaria es wirklich verdient. Vielleicht hilft es, den offiziellen Konzertbeginn von vornherein auf 21 Uhr zu legen, denn vielleicht wurden mit der frühen Uhrzeit diejenigen abgeschreckt, die bis 20 Uhr abends arbeiten müssen. Es war heute aber auch die erste Veranstaltung, und Anlaufschwierigkeiten sind normal. Diese Rezension trägt hoffentlich dazu bei, den Bekanntheitsgrad zu steigern.

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Hinweise zur Setlist: Diese ist leider eine ungefähre Sammlung, weil die Band die offiziell ausgedruckte Setlist wie einen Anregungsleitfaden benutzt und im Laufe des Abends immer wieder spontan umgestellt hat. Außerdem wurden auch Stücke eingestreut, die ursprünglich nicht enthalten waren.

Let’s go
Midnight Date
Shake
The Kid in the Cornet
The Living
Go Away!
Hank
Titties
Little Monkey
Daylight Zombies
It’s beginning (of the End)
Dead Boy
Today I met my Maker
Corpse that stayed
The lost Boys Choir
Sweet Dreams
Don’t f**k around with me
Running with the Demons
Library of abondoned Hope
Alone in the Waste
Secret me
Clockwork Psycho
The Ripper
I want my Chainsaw
My Girl
After Midnight
Narodna Pjesma
Vjeran pas
I don’t give a F**k
Revenge from the Grave
Black Girl

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