Konzert: Die Krupps – Vigilante – Chant, Backstage Werk 19.02.2014

Schwacher Abend

Im Jahr 1980 gründeten sich Die Krupps in Düsseldorf. Im letzten Jahr brachten sie ihr aktuelles Album The Machinist of Joy heraus und meldeten sich somit in der Industrial-Szene zurück. Am 19.02.2014 machten sie auf ihrer Tour durch Deutschland in München Halt und ich wollte natürlich unbedingt vor Ort sein. Als ich kurz vor Einlass ankam, überlegte ich, ob ich an der falschen Location war, denn ich war ziemlich allein auf dem Backstage-Gelände unterwegs. Allerdings hatte ich noch Hoffnung, denn die meisten kommen ja immer erst kurz vor Beginn.
Bei der ersten Vorband Chant hatte sich an der Anzahl der Zuschauer nicht wirklich viel geändert. Schätzungsweise 70 bis 80 Leute saßen (!) am Rand und schauten stumm zur Bühne oder auf ihre Handys. Begeisterung sieht anders aus.

Die ersten Töne des Intros verleiteten einige Zuschauer dann doch zum Aufstehen, ein paar verliefen sich tatsächlich in die erste Reihe, doch mehr passierte nicht. Nur keine Energie verschwenden und jubeln.
Bradley Bills ist der Kopf des Projektes Chant. Energisch und entschlossen betrat er die Bühne und bezog Stellung hinter seinen Drums und Tonnen. Als Unterstützung hatte er noch einen Keyboarder dabei, der ziemlich konzentriert wirkte oder lustlos. Sie gaben ordentlich Gas, auch wenn sie mich musikalisch nicht so überzeugten. Die Performance war sehenswert, Bradley beherrschte seine Instrumente, es machte Spaß, ihm zuzusehen. Der Gesang war leider eher ein Geschrei und Gebrüll.

Aus Südamerika reisten Vigilante an.
„Mut ist ansteckend“ stand auf dem Schild, das Sänger Ivan Munoz beim Betreten der Bühne der Menge zeigte. Mittlerweile hatten es doch ein paar mehr vor den Bühnenrand geschafft und hatten immer noch genügend Platz zum Tanzen. Für die Fotografen war diese Band der absolute Albtraum, von Beginn an standen die Mitglieder komplett im Dunkeln, es waren schwarze Gestalten auf der Bühne zu sehen, mehr nicht. Lediglich den Keyboarder konnte man dank eines am Instrument angebrachten Bildschirms ein wenig erkennen. Die Musik? Sie war ziemlich aggressiv, Töne wurden kaum getroffen, aber das spielt bei solchen Bands weniger eine Rolle, mir hat es jedenfalls nicht wirklich gefallen. Keine Band, die ich mir wieder ansehen würde.

Ich hatte wesentlich mehr Publikum bei den Krupps erwartet. Vielleicht waren es 300, aber das ist schon hoch geschätzt. Schade – hatte ich doch gemeint, ein neues Album und endlich mal wieder ein Auftritt in München würden mehr Münchner locken. So war auch die Stimmung ziemlich gedrückt. Jubel hielt sich in Grenzen, die Leute standen steif auf ihren Plätzen, man sah nur zum Takt wippende Köpfe. Nur ein paar ließen sich zum Pogen verleiten und machten Stimmung. Ein wirklich trauriges Bild, was sich da zeigte.
Die Mitglieder der Band, natürlich selbst ziemlich in die Jahre gekommen, versprühten dennoch Energie. Sänger Jürgen wirbelte und sprang über die Bühne. Ich hätte mir nur eine noch kraftvollere Stimme gewünscht und ein bisschen mehr Licht. Dennoch hat mir der Auftritt sehr gut gefallen. Die Mischung aus alten und neuen Songs war perfekt und kam im Allgemeinen auch gut an. „To the Hilt“ lockte die Menge dann doch mal etwas aus der Reserve, die Band wurde begeistert gefeiert.

Fazit: Die beiden Vorbands waren leider so gar nicht mein Fall, wobei ich Chant noch einen Tick besser fand. Die Krupps waren gut, aber ich hatte mehr Kraft, Aggression und Passion erwartet. Das Publikum war leider lahm, lag vielleicht am späten Mittwochabend.

moschmoschmoschmosch2mosch2

Setlist:

1. Blick zurück im Zorn
2. Dawning of Doom
3. Risikofaktor
4. Im falschen Land
5. Essenbeck
6. Amboss
7. The Machinist of Joy
8. Part of the Machine
9. Industrie Mädchen
10. Schmutzfabrik
11. Robo Sapien
12. Metal Machine Music
13. To the Hilt
14. Nazis auf Speed
15. Fatherland
16. Machineries of Joy
17. Crossfire

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