Konzert: John Garcia – Bellhound Choir in der Kranhalle (München), 13.12.2015

Funkenflug

Die Kranhalle. Mein erster Gedanke war: Ob das der geeignete Raum für ein Akustikkonzert ist? Jetzt kann ich sagen: Ja, das passt! Die kleine Halle im Feierwerk ist mit jeweils zwei Sitzreihen schräg zur Bühne bestuhlt. Die zum Hauptact gehörenden Palmen im Hintergrund sind abwechselnd bunt ausgeleuchtet. Die zwei Stühle, der Tisch und die kleinen Wohnzimmerlampen strahlen etwas Heimeliges aus.

Bellhound 01Christian Hede Madsen betritt als erstes ziemlich pünktlich die Bühne. Er und John Garcia waren gestern noch in Italien, heute erfolgt in München erst einmal eine kurze Absprache mit dem Tontechniker und los geht‘s. Das Publikum lehnt sich zurück bzw. sammelt sich im Hintergrund, um sich die bluesigen Stücke von der ersten CD Stray Streech Beast von Bellhound Choir, Madsens Soloprojekt, anzuhören. Madsen (Bandmitglied bei Pet the Preacher) lässt sich in den Songs von seiner Musik tragen und mitreißen. Es ist ein schönes Schauspiel, wenn er sich völlig seiner Musik hingibt und sein Gesicht vornüber gebeugt hinter den langen Haaren verbirgt. Dabei streichelt und klopft er schon auch mal die rot schimmernde Gitarre, mit der er die Riffs erklingen lässt. Er vergisst aber darüber hinaus nicht, dass auch seine Worte großes Gewicht besitzen.

Der große schlaksige Däne zieht ein gutes, volltönendes Set ab und ist im Wechsel der Liedfolge immer in Zwiesprache mit dem Publikum. Ein kleiner Funken Begeisterung springt über.

Madsen ist völlig klar, dass die Anwesenden nur auf John Garcia warten. Dementsprechend vermehrt sich auch das Publikum während der kurzen Umbauphase. Zusammen mit Ehren Groban (Gitarrist bei War Drum) betritt Garcia die Bühne. Der Wohnzimmertisch hat einiges an Alkohol aufgeladen bekommen. Der Altmeister des Stoner Rocks wirkt sehr angespannt. Das hätte ich von so einem Vollblut-Musiker nicht erwartet, aber meine Verehrung für ihn schmälert das in keiner Weise. Sein Akustikpartner ist eine wertvolle und volltönende Begleitung. Die beiden sind ein eingespieltes Team. Da sitzt jeder Ton, wie ich es selten bei einem Akustik-Abend erlebt habe. Im Bezug auf die Musik ist der Frontmann Beiwerk, John konzentriert sich auf die Effektinstrumente und den Gesang. Und Singen ist auch genau das, was er kann. Die Live-Stimme hält, was die zuletzt erschienene Solo-CD verspricht. Und das ist es auch, was mein innerliches Streichholz aufflammen lässt.

Garcia 02

John Garcias Anspannung weicht im Verlauf des Konzerts, er bringt durch sein Erzählen zwischen den Stücken Stimmung in die Runde. Beim Singen versenkt er sich völlig, hat die Augen geschlossen oder blickt in die Ferne. Fehlen sollte in meinen Augen bei seinen Auftritten auf keinen Fall „Her Bullets Energy“ und „5000 Miles“ von seiner Solo-CD, und ja, ich werde nicht enttäuscht (der imaginäre Sternwerfer sprüht nur so). Ein Plädoyer hält John Garcia für Danko Jones, mit dem er zusammengearbeitet hat und der für ihn ein großer Musiker ist. Außerdem erfahre ich auch, woher die Aufregung kommt: Der Stoner-Rock-Musiker hat das Angebot für diese Akustik-Tour bekommen, nicht lange überlegt und zugesagt. Im Nachhinein tauchten einige Fragezeichen auf.

John Garcia singt auch Lieder aus seiner Kyuss-Zeit, das erzeugt Begeisterung in der Halle. Hier kann ich einfach nur genießen, mein Kennenlernen seiner Musik hat erst mit seiner Solo-CD eingesetzt. Aber der Funke ist natürlich auch hier übergesprungen. Ein wirklich hinhörenswertes Instrumental gibt Ehren Groban zum Besten, bevor sich die beiden Herren von der Bühne verabschieden, um dann nach einer längeren Klatschphase wieder für eine kurze Zugabe zurückzukommen.

Danke John, danke Ehren für einen persönlich wirklich entspannten und großartigen Abend! (Abgesehen von dem johlenden Zwischenrufer, der seine Begeisterung auch minimalistischer hätte ausrufen können.)

Insgesamt war es ein sehr schönes Konzert in perfekter Umgebung. Bellhound Choir war interessant, aber zum Kauf einer CD hat es für mich nicht gereicht. John Garcia hat einen sehr tollen Live-Eindruck bei mir hinterlassen. Deshalb ist die Ankündigung, nächstes Jahr eine neue CD herauszubringen und wieder auf Tour zu gehen, bei mir auf hoffnungsvollen Boden gestoßen. Die innerlichen Zündhölzer und Sternenwerfer ziehen sich erstmal in die Schachtel zurück und freuen sich auf ihren neuerlichen Einsatz

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