Do you want to build a Snowman?

Als der Disney Animationsfilm Frozen (dt. Die Eiskönigin) 2013 in die Kinos kam, katapultierte seine einzigartige Mischung aus klassischem Märchen und moderner, feministischer Kernaussage ihn in kurzer Zeit zum bis dahin erfolgreichsten Animationsfilm der Welt. Als klassisches Film-Musical war er prädestiniert für eine volle Bühnenfassung. Zynische Zungen mögen behaupten, dass dies nur eine weitere goldene Gans in der Disney‘schen Gelddruckerei sein kann, doch ein genauerer Blick lohnt.


Die detaillierte Geschichte spare ich mir an dieser Stelle, nur so viel für die Neueinsteiger: Während Elsa, die frisch gekrönte Königin von Arendelle, aus Versehen ihr Königreich einfriert, lernen sowohl sie als auch ihre Schwester Anna die wichtigste Lektion über Wahre Liebe™.

Als erstes stellt der geneigte Disney-Fan mit Freuden fest, dass an der Musical Version, die 2018 am Broadway Premiere hatte, das gleiche kreative Team beteiligt war, wie am Film. Drehbuchautorin und Regisseurin Jennifer Lee schrieb auch hier wieder das Buch, und das Komponisten-Duo Kristen Anderson-Lopez und Robert Lopez waren erneut für Musik und Texte zuständig. Allein dadurch fühlt sich die Bühnenshow vertraut und konsistent an, doch sie ist keine bloße Kopie des Films. Die Macher hatten statt eines 100-minütigen Animationsfilmes mit sieben (eigentlich 6,5…) Songs nun zweieinhalb Stunden zu füllen und haben diese extra Zeit fantastisch genutzt. Elsa bekommt zwei berührende neue Lieder über ihre Sorgen und Ängste, die ihrem Charakter deutlich mehr Tiefe verleihen als die Filmversion, in der sie zugegebenermaßen nach dem Intro wenig tut, außer einen magischen Winter herbeizurufen und episch „Let it go“ zu schmettern. Außerdem lernen wir, warum Schneemann Olaf so eine ungesunde Obsession mit dem Sommer hat, und was Oakens Familie eigentlich in der Sauna treibt. Die meisten der neuen Lieder sind nicht ganz die mitreißenden Ohrwürmer wie die originalen sieben, aber ein paar würdige Highlights sind auch hier dabei, und alle fügen sich nahtlos in den Kontext ein.

© Disney, photography by Johan Persson, https://frozenthemusical.co.uk/gallery/#photography

In Londons West End läuft Frozen seit dem 8. September 2021 im brandneu renovierten Theatre Royal Drury Lane, dessen Bühnenaufbau extra dafür komplett neu designt wurde. Mit gutem Grund: Das Bühnenbild ist atemberaubend und absolut enorm, inklusive einer drei Meter hohen beweglichen Eisbrücke, breiter als die gesamte Bühne, die von den Magiern des Bühnenbilds irgendwo vollkommen versteckt nach einem einzigen fünfminütigen Lied genauso subtil verschwindet wie sie aufgetaucht war. Dennoch fragt man sich vielleicht, wie die Bühnenversion die computeranimierte Magie des Filmes wohl replizieren kann? Die Antwort ist: Sie versucht es nicht. Die Macher beweisen großes Gefühl dafür, was auf einer Bühne funktioniert, und statt kitschigen Animationen von wachsenden Eisschlössern arbeiten sie mit der Tiefe des Bühnenbildes, fantastischen Lichteffekten und einer aufwändigen Installation von Videoprojektoren und mehrschichtigen, halb durchsichtigen Leinwänden. Und das Ergebnis ist mindestens genauso magisch wie eine Computeranimierung.

© Disney, photography by Johan Persson, https://frozenthemusical.co.uk/gallery/#photography

Die originale Besetzung lässt ebenso staunen wie das Bühnenbild. Insbesondere Stephanie McKeon IST schlicht Anna, mit all ihrer Tapferkeit und deren tollpatschigen Liebenswürdigkeit, ihre gesangliche und körperliche Leistung ist bemerkenswert. Samantha Barks zaubert in ihrem juwelenbestickten Kleid die perfekte stolze, eisige Elsa auf die Bühne. Olaf wird als Puppe von Craig Gallivan zum Leben erweckt, mit der gleichen beeindruckenden Puppentechnik wie sie auch in der Bühnenfassung von König der Löwen zum Einsatz kommt. Auch die jungen Schauspielerinnen, die Anna und Elsa als Kinder spielen, sind eine wahre Freude und zeigen enormes Talent und Gespür für die Bühne.

Frozen – The Musical ist eine schillernde, aufregende Theatererfahrung. Es ist nah genug am Original, um die kleineren Fans nicht zu verschrecken, aber weitergeführt und vertieft, sodass es als eigenständige, erwachsene Show den anderen großen West End Musicals um nichts nachsteht. Natürlich ist es hier und da etwas kitschig, aber genau dafür sieht man sich ja ein Musical an und keinen Psychothriller.

Derzeit läuft Frozen neben dem Londoner West End auch als Tourproduktion in den USA, und ab 10. November wird es auch im Hamburger Theater an der Elbe zu sehen sein.

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Frozen – The Musical / Die Eiskönigin – Das Musical
Buch: Jennifer Lee
Musik: Kristen Anderson-Lopez und Robert Lopez
Premiere: 8. September 2021 (London) / 10. November 2021 (Hamburg)
Laufzeit: 2h 30min inkl. Pause
London Cast: Stephanie McKeon, Samantha Barks, Craig Gallivan, Oliver Ormson, Obioma Ugoala
Hamburg Cast: Sabrina Weckerlin, Celena Pieper, tbc

Frozen in Hamburg
Frozen in London

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