Konzert: Satyricon – Vredehammer – Oslo Faenskap – Backstage Halle, 15.4.2015

I’m not too old to appreciate a good moshpit!

Damit war Herr Satyr an diesem Abend nicht alleine, denn als Satyricon die Bühne der rappelvollen Backstage Halle enterten, konnte die versammelte Meute es kaum erwarten, mit dem Haareschütteln loszulegen. Für sein Geld bekam der geneigte Konzertbesucher einiges geboten – doch der Reihe nach!

oslo-faenskapDen schwarzmetallischen Reigen im Backstage eröffnete das Quintett Oslo Faenskap aus – man ahnt es – Oslo, Norwegen. Seit 2009 macht die Truppe um Fronter Lars Daniel Vestli gemeinsam Musik und hat sich dabei einer thrashigen Spielart von Metalcore verschrieben, die sie auch extrem kraftvoll auf die Bühne bringt. Obwohl Oslo Faenskap schon eine Weile vor dem offiziellen Konzertbeginn anfangen, standen in der Halle doch schon gut 30 Mann, die geneigt mit dem Kopf wippten, aber so richtig mitreißen ließ sich von Songs wie „No Skin, no Armor“ leider niemand. Das lag keineswegs an Oslo Faenskap: Die gingen ordentlich ab und gaben alles – nur war Metalcore an diesem Abend einfach nicht angesagt. Am Ende des Gigs hüpften Sänger und Gitarrist noch von der Bühne in den mäßig gefüllten Zuschauerraum – das Publikum war zwar etwas verwirrt, nahm es aber gelassen auf.

vredehammerBand Nummer zwei an diesem Abend waren Vredehammer aus dem hohen Norden Norwegens. Gegründet 2009 als Soloprojekt von Per Valle, kamen nach und nach mehr Musiker dazu, sodass Vredehammer seit gut zwei Jahren auch live spielen können. Inzwischen brachten sie das erste Album Vinteroffer auf den Markt, von dem es auch das ein oder andere Stück zu hören gab, etwa das sehr beachtenswerte „We are the Sacrifice“ oder, zum Abschluss eines sehr gelungenen Konzerts, „a ballad about love and shit“ mit dem Titel „Cthulhu“. Aber auch die älteren EPs kamen nicht zu kurz, gegeben wurde unter anderem „Forlist“ (von der EP Pans Skygge aus dem Jahr 2011) und „Ditt siste aandedrag“ sowie „Mintaka“ von der Mintaka-EP (2013). Wenn Vredehammer mal keinen Krach machte, gings vor allen Dingen ums Bier und den Genuss desselben, und dabei lernten Herr Valla und seine Mannen ganz nebenbei die wichtigste bayerische Vokabel: „Prost!“. Da soll noch einmal jemand sagen, man könne auf Black-Metal-Konzerten nichts lernen! Musikalisch waren die Herren sehr norwegisch; wer etwas für Schwarzmetall der älteren Schule übrig hat, sollte Vredehammer bei Gelegenheit ein Ohr leihen. Live jedenfalls waren die spielfreudigen Norweger wirklich klasse und eine hervorragende Einstimmung auf Satyricon!

satyricon_0Die ließen sich dann allerdings erst einmal Zeit. So kurz die Pause zwischen Vredehammer und Oslo Faeskap war, so lange dauerte es, bis die inzwischen bumsvolle Halle endlich Satyr, Frost & Co. zu Gesicht (und vor allem zu Gehör) bekam. Das Warten allerdings lohnte sich mal so richtig, denn die folgenden zwei Stunden gehören definitiv zu den besten Konzerterlebnissen, die ich je hatte. Vor gut anderthalb Jahren beehrten Satyricon München das letzte Mal, im Gepäck hatten sie damals das frisch gepresste Album Satyricon. 2015 hieß es „Dawn of a new Age“, denn nicht nur wird am 1. Mai das neue Album Live at the Opera erscheinen, auf dem Satyricon vom Norwegian National Opera Chorus unterstützt wird, sondern mit dieser Tour wollte man auch etwas wirklich Besonderes auf die Beine stellen – dazu später mehr. Wie wichtig Satyr diese spezielle Veröffentlichung ist, machte seine Ansage zu „Die by my Hand“ deutlich (die leider von irgendeinem betrunkenen Schreihals unterbrochen wurde). Besagtes Stück gab es dann in der Chor-Version (dieser kam allerdings vom Band), und auch wenn das auf der Live-CD/DVD sicherlich beeindruckender rüberkommen wird, machte „Die by my Hand“ definitiv Laune auf mehr.

Das Konzert starteten Satyricon allerdings ganz klassisch mit „The Rite of our Cross“, dem fabelhaften „Our World, it rumbles tonight“ vom letzten Album, Mitsing-Liedern wie „Now, Diabolical“ und dem „Black Crow on a Tombstone“-Nackenbrecher, bevor es mit dem frenetisch abgefeierten „Filthgrinder“ zurück zur Rebel Extravaganza ging – schön, dazu mal wieder die (derzeit eher kurze) Matte schütteln zu können! Noch weiter in der Zeit zurückreisen konnten wir dann mit „Walk the Path of Sorrow“ (1994) und „Armageddon“ (1996), bevor es dann mit dem bereits erwähnten „Die by my Hand“ in der Neufassung und „Tro og Kraft“ wieder in die Gegenwart zurück ging. Was dann folgte, war nicht nur unglaublich cool, sondern sorgte auch dafür, dass mir dieser Abend noch lange in Erinnerung sein wird: Jam-Session mit Satyricon! Auf ihrer Homepage hatte die Band bereits angekündigt, dass sie für diese Tour Musiker suche, die Lust hätten, sie auf der Bühne zu unterstützen und ein bisschen mit ihnen zu jammen, vorzugsweise mit für Satyricon eher untypischen Instrumenten. Solche fanden sich an diesem Abend in München nicht, aber die insgesamt sechs Herren auf der Bühne (neben Satyr und Frost spielen live auch noch Steinar Gundersen (Gitarre), Diogo Bastos (Gitarre), Anders Odden (Bass) und Job Bos (Keyboard) mit) lieferten auch so eine Jam-Session ab, die sich gewaschen hatte. Gut eine halbe Stunde lang improvisierten sie, sichtlich mit Spaß bei der Sache („You remember what we played at the soundcheck earlier? How did that go?“), und irgendwie schien es, als würden sie am liebsten gar nicht mehr aufhören: „I have to remember that we have to stop!“, kommentierte Satyr seine eigene Spiellaune irgendwann. Die Reaktion aus dem erstaunten und völlig verzauberten Publikum war gigantisch, was wiederum der Band ehrlich gefühlte Reaktionen entlockte – ein grandioses Erlebnis, und wer weiß, vielleicht wird aus der ein oder anderen Idee, die an diesem Abend angespielt wurde, ja der nächste Dancefloor-Smash-Hit?

Mit den Smash-Hits ging es dann nämlich weiter: Die Meute verlangte nach so viel introvertierter Schönheit wieder nach ordentlich auf die Fresse, und das gab es in Gestalt von „Fuel for Hatred“ (zu dem ein Moshpit verlangt, aber vom Publikum eher nicht gegeben wurde) und natürlich dem obligatorischen „Mother North“, bevor mit dem nicht minder obligatorischen „K.I.N.G.“ ein unvergleichlicher Konzertabend endete.
Um es kurz zu machen: Im Vergleich zu den vielen anderen Bands, die mich irgendwann im Laufe ihrer Karriere verloren haben (Dimmu Borgir sei hier als Beispiel genannt), können Satyricon sich gerne noch ein paar Mal mehr neu erfinden – wenn so geniale Abende dabei herauskommen, die mich noch bis in die Träume begleiten und mir die kommenden Tage einen steifen Nacken bescheren, folge ich Satyricon in jede musikalische Untiefe!

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(1982)