Konzert: Triakel – 12.11.14 – Fraunhofer Theater

Liebe, Trauer und eine handfeste Schlägerei

triakel-1-von-1Triakel – in einem schwedischen Dialekt ist das ein schwarzer, süßer Likör. Die Musik der gleichnamigen Folkband ist allerdings alles andere als klebrig und zuckersüß, schwermütig und düster jedoch schon ab und an. Zum Glück gibt es aber auch die fröhlichen schwedischen Tänze, Polska genannt, und die augenzwinkernden Lieder über alles, was das Leben so bietet. Melodien und Texte – oft im jämtländischen Dialekt – stammen aus dem schier unendlichen Schatz schwedischer Volksweisen, die das Svenskt Visarkiv glücklicherweise seit vielen Jahren sammelt. Lieder über das bäuerliche Leben, unglückliche Lieben, verstorbene Kinder, Gott – aber auch heimliche Liebhaber, aus dem Ruder laufende Geburtstagsfeierlichkeiten oder den perfekten Mann.
Triakel sind Emma Härdelin (Gesang, Geige), die Folkmusikkennern natürlich schon lange von Garmarna bekannt ist, Kjell-Erik Eriksson (Geige) und Janne Strömstedt von Hoven Droven am Harmonium. Entstanden sind Triakel 1994 aus einer Silvesterwette heraus, mittlerweile hat die Band fünf reguläre Alben und eine limitierte Geburtstags-CD zum zehnjährigen Bestehen eingespielt. Auf dieser Tour stellen sie mit Thyra ihre aktuelle Veröffentlichung vor, auf der sie Lieder der berühmten schwedischen Volkssängerin Thyra Karlsson (1912-2001) neu interpretieren. Sie gastieren wie immer im kuscheligen Fraunhofer Theater, was dem familiären und intimen Charakter der Musik nur zugutekommt.

Kurz nach halb neun – das Konzert dürfte ausverkauft sein, einige Besucher müssen sich mit Stehplätzen begnügen – geht es los, die Band betritt die Bühne. In der ersten Konzerthälfte konzentrieren sich Triakel ausschließlich auf das neue Album Thyra und spielen die ersten acht beziehungsweise das elfte Lied in der gleichen Reihenfolge wie auf der CD. Würde mich normalerweise stören, doch hier passt der Aufbau, und wir lauschen einem abwechslungsreichen Programm. Die schwedischen Texte werden natürlich abwechselnd von Emma und Kjell-Erik höchst charmant zusammengefasst und erklärt, sodass man auch ohne perfekte Schwedischkenntnisse sehr viel versteht. „Lillade Anna“ erzählt von dem Glück eines frischgebackenen Ehemannes, „Kom blicka in på en kyrkogård“ dagegen von einer Witwe am Grab ihres Mannes. „Sparvens visa“ ist ein Lied über einen Spatz, in „Gubben och gumman“ kommt ein Ehepaar überhaupt nicht mehr miteinander aus, und in „Om jag en gång skall ha en man“ stellt eine junge Frau eine sehr detaillierte Wunschliste auf, wie der Zukünftige zu sein habe (oder eben nicht). „Tusen tankar“ ist eine abgrundtief traurige Ballade über eine unmögliche Liebe – wer hier nicht mindestens einmal schwer schluckt, ist aus Stein. Fröhlicher wird es mit dem „Skolsång“, einem Lied aus Thyras Kindheit. „Med tårar“ und „Amerikaresan“ thematisieren die große Auswanderungswelle nach Amerika im 19. Jahrhundert. Das besinnliche „Var blommar fridens stängel“ beschließt diese erste Konzerthälfte, und die Band lädt uns ein, sie in ihrem „Triakel-Shop“ zu besuchen und ein paar CDs zu kaufen. In der Pause signieren die Musiker tiefenentspannt und extrem sympathisch Unmengen von CDs, verkaufen nebenher den Bestand zweier ihrer Alben vollständig ab und freuen sich sichtlich, dass so viele Menschen im Publikum Schwedisch sprechen. Das Institut für Nordische Philologie der Universität München ist zum Beispiel mit einem Seminar vertreten, und auch sonst scheinen die allermeisten Anwesenden beinharte Schwedenfans zu sein. Lokale Volkskünstlerprominenz ist durch Gerhard Polt und einen der Well-Brüder vertreten, die aber zum Glück vollkommen in Ruhe gelassen werden.

Nachdem alle mit CDs und frischen Getränken versorgt sind, beginnt die zweite Konzerthälfte, in der sich Triakel auf ihre früheren Veröffentlichungen konzentrieren, vor allem das Album Ulrikas minne, auf dem sie sich den Liedern der Volkssängerin Ulrika Lindholm gewidmet hatten, sowie Sånger från 63° N aus dem Jahr 2004.
„Uti friska gräset gröna“ erzählt wieder von junger Liebe, „Veit“ wird uns aufmunternd als „Lied auf Jämtländisch, der Provinz, aus der wir stammen“ angekündigt, und „ihr werdet kein Wort davon verstehen, auch wenn ihr Schwedisch könnt.“ Ganz so schlimm ist es dann nicht, aber Jämtländisch ist vom normalen Schwedisch tatsächlich so weit entfernt wie Platt- von Hochdeutsch. Die betörende Melodie und Emmas einzigartige Stimme reißen einen aber natürlich mit, und ich freue mich sehr über eines meiner Lieblingslieder von Triakel.
Bei „Kråkvisa“ darf das Publikum den Refrain mitsingen und so einen Bauern begleiten, der eine Krähe schießt und daraus unter anderem fünfzehn Paar Schuhe und ein ganzes Schiff herstellt. „Härliga hembygd“ (hier weiß ich leider nicht den exakten Titel) erzählt von der Trauer darüber, dass die geliebte Heimat sich immer mehr verändert, bei „Kallt väder“ muss das Publikum wieder ran und Emma beim Refrain unterstützen. Ein Schwedisch-Crashkurs sozusagen, der gern angenommen wird.
Bei „Stina“ haben wir Mitleid mit dem etwas tölpeligen jungen Pelle, der unbedingt die Frau seiner Träume küssen will, die ihn aber immer wieder abweist. Als sie wiederum all ihre Traummänner nicht bekommt und dann schließlich doch Pelle nehmen würde, lacht er sie aus.
Der „Knalle juls vals“ ist eigentlich ein Weihnachtslied, doch die bekennenden Winterfans Triakel erzählen mit strahlenden Augen, wie sie beim Stadtrundgang das Aufstellen des großen Baumes auf dem Marienplatz beobachteten und beschlossen, ein Weihnachtslied ins Abendprogramm aufzunehmen. „Knalle juls vals“ stammt ursprünglich von dem großen schwedischen Volkssänger Evert Taube und handelt von … einem Weihnachtsbaum.
Mit „Karna“ wird es aber gleich wieder fröhlich und beschwingt und alles andere als besinnlich, wenn sich ein junger Mann auf seine Verlobte und die gemeinsamen Samstagabende freut.
Mit „Stjärnorna blinka“, „die Sterne funkeln“, beschließt wieder eine herzzerreißende Ballade das reguläre Programm, doch auf eine Zugabe müssen wir nicht lang warten. Triakel bitten um Liedvorschläge aus dem Publikum, und man wünscht sich natürlich genau das, was die Band schon lange nicht mehr gespielt hat. Doch nach kurzer Absprache hören wir „Lihll-Pe i Floa“, wieder ein wunderschönes Lied auf Jämtländisch mit sehr tanzbarem Rhythmus. Zur Sicherheit wählen Triakel das nächste Lied aber wieder selbst aus – „wir spielen jetzt besser etwas, das wir auch können!“ –, und bei „I himmelen“, einem Lied über das Paradies, bekomme sicher nicht nur ich feuchte Augen.
Als allerletzte Zugabe lässt die Band es mit „Födelsedagsvisa“ ordentlich krachen, hier wird auf einer Geburtstagsfeier gelacht, getrunken, gegessen und geschlägert, dass es eine wahre Freude ist.

Nach insgesamt fast zweieinhalb Stunden ist dieser wunderbare Auftritt dann leider doch um. Mein viertes Triakel-Konzert war auch das bisher beste, und es ist immer wieder herrlich, mit diesen sympathischen Menschen – und exzellenten Musikern – einen Abend zu verbringen. Gefehlt haben natürlich viele, viele Lieblingslieder, aber das ist ja immer so. Tack för kvällen, Triakel!

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Setlist:
Lillade Anna
Kom blicka in på en kyrkogård
Sparvens visa
Gubben och gumman
Om jag en gång skall ha en man
Tusen tankar
Skolsång
Med tårar
Amerikaresan
Var blommar fridens stängel

Uti friska gräset gröna
Veit
Kråkvisa
((Härliga hembygd))
Kallt väder
Stina
Knalle juls vals
Karna
Stjärnorna blinka

Lihll-Pe i Floa
I himmelen

Födelsedagsvisa

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