Musikalisches Feuer

Das Tollwood in München bietet seinem Publikum in diesem Jahr hervorragende und einzigartige Acts. Sei es ZZ Top oder Santana, große Musiker haben in den letzten Tagen schon ihre Fans verwöhnt. Und rockig blieb es auch am 17.07. mit Gotthard in der Musikarena. Der Sommer zeigte sich extra für die Besucher von der heißesten Seite. Über 30 Grad, kein Wölkchen am Himmel und kein Lüftchen wehte. Tropisch war das Klima somit auch in der Arena, die sich sehr langsam füllte, weil das Publikum lieber noch ein bisschen Luft im Schatten schnappen wollte.

Doch um 19 Uhr lockte Bonfire dann auch die Letzten vor die Bühne. In Begleitung des Bayerischen Defiliermarsches nahmen die Bandmitglieder ihre Positionen ein. Ein Jubeln ging durch die Menge, hier und da ein Lachen

  von denen, die das Intro noch nicht kannten. Zunächst fiel die Stimme von Sänger Claus Lessmann ein wenig in der Hintergrund. Die Instrumente warenn wesentlich stärker und er hatte Mühen, dagegen anzukommen. Das Problem wurde aber im Verlauf des Auftrittes von den Technikern behoben, sodass man in den vollen Genuss der rockigen, kräftigen Stimme kam. Ein wenig fad war es nach den ersten Liedern, es schien nicht nur das Publikum ins Schwitzen gekommen zu sein. Auf der Bühne verhielten sich die Mitglieder eher ruhig, um Kräfte zu sparen. Mit „Hot to Rock“ gaben sie aber richtig Gas und endlich erwachten die Zuschauer. Sie sangen mit, jubelten, klatschten und feierten mit voller Begeisterung die bayerische Band.
Bei „Proud of my Country“ lag ein Hauch Melancholie in der Luft. Mit diesem Song bedankte sich die Band bei den zahlreichen Helfern, die während der Flutkatastrophe mit allen Kräften tätig gewesen waren. Auch wenn das Wort „Stolz“ in Verbindung mit Deutschland manchmal missverstanden werden kann, denke ich auch, dass wir stolz sein können auf den Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung.

Nach kurzer Umbaupause und Schnappen nach frischer Luft eroberte die Schweizer Hard-Rock-Band Gotthard unter frenetischem Jubel die Bühne. Nach dem tragischen Tod von Sänger Steve Lee im Jahre 2010 hatte man nicht mehr damit gerechnet, dass die Band jemals wieder auftreten würde. 2011 gaben sie zur Freude der Fans jedoch bekannt, dass sie neue Projekte planen und letztendlich mit Nic Maeder auch einen neuen Frontmann gefunden haben. Und dieser machte sich wirklich gut. Die Stimme rauchig, rockig, aber auch einfühlsam und klar. Tolle Tonvariationen, die tief ins Gehör drangen und dort blieben.
Sie begeistern das Publikum von der ersten Minute an, von technischen Problemen keine Spur. Mit „Right on“ und „Starlight“ hatten sie sich zu Beginn Titel ausgesucht, die die Menge liebt und mitsingen kann. Das Level konnte die Band bis zum Ende halten, auch wenn sie sich mit einigen Balladen zwischendurch eine Pause gönnten. Wundervoll und romantisch, begleitet mit Akustikgitarre, singt Nic „Remember it´s me“ von dem aktuellen Album Firebirth. Dass Gänsehaut trotz der tropischen Temperaturen in der Arena möglich ist, zeigte sich durch die gefühlvollen Stücke und die Untermalung der Violinistinnen, die zur Verstärkung auf die Bühne traten.
Doch bevor das Publikum eventuell in einen tiefen Schlaf verfallen konnte, holten Gotthard die müden Geister mit „One Life one Soul“ zurück. Selbst der Lichttechniker, der fünf Meter über dem Boden saß, hatte seinen Spaß. Man musste schon Angst haben, dass er nicht herunterfällt bei der Hingabe zur Musik. Aber ein gutes Zeichen für die Band.
Diese hatte an diesem Abend alles im Griff. Immer wieder staunte ich über die Beherrschung der Instrumente, als würden die Finger über die Saiten und Tasten fliegen. Auch Schlagzeuger Hena Habegger zeigte mit vollem Körpereinsatz, wozu seine Sticks fähig sind.
Vor der Zugabe wurde es mit Dudelsäcken ein bisschen schottisch. Zu „Yippie aye Yay“ gesellten sich ein paar Musiker zu Gotthard auf die Bühne und gaben dem Abend das i-Tüpfelchen.

Etwas ruhig und gediegen, aber trotzdem rockig ging es mit Bonfire in den Abend. Gotthard hatten ein leichtes Spiel mit ihren Fans, die der Band mit voller Begeisterung und bester Laune quasi zu Füßen lagen.

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Weitere Bilder des Abends von Peter Seidel: Metalspotter.de

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