Konzertreview: 20.07.2013 Icon of Coil – Seelennacht, GarageDeLuxe, München

Tiefgründige Texte und knallharte Beats

Vielleicht war der Termin 20.07. vom Veranstalter etwas unglücklich ausgewählt. Zeitgleich fand in Köln nämlich das Amphi-Festival statt. So war ich überrascht, dass es doch einige gab, die den Weg, trotz des herrlich Sommerabends, in die Garage gefunden hatten.
Bereits vor dem Konzert ließ es sich Icon of Coil-Sänger Andy nicht nehmen, mit ein paar Anwesenden an der Bar die ersten Bierchen zu trinken und Gespräche zu führen. Er schien guter Laune zu sein, umso besser für den späteren Auftritt.

Support für Icon of Coil an diesem Abend waren Seelennacht. Sänger Marc Ziegler musste auf seinen gewohnten Keyboarder Matthias verzichten und brachte als Ersatz Rene mit, der sonst aber mit seinem eigenen Projekt Van Undercut auf der Bühne steht.
Die Zuschauer, ein wenig schüchtern, halten sich eher im hinteren Drittel auf der Tanzfläche auf. Marc betrat die Bühne, wirkte ein bisschen nervös und schüchtern. Vom ersten Ton an war ich fasziniert, unglaublich was für eine starke, tiefe und eindringliche Stimme aus diesem jungen Mann herauskam. Hier wird man schnell an Chris Pohl von Blutengel und Sven Friedrich von Solar Fake erinnert, beides vermischt sich in Seelennacht. Und dieser Mix gefiel dem Publikum. Noch ein bisschen verhalten bewegten sie sich zu den tiefgründigen Texten und den wechselnden Beats, doch sie belohnten jedes Stück des Künstlers mit Applaus und Jubel. An diesem Abend gab uns Marc einen Vorgeschmack auf das neue Album Zeitenwende, das noch in diesem Jahr erscheinen wird. Der Auftritt hat mir sehr gut gefallen, die Stimme wusste zu gefallen und zu begeistern, Marcs sicheres Auftreten zog die Blicke zur Bühne. Seine Augen wirkten teilweise wahnsinnig hypnotisierend und elektrisierend.
Das nächste Konzert dieser Band wird am 25.10.2013 in Olching stattfinden. Wer also da noch nichts vorhat, dem kann ich Seelennacht nur wärmstens empfehlen. Der Besuch lohnt sich.

1997 gründete Andy LaPlegua das Projekt Icon of Coil in Norwegen. Zusammen mit Sebastian Komor gewann die Kombo in der EBM-Szene recht schnell Zuwachs in der Fangemeinde. Eingefleischte Fans hatten sich an diesem Abend vor der Bühne positioniert und umjubelten die Künstler von Beginn an. Andy schien tatsächlich sehr gut gelaunt, hatte ständig ein Grinsen im Gesicht und war sich nicht zu schade, mit dem Publikum Kontakt aufzunehmen. Wie ein Wirbelwind rannte er fast ununterbrochen auf der Bühne von rechts nach links, sehr schwer für die Fotografen den „Gummiball“ einzufangen. Sie spielten natürlich alle bekannten Stücke, sodass das Publikum schier ausflippte, mitsang und tanzte; endlich ließen sie sich gehen. Andy genoss den Auftritt, auch wenn er sicherlich mehr Publikum gewohnt ist. Aber die Anwesenden hatten genug Energie für Hunderte. Die Stimmung machte es aus und die war an diesem Abend einfach hervorragend. Nach der Show schnappte die Band kurz frische Luft, klatschte ein paar Hände ab und begab sich unter die Fans, um da weiterzumachen, wo sie vor dem Auftritt aufgehört hatten: an der Bar.

Fazit: Wer nicht da war, hat was verpasst, oder kam am Sonntag auf dem Amphi-Festival in den Genuss. Beide Bands waren sehr sympathisch und umgänglich. Ich hatte nette Gespräche mit ihnen; die lockere und nette Atmosphäre in der Garage gibt immer die Möglichkeit für neue Bekanntschaften.

Weitere Bilder von Steffi Schaaf unter: Fanni-Pics

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