Der außerirdische kleine Prinz

  

Die Zeichnerin María Hesse und der Autor Fran Ruiz haben ein entzückendes kleines Buch geschaffen, eine gezeichnete Bowie-Biografie (KLICK). Es klingt ganz schön ambitioniert, Bowies Leben und Werk auf schlanken 162 Seiten unterzubringen. Doch es ist ja keine normale Biografie. Ein gezeichneter Bowie erzählt in der ersten Person von sich selbst. Heyne Hardcore hat eine Bowie Night aufgestellt, die unter anderem in München im Ampere stattfand. Ich hatte unheimliche Lust auf dieses Event. Seit Anfang des Jahres immer nur dieses draußen essen, diese Onlinemeetings und Streamen statt Treffen.

Beim Hingehen wurde mir so richtig bewusst, wie schön dieses Muffatwerk eigentlich ist. Dort wurde einem ausführlich erklärt, wo die Plätze sind. Natürlich war die Veranstaltung bestuhlt und hygienesicher. Erfreulicherweise durfte man sich trotzdem selbst ein Bier und eine Weinschorle holen. Locker besetzt, mit Getränken versorgt und voller Vorfreude konnte man dem Abend entgegensehen.
Der Verlagsleiter Markus Naegele nahm Platz sowie Kristof Hahn, der Übersetzer der Bowie Biografie.

Er ist unter anderem Musiker und Gitarrist bei der New Yorker Band Swans. Kristof Hahn las aus der Biografie, während per Beamer die entsprechenden Zeichnungen an die Wand geworfen wurden. Naegele moderierte und fragte sehr interessiert, Hahn antwortete, man merkte ihm eine große Leidenschaft und langjährige Liebe für Bowie an. „Ich bin Major Tom. Ich bin Ziggy Stardust. Ich bin der Thin White Duke. Ich bin ein Außerirdischer“ ging es los. „Ich bin alles, was ihr euch nicht vorstellen könnt.“ Bowies Kindheit wurde umrissen, seine Verwandlung zum Glamrock-Star. Einen besonderen Augenmerk legte Kristof Hahn auf die 70er Jahre, die Zeit mit Iggy Pop, diese düstere, drogengeschwängerte Zeit, und dann Berlin.

Jesper Munk, ein junger Münchner Künstler (der liebenswerterweise Mama und Oma im Publikum sitzen hatte) spielte und sang zusammen mit Kristof Hahn zuerst einige Stücke aus frühen Werken von David Bowie, dann folgte eine schöne, düstere und unverbrauchte Version von „Satellite of love“ von Lou Reed, einem damaligen Freund Bowies. Der Singer/Songwriter Philip Bradatsch war ein Überraschungsgast an diesem Abend.

Nach einem ausgiebigen Desinfizieren des Mikrofons gab es „Ashes to ashes“ zu hören, cooler und darker als von David Bowie selbst. Das letzte Lied des Abends war „Helden“, auf Deutsch gesungen von Kristof Hahn zusammen mit Markus Naegele. Pure Melancholie an der Gitarre, so schön, meine Tränen flossen über.

Die ganze Vorstellung war intim, die ausgewählten Bilder passten perfekt zu den vorgelesenen Situationen, in denen Realität und Fiktion oftmals verschwammen. Dies machte das Ganze richtig märchenhaft, fast wie eine Illustration zu Der kleine Prinz. Man hätte gerne eine Zugabe gefordert, jedoch gab es noch eine zweite Vorstellung an diesem Abend, also war am Ende einfach Schluss. Ein Reporter vom BR, den ich vorher schon im Publikum gesehen hatte, fragte draußen ein bisschen herum und hatte mit mir ein bereitwilliges und kundiges Opfer gefunden. Er beendete unser Gespräch mit „Bin ganz beseelt!“
Das war ich auch! Was für ein schöner Abend!

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