Kultur: Der Königsplatz in München

Ein Schau-Platz

Wenn man als Fußgänger von Osten kommt (über die Brienner Straße und den Karolinenplatz), eröffnet sich einem eine schöne Aussicht beim Betreten des in der Münchener Maxvorstadt gelegenen Königsplatz: links die Antikensammlung, rechts die Glyptothek und dazwischen, als erstes schon von weitem sichtbar, die Propyläen. Der Gestalter des Platzes hatte eine Vorliebe für Griechenland, diese spiegelt sich hier im sogenannten Isar-Athen wieder, aber nicht nur in den Baulichkeiten, sondern auch durch die jeweiligen Sammlungen der hier ansässigen Museen.

1806 wurde Bayern zum Königreich erhoben, sein erstes Oberhaupt war König Maximilian I. Joseph. Dieser plante damals rund um den heutigen Königsplatz eine Stätte zur Ausbildung und Förderung seiner Soldaten anzusiedeln. Allerdings hatte der damalige Kronprinz Ludwig bereits andere Ideen, die er auch umsetzen durfte: Als erstes entstand nach den Plänen von Leo von Klenze auf der Nordseite die Glyptothek (Bauzeit 1816-1830). Es müssen zur damaligen Zeit herrlich ausgestaltete Räume gewesen sein, allerdings ist davon seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr so viel zu sehen. Der spätere König Ludwig I. (Regierungszeit 1825-1848) brachte hier die antike Skulpturensammlung unter, die auch heute noch unter anderem die von ihm erstandenen Giebelfiguren vom Aphaia Tempel in Ägina (Wikipedia) und andere von den Wittelsbachern zusammengetragenen Schätze zeigt. Was unsereinem vielleicht die heimische Glasvitrine ist, in der Erinnerungen an Reisen o.ä. untergebracht sind, war eben für Ludwig zum Teil seine Glyptothek.
Heutzutage können die nach Süden ausgerichteten Stufen zum Vierflügelbau schon mal als Sonnenbank genutzt werden, vor und neben den ionischen Säulen lässt es sich auf den Sitzgelegenheiten sehr gut im Sommer und beizeiten im Winter aushalten.

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Quer über der Straße sieht man das Gebäude der heutigen Staatlichen Antikensammlung. Untertags braucht man Umsicht, um von der Nord- auf die Südseite zu gelangen, abends geht das wesentlich schneller. König Ludwig I. beauftragte Georg Friedrich Ziebland mit der Planung für sein Kunst- und Industrie-Ausstellungsgebäude. Der Architekt konnte dabei auf Entwürfe von Leo von Klenze zurückgreifen. Dieser Teil des Königsplatzes wird von einem mächtigen griechisch-ägyptisch inspirierten Bau, der in der Zeit zwischen 1838 und 1845 errichtet wurde, eingenommen. Die hinter dem korinthischen Portikus liegenden Räume haben schon viele Ausstellungen beherbergt, selbst die Münchner Secession hat ihre Werke hier präsentiert. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg zog hier die Antikensammlung ein, allerdings war vorher ein Wiederaufbau nötig (von 1963-1967), nach den kriegerischen Angriffen waren nur mehr die Eingangssäulen übrig. Seither kann man hier etruskischen Goldschmuck sowie Silber- und Vasenkunst aus vielen Jahrhunderten besichtigen. Bemerkenswert: München kann sich nach dem Louvre und dem Britischen Museum rühmen, hier gemeinsam mit der Glypthothek eine der reichsten Sammlungen antiker Vasen auszustellen.
Wenn sich am Abend Ruhe über den Platz senkt, sitzen auf der breiten Freitreppe Grüppchen zusammen, um den Tag ausklingen zu lassen (sozusagen Wein, Weib und Gesang – das würde König Ludwig I. sicher gefallen).

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Und jetzt kommt man zu einem Bauwerk, das eigentlich ein Stadttor werden sollte: Die dorischen Propyläen (benannt nach dem Vorbau am Aufgang zur Akropolis) wurden zwischen 1845 und 1862 nach Plänen von Leo von Klenze gebaut. König Ludwig I. zahlte dieses Bauwerk aus eigenen Mitteln, auch unter dem Aspekt, dass die Griechen 1835 seinen Sohn Otto als König erwählten (bis sie ihn 1862 wieder absetzten) und um die Freiheitskämpfer von Griechenland zu würdigen. Einen besonderen Hinweis darauf findet man in den Giebelfiguren von Ludwig von Schwanthaler, die Szenen dazu zeigen. Allerdings wurde der Giebelfries 1985 durch eine Kopie ersetzt, die Luftverschmutzung hatte ihm zugesetzt. Einige Originalstatuen kann man heute im Untergeschoß an der U-Bahn-Haltestelle hinter Glas besichtigen.
Wenn man die kleine Treppe an der rechten oder linken Seite des mittleren Durchgangs hochsteigt und zur Mitte geht, hat man eine sehr schöne Sicht auf die rote, sehr gut erhaltene Kassettendecke, die das Erdgeschoß von der obenliegenden Aussichtsplattform trennt (leider nicht zu besichtigen). Außerdem kann man zu beiden Seiten vier Wandtafeln in griechischer Sprache entdecken. Im Durchgang selber hat man abends eine wundervolle Sicht auf das Straßen-Lichtspiel und besonders auf die Ostseite: Hier herrscht ein weiches warmes Laternenlicht, das den gesamten Platz etwas in die Vergangenheit zurückversetzt. Zu Zeiten König Ludwigs I. war diese Durchfahrt den Reitern und Stadtwägen vorbehalten. Die Durchgänge der rechts und links befindlichen Türme wurden früher zum Transport von Gütern verschiedenster Art genutzt, stadteinwärts durch das rechte Tor, stadtauswärts durch das linke – im Gegensatz zu heute.

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Der große Platz zwischen den drei Großbauten bot und bietet sich natürlich für Großveranstaltungen an. 1930 hat sich die NSDAP in der Nähe des Königsplatzes einquartiert, dementsprechend wurde diese Örtlichkeit zum Aufmarschplatz und zu einer Art Kultort der Partei. Am 10. Mai 1933 fand hier die Bücherverbrennung statt. Weitere Infos zur Zeit des Nationalsozialismus findet man unter muenchen.de – Themengeschichtspfad Nationalsozialismus.
Natürlich hinterließen die damaligen Ereignisse ihre Spuren auf dem weiten Platz: zugepflastert und vernachlässigt kenne ich ihn noch aus meiner Kinderzeit. Erst seit 1988 ist er wieder begrünt, lädt zum Rasten und Relaxen ein.

Würde es König Ludwig I. gefallen, was aus seinem Isar-Athen geworden ist? Ich gehe schon davon aus. Er würde sich sicher darüber freuen, dass sein Platz so gut erhalten ist und seine zusammengetragenen Ausstellungsstücke Besucher aus Nah und Fern anziehen. Außerdem haben sich rund um den Königsplatz weitere Kunstsammlungen angesiedelt, sodass man rundum viel Schönes zu sehen bekommt. Ich hoffe, dass er immer noch mit gütigen Augen auf seine Bayern schaut, und natürlich auf die schönen Münchnerinnen (s.a. die Schönheitengalerie von König Ludwig I. in Schloss Nymphenburg).

(Quelle zur Geschichte: KulturGeschichtsPfad 3 – Maxvorstadt – Hg. Landeshauptstadt München, 2. Aufl., 2013, online)

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