Are you using that chair?

Im Münchner MUCA gibt es eine neue Street-Art-Schau. Man hat über 20 Originale von Banksy für eine Ausstellung gewinnen können. Edward Hoppers großes, bekanntes Bild „Nighthawks“ kennt jeder. „Are you using that chair?“ Eine Frage, die man in England in Kneipen und Bars oft hört. „Nein, kannst du haben!“ Aber dass dieser Hooligan in Union-Jack-Boxershorts dann gleich die ganze gemütliche Bar-Idylle stört, indem er damit randaliert, das hätten sich die Figuren auf dem Bild wohl auch nicht gedacht.

Dieses Kunstwerk ist eine rotzfreche Persiflage auf Edward Hoppers „Nighthawks“, und es hängt gleich ziemlich am Anfang der Ausstellung in dem großen Raum. Über vier Meter ist es groß, und es wirkt gewaltig. Es war nur einmal im Original zu sehen, vor ca. 15 Jahren in London in einer Ladenausstellung. Kleine Anekdote am Rande: In dieser Ausstellung damals waren über 160 lebende Ratten, das gehörte zum Happening, die wuselnden Ratten, die Menschen, und wie sie darauf reagierten. Ratten sind nach wie vor Lieblingsobjekte von Banksy. Aber diesmal und hier in München gibt es keine lebendigen Ratten. Die Original Life-Vest ist zu sehen, eine ironische Interpretation von Guido Renis Schinken „Bacchus und Ariadne“ mit Gucklöchern statt Köpfen, und die skurrile Figur von Arielle, der Seejungfrau, so wie sie Banksy 2015 in seinem „Dismaland“, dem Vergnügungspark zum Abgewöhnen, aufgestellt hat. Schön, tatsächlich einmal Banksy-Originale vor sich zu haben. Leider darf man wie immer keine Fotos machen, zu gerne hätte ich so manche Trophäe in meinem Handy mit nach Hause getragen.

Doch es gibt nicht nur Banksy im Original, auch ein wundervolles großes Bild der eineiigen brasilianischen Zwillinge Os Gêmeos ist zu sehen, Werke von Shepard Fairey, Kaws (Brian Donnelly) mit seinen comichaften Figuren, von Invader mit seinen Mosaikbildern, und auch Swoon, die einzige Frau im Saal, ist noch vertreten. Von ihr gab es ja in diesem Jahr eine Soloschau.

Dieses Mal gibt es aber im Untergeschoss auch noch etwas zu sehen. Kunstwerke von Richard Hambleton sind ausgestellt. Düster, fast unheimlich wirken die Schattenfiguren. Lauter anonyme Figuren sind hier, oft nur Spritzer, angedeutete Umrisse mit wenigen Strichen, manchmal auf Gegenstände wie eine alte Telefonzelle angebracht. Hambleton ist 2017 mit 65 Jahren verstorben. Er ist in den 70ern in der Szene um Andy Warhol gewesen, alles wurde ausprobiert, verschiedene Kunststile, aber auch Alkohol und Drogen. Er hätte einmal eine Chance gehabt auf Ruhm und Ehr. Warhol wollte unbedingt ein Porträt von ihm. Doch Hambleton hatte keine Lust. Gegen Ende seines Lebens war er durch seine Heroinabhängigkeit so verarmt, dass er Stück um Stück verkaufen musste, manchmal hatte er nicht einmal Geld für Farbe und malte mit seinem Blut. Wenn man das weiß, dann wirkt der ruhige und unheimliche Raum im Untergeschoss gleich noch viel morbider.

Wegen des Lockdown light kann man den Zauber dieser Ausstellung momentan leider nicht auf sich wirken lassen, aber das MUCA plant seine Wiedereröffnung für den 2. Dezember. Nutzt die Chance, euch sobald wie möglich diese einmaligen Kunstwerke anzusehen, wer weiß, was noch alles kommt.

„Ikonen der Urban Art“ und „Richard Hambleton“
bis 30. Juni 2021 im
MUCA, Museum of Urban and Contemporary Art
Hotterstraße 12
Öffnungszeiten:
Mi – Sa: 10:00-20:00
So: 10:00-18:00
Preise: Regulär 7,50 €, Ermäßigt 5 €

Bild 1 aus: https://www.myartbroker.com/artist/banksy/are-you-using-that-chair/

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