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Münchner G’schichten: Der Großvater des Märchenkönigs: Ein Streetart-Projekt

Ein König im Untergrund

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König Ludwig II., unseren Kini, den „Märchenkönig“, kennt weltweit fast jeder. Sein Großvater Ludwig I. ist außerhalb Bayerns dagegen weit weniger prominent – zu unrecht. Hat er in München doch an fast jeder Ecke seine Spuren hinterlassen. Geboren 1786 in Straßbourg, gestorben 1868 in Nizza, war er König von Bayern von 1825 bis 1848. Er war Zeit seines Lebens nicht der Schönste, hatte aber eine schöne Frau bekommen und mit ihr neun Kinder. Zusätzlich hatte er noch das eine oder andere Gspusi. Eines davon, eine schöne Dame namens Lola Montez, wurde ihm sogar zum Verhängnis.

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Eine der breitesten, wichtigsten und am meisten frequentierten Straßen wurde nach ihm benannt, die Ludwigstraße, links und rechts gesäumt von Prachtbauten.

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Im Jahr 2016 gab der Bezirksausschuss Maxvorstadt dem Münchner Graffitikünstler Loomit den Auftrag, das Leben von König Ludwig I. und seiner Nichte Sisi, der späteren Kaiserin von Österreich, zu illustrieren. Wo? Genau: Mitten auf der Ludwigstraße, in einer Unterführung, die Fußgänger sicher vom Oskar-von-Miller-Ring zur Von-der Thann-Straße bringt. Oben also Prachtbauten, unten eine graue, versiffte Treppe in einen dunklen Tunnel. Nicht jedermanns Sache. Loomit nahm sich der Sache an und verhalf dem Ganzen zu etwas Märchenhaftigkeit und Farbenfreude.

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Die Bilder im Untergrund stehen in engem Zusammenhang mit der Oberfläche. König Ludwig I. von Bayern, der Schöpfer der Straße, ist abgebildet, der bayerische Löwe, bedeutende bayrische Bildhauer und andere schöpferisch tätige Männer, die sich um München verdient gemacht haben wie Leo von Klenze, Carl Spitzweg, Wilhelm von Kaulbach, Friedrich von Gärtner und Ludwig Schwanthaler.

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Man sieht eine Collage mit berühmten Bauten der Herrschaften, oben an der Decke stehen die Namen zur Erklärung. Der Habsburger Adler ist verewigt (mit der Signatur Loomits).

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Und dann sind da noch die beiden Damen, Elizabeth Rosanna Gilbert, auch Lola Montez genannt, und die Nichte des Königs, Sisi, die spätere Kaiserin Elisabeth von Österreich.

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Interessanterweise wurde diese als bayerische Prinzessin im Herzog-Max-Palais direkt über der Unterführung geboren. Von Sisi ist ja überliefert, dass sie sehr an ihrer Figur gearbeitet hat, sie hat oft gehungert und gedarbt und zudem lange, beschwerliche Ausritte zu Pferd gemacht.

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Lola Montez schwebt hier auf den Lorbeerkranz der Bavaria zu, man sieht noch, wie der Bildhauer Ludwig Schwanthaler daran arbeitet. Trotz Lorbeerkranz siegte die Liebe nicht: Ludwig und Lola wurden vom Volk alles andere als geliebt, Ludwig dankte am 20. März 1848 zugunsten seines Sohnes Maximilian II. Joseph von Bayern ab.

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Loomit hat im April 2016 auf rund 100 Quadratmetern diesen Bilderzyklus geschaffen. Als ich jetzt vor kurzem in diese Unterführung zwischen Odeonsplatz und Universität hinabstieg, war ich aufgeregt, ob nicht womöglich alles schon mit Schmierereien unkenntlich gemacht wurde. Aber es ist noch alles recht schön zu erkennen.

 

sb13Die Unterführung wird wohl nicht so stark benutzt. Ich habe sie selber noch nie zur Kenntnis genommen. Ich fahre entweder mit der U-Bahn zum Odeonsplatz oder zur Universität, ich gehe wenn, dann über eine nur wenige Meter weiter entfernt liegende Ampelanlage oder komme gleich auf der richtigen Straßenseite nach oben. So hat sich auch eine ältere Dame gewundert, als sie mich mit der Kamera die Treppe nach oben steigen sah.

„Hamm’s eana des echt traut? Da unten durchzumgeh???“
„Ja freilich! Da unten sind Geschichte, Kultur, Graffitis!!!“
Sie schüttelte über so viel Verrücktheit den Kopf.

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