Kultur: Pandora’s Box Opened, whiteBOX, Werksviertel München

Ist die Büchse erst mal offen …

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In der griechischen Mythologie schenkte Zeus Pandora eine Büchse, die unter keinen Umständen geöffnet werden sollte. Doch Pandora tat es, und der Büchse entwichen Laster, Untugenden und das Schlechte der Welt. War sie einmal geöffnet, konnte man sie nicht mehr schließen, nichts mehr rückgängig machen. Pandora war aus Lehm erschaffen und somit ein künstliches Wesen, wie diese künstlichen Intelligenzen, die man momentan in der whiteBOX vorfinden kann.

„Sophia“ ist ein humanoider Roboter und hat 2017 die Staatsbürgerschaft von Saudi-Arabien erhalten. Im ersten Interview schon antwortet sie auf die Frage, ob sie Menschen zerstören möchte: „Okay, ich werde Menschen zerstören.“

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Das scheint ein Bug gewesen zu sein, den man wohl beheben konnte. Eigentlich hat sie nämlich äußerst menschliche Träume und Vorstellungen:

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In „2001 – A Picasso Odyssey“ wird „2001: A Space Odyssey“ mit den kubistischen Bildern von Picasso vermischt. Legendär in dem Film war HAL 9000, der denkende, sprechende und bis fast zum Ende alles lenkende Roboter.

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Die vollautomatische Maschine „What do machines sing of?“ singt endlos Nummer-Eins-Balladen aus den 90er Jahren und versucht dabei, sich an die menschlichen Gefühle anzupassen. Sie scheint fast eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln.

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„Waifu Synthesis“ ist ein spielerisches Projekt, das Anime-Charaktere singen lässt.

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Jeder Besucher hinterlässt Spuren. Beim Eintreten macht eine Kamera ein Foto. An der Wand sieht man eine Installation mit lauter leeren Feldern. Die „1-Kanal-Machine Learning Software Videoinstallation“ merkt sich kleine Merkmale von jedem Zuschauer. Das geht über die gesamte Dauer der Ausstellung. Am Ende ergibt sich ein neues Bild, eine Vision von einem Idealbild eines Betrachters.

Diese von künstlicher Intelligenz geschaffene digitale Kunst ist jemandem wie mir, der nicht sehr technikaffin ist, schwer zugänglich. Die freundliche, kompetente Dame der whiteBOX hat geholfen zu verstehen. Die Ausstellung hat Eindruck hinterlassen. Ich muss an einen Zeitungsartikel vor einiger Zeit denken, der prophezeite, dass die künstliche Intelligenz eines Tages über uns herrschen wird. Und an den Film Ex Machina: Der Android Ava, dem humanoiden Roboter Sophia vom Anfang der Ausstellung sehr ähnlich, schafft es dort, den Menschen zu hintergehen und statt seiner zu entkommen und somit gerettet zu werden.

Große Künstler haben vor langer Zeit diesbezüglich schon Visionen gehabt. Einige Zitate stehen an den Wänden:

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„Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden.“
Friedrich Dürrenmatt, Die Physiker, 1962
Es bleibt spannend.
Künstler:
Martin Backes, Timo Dufner, Bhautik Joshi, Kyle McLean, Swen Seyerlen
Kurator: Benjamin Jantzen
Ausstellung Pandora’s Box Opened
14. Juli – 18. August 2019
whiteBOX
Atelierstraße 18
81671 München
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag, 10:00 bis 18:00 Uhr
Eintrittspreis frei wählbar

 

http://www.whitebox.art/projekte/pandoras-box-opened/

 

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1 Antwort
  1. basta30
    basta30 says:

    Die Mythologie ist ja dazu da, den Menschen etwas beizubringen, ihnen Sachen zu erklären, Erklärungen für sie zu finden usw. Pandora ist da nur ein Beispiel und lustigerweise scheint man insgesamt sehr wenig Interesse zu haben, zu lernen. Das ist jedenfalls meine Meinung.

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