Nicht nur für Mädchen!
Pink ist längst nicht mehr nur Mädchenkram. Pink ist auch nicht einfach nur Rosa. Das habe ich im Rahmen dieser interessanten Ausstellung in der Pasinger Fabrik gelernt. Pink wird künstlich hergestellt, indem man Rot mit etwas Blau und Weiß mischt. Wird ein wenig Cyan beigemischt, wird aus Pink Violett, eine Farbe, die gerne von friedensbewegten, queeren oder religiösen Menschen benutzt wird. Violett ohne Pink wird zu Blau, eine Farbe, die man gerne mit Jungen assoziiert. Pink war früher – bis zum Rokoko – die Farbe von Adeligen und Regenten. Es stand für Männlichkeit. Später trug der Mann von Welt Schwarz und überließ farbige Kleidung dem Adel. Frau trug ab da Farbe. Als 1959 die erste Barbiepuppe in einer pinkfarbenen Verpackung verkauft wurde, war es soweit: Pink wurde zur „Mädchenfarbe“ und zum Klischee. Pink ist weiblich!
Was fällt uns denn alles ein, wenn wir nur diesen Begriff „Pink“ hören? Die Zeichentrickfilmfigur „Pink Panther“? Die Sängerin Pink? All die Stars und Sternchen in Pink wie Marilyn Monroe oder Reese Witherspoon in „Legally Blonde“?
Die Ausstellung PINK untersucht die symbolischen Bedeutungen der Farbe in der zeitgenössischen Kunst sowie deren gesellschaftliche Vereinnahmung. Da kommt recht viel zusammen!
Paulchen Panther empfängt uns schon im Café. „PINKeln“ hier entlang, verweist ein Schriftzug mit Pfeil an der Wand auf die Toiletten. Und wenn man die Treppe zu den Ausstellungsräumen hinauf geht, ist auch klar: Alles so schön pink hier! Auf jeder Stufe ein Paar Schuhe in pink.
Ein Sofa im Vorraum, mit pinken Kissen, darüber ein überdimensionales Bild, das auf den ersten Blick wie ein Andy Warhol daherkommt:
An einer pinken Tischtennisplatte wird man eingeladen mit den bereitgelegten pinken Schlägern zu spielen, Pink-Pong Pasing heißt die Station.
Man sieht fluoreszierendes Acrylglas, das je nach Lichteinfall in verschiedenen Pinktönen leuchtet. Pinkfarbene Häkelarbeiten, japanisch anmutende Kirschblüten. Sie wirken recht lieblich, doch die Bilder im Hintergrund sprechen eine andere Sprache:
Hier ist viel mit versteckten Botschaften versehen, vieles, das man beim schnellen, unreflektierten Durchgehen nicht erfassen würde. In einem Raum hängen glitzernde Einhörner und Märchenschlösser von oben herab. Darunter liegt eine Fülle von Spielzeug aus Überraschungseiern. Ein Mädchentraum! Es sieht nach einer Geburtstagsparty aus, stellt aber eine Umweltkatastrophe nach. Im Jahr 2017 gab es eine Containerschiff-Havarie vor der Insel Langeoog in der Nordsee. Das Spielzeug wurde am Strand angeschwemmt. Swaantje Güntzel hat daraus ihre Installation „Piñatas“ gemacht.
Manches ist einfach auch nur schön und hat vielleicht gar keine richtige Bedeutung.
Diese Leinwand wurde mit Geschenkbändern in unterschiedlichen Rosa-Tönen eingewickelt, in der Ecke eine pinke Schleife. Überraschung: Nein, es stammt nicht von einer Frau. Der Künstler ist Milen Till:
Die Ausstellung zeigt: Die Welt ist nicht nur Schwarz oder Weiß, sondern oft auch eine richtige Villa Kunterbunt, mit ganz viel Rosa und Pink dabei. Schön!
Präsentiert werden Werke von knapp 30 Künstler*innen. Ein reichhaltiges Rahmenprogramm rundet die Ausstellung ab: Pink Movies (u.a. natürlich „Barbie“), Diskussionen, eine Burlesque-Show, Workshops und Themenführungen.
Kurator*Innen: Stefan-Maria Mittendorf M.A. und Annette Hempfling
Pasinger Fabrik
PINK – Eine Ausstellung über die Bedeutung der Farbe in Kunst und Alltag
August-Exter-Straße 1, 81245 München
Laufzeit: 14. März bis 3. August 2025
Dienstag bis Samstag: 15.00 – 19.00 Uhr
So: 14.00 – 18.00 Uhr
Preis: 6 Euro, ermäßigt 4 Euro
(834)







