Buntes Rosenheim!

Corona, Corona, Corona. Im Jahr 2020 ticken die Uhren anders, Urlaube verlaufen anders, wir müssen uns anders verhalten. Vieles ist nicht machbar, doch Gottseidank kann man Dinge unter freiem Himmel wahrnehmen. Da wäre zum Beispiel, auf die Jagd nach Graffitis zu gehen oder bei deren Entstehung zuzusehen. Von 28. August bis 6. September 2020 fand in Rosenheim im Rahmen der Erlebniswochen „Sommer in Rosenheim“ das TRANSIT ART Festival statt. Nationale und internationale Künstler*innen kamen und brachten ihre individuelle Kunst mit. Damit veränderten sie das Gesicht der Stadt. Man konnte zusehen, wie graue Betonwände sich in überlebensgroße, wundervolle Kunstwerke verwandelten, in eine riesige Gemäldegalerie unter freiem Himmel.

Anwohner, Spaziergänger oder angereiste Fans der Künstler konnten dabei zusehen. Das Festival wollte auch ein Zeichen setzen für hochwertige, moderne Kunst, die man eben nicht immer nur im Museum vorfindet, sondern mitten in der Stadt, mitten unter den Menschen. Es fand ein Austausch zwischen den Zuschauer*innen und den Künstler*innen statt.

Als ich vor Ort war, fand ich eine kleine, liebenswerte, offene Stadt vor, die anders als manche anderen Städte Flächen mitten in der City zur Verfügung gestellt hatte. Dies macht es einem leicht, vom Bahnhof aus mit einem Stadtplan oder Handy in der Hand die einzelnen Mauern schnell zu finden. Ich bin tatsächlich mit Anwohnern ins Gespräch gekommen, die sehr stolz auf ihre Mauer-Galerie waren, beiseite getreten sind, damit ich schöne Bilder machen konnte, mir sogar auf ihrem eigenen Handy auch selbst fotografierte Fotos zeigten.

Hier die Bilder:

Heimwärts, Wand P12 Bahnhof Nord, Eduard-Rüber-Straße 5
Der Walfisch symbolisiert die Reise, deshalb der Standort Bahnhof.
Künstler: Christina Laube und Mehrdad Zaeri. Sie sind gemeinsam das Duo Sourati. Sie leben und arbeiten in Mannheim. 

 

Farbe und Form, Giebelwand Posthöfe, Anton-Kathrein-Straße 4
Hier ist eine 200 m² große abstrakte Malerei aus Acrylfarbe entstanden, die auf Farbe und Form reduziert wurde.
Künstler: Tomislav Topic ist 1985 in Hannover geboren, lebt in Berlin und ist seit über 15 Jahren als Künstler tätig. Er ist als Teil von Quintessenz sowie als Solokünstler weltweit im öffentlichen Raum unterwegs. 

Das Ohr, ehemaliger Filmpalast I, Samerstraße 1
Das Ohr ist das Symbol für Hinhören. Hinhören bitte, denn wenn alles so weiter geht, wird alles zerstört, bis auf den Baum in seiner Glaskugel.
Künstler: Corbinian Nicolai ist 1996 in München geboren. Seine Karriere begann er mit 16 Jahren in Rosenheim, oft zusammen mit der Städtischen Galerie Rosenheim. 

Portrait Lisi Block, ehemaliger Filmpalast II, Samerstraße 1
Lisi Block, geboren bei Rosenheim, wurde nur 19 Jahre alt. Sie fiel dem Holocaust zum Opfer.
Künstler: Julian Strohmeier, 1996 in Rosenheim geboren, kam schon früh zur Street Art. Er möchte Kunstwerke schaffen, die niemand besitzen kann, für jeden frei zugänglich.

Soft Spot, Giebelwand Herzog-Otto-Straße, Herzog-Otto-Straße 9
Hier geht es um Gegensätze. Jeder hat einen zarten Punkt, einen soft spot, ob Tier oder Pflanze. Ein Igel ist stachelig, am Bauch hingegen ganz weich. Die Rose hat Stacheln, aber eine zarte Blüte.
Künstlerin: Hera alias Jasmin Siddiqui ist eine in Berlin lebende Malerin, Wandmalerin und Bildhauerin mit Wurzeln im Graffiti- und Street-Art-Genre. Sie ist Teil des Duos HERAKUT und reist seit 2002 durch die Welt, um großformatige Wandbilder zu malen. 

Dare to believe, Der Astronaut, Rückwand Block 6, Gillitzerstraße 6
Der Astronaut ist auf der Erde, träumt sich aber von dort weg, träumt von dem, was noch kommt. Er ist bereit aufzubrechen.
Künstler: Mr. Woodland (alias Daniel Westermeier, geboren 1981) sprühte sein erstes Bild 1993 unter dem Namen Mono. Seit 2004 nennt er sich Mr. Woodland. Er widmet sich der figürlichen Darstellung, da diese seine Aussagen und Gedanken besser transportieren kann. Seinen Stil beschreibt er selbst als eine Kombination aus zeitgenössischer Malerei mit grafischen Fragmenten und Surrealismus.

Ein besonderer Dank ging von den Veranstaltern, der Städtischen Galerie Rosenheim und der Stadt Rosenheim, unter anderem an Daniel Westermeier (Mr. Woodland) für seine Unterstützung bei der Vorbereitung des Festivals. Er war im letzten Jahr verantwortlich für das „Artding Festival“ in Erding“. Bedankt wurde sich noch bei den Eigentümern der Hauswände für ihr Vertrauen und ihre wohlwollende Haltung und bei den Mietern für die Benutzung ihrer Parkplätze. Das finde ich sehr schön formuliert und auch nicht selbstverständlich.

Wer nicht mit Google Maps loslaufen will, hat hier einen Flyer mit einem Lageplan , und wer will, hier noch ergänzende Infos zu den Murals und den Künstlern.

Rosenheim ist mit dem Zug gerade mal eine halbe Stunde von München entfernt. Ihr könnt also ganz leicht zu diesen Wänden kommen, mit ihren sechs schönen Bildern und den Geschichten, die sie erzählen. Es lohnt sich!

 

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