Am Ende hilft nur Champagner
An Silvester sehen wir gerne Kurzfilme, das hat Tradition, denkt nur an „Dinner for One“. Anke Engelke hat die letzten drei Jahre zusammen mit Matthias Brandt jeweils am Ende des Jahres köstliche Kurzfilme herausgebracht: „Kurzschluss“, „Der zweite Kurzschluss“ und „Kurzschluss hoch drei“. Das Ende des letztjährigen Filmes war aufregend: Die beiden sprangen völlig Thelma-und-Luise-like von ihrem Dach, um sich zu befreien. Ob sie es überlebt haben, weiß man nicht, wahrscheinlich nicht! Denn die Reihe wird nicht fortgesetzt. Angeblich gibt es jetzt eine neue Kurzfilm-Tradition.
Anke Engelke schlüpft jedes Jahr in eine Rolle, die komplizierte Probleme in nur einer halben Stunde lösen muss. In „Eine halbe Stunde ist viel Zeit“ ist Anke Engelke eine Wedding-Planerin und muss eine chaotische Hochzeitsschar durch mehrere Rituale manövrieren, die nächsten Gäste scharren an der Location schon mit den Füßen. Die Hochzeitsplanerin Mareike Berger ist natürlich Profi, sie weiß, wie man den schönsten Tag des Lebens gestaltet. Doch die Zeit ist knapp, und irgendwie spielen alle nicht so richtig mit. Die Hochzeitsgäste sind sehr lahm beim Aufstellen für das Foto, die Braut- und Bräutigam-Eltern reden viel zu lang und viel, und das Servicepersonal ist viel zu langsam. Wie lang kann man noch für eine Champagner-Pyramide brauchen? Dann fängt es auch noch zu regnen an, alle müssen nach drinnen, während draußen der Radkurier doch tatsächlich die falsche Torte abliefert! Trotzdem laviert Mareike energisch das Brautpaar Lydia und Tommy sowie die Gäste durch das Programm. Die Musikerin muss einfach schneller spielen, der peinliche Hochzeitswalzer und der Ententanz müssen schneller vonstattengehen. Ab und zu ein Schluck aus dem Flachmann hilft Mareike gewaltig, und als der leer ist, greift sie zur Champagnerflasche, sieht doch sicher keiner. Wenn ihr denkt, das wäre schon genug an Stoff für eine halbe Stunde, so irrt ihr! Das Brautpaar zankt sich, die Braut zögert, der Hochzeitsfotograf, der zufälligerweise Mareikes Ex ist, trägt auch nicht gerade zu Harmonie bei, und am Ende gibt es noch eine Überraschung.
Das alles war so vergnüglich anzusehen, dass ich mich gerne an diese Tradition gewöhnen will. Ich würde mich freuen über eine weitere halbe Stunde im nächsten Jahr!

Eine halbe Stunde ist viel Zeit
Drehbuch: Michael Ostrowski
Regie: Michael Ostrowski mit Helmut Köpping
Cast: Anke Engelke, Michael Ostrowski, Katharina Gieron, Angelo Alabiso, Stefan Lampadius, Moritz Heidelbach, Déborah Jon, Trish Osmond u.v.m.
Seit 30.12.2025 in der ARD-Mediathek
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