Ein vergnüglicher Abend

 

su_turhan_1Das Theater Drehleier in der Rosenheimer Straße ist an diesem Dienstagabend schon gut gefüllt, als wir den Saal betreten. Zum großen Teil ist weibliches Publikum anwesend, was uns zu der Frage führt: Lesen Frauen mehr als Männer oder lassen sich Frauen lieber vorlesen?

Su Turhan stellt heute seinen neuen Krimi Kruzitürken vor. Bei seiner Premiere zu seinem letzten Roman Bierleichen war ich auch schon dabei, daher habe ich mich sehr über diese Einladung gefreut.

 

Pünktlich um 20.30 Uhr wird der Saal verdunkelt und nur mehr das rot-schwarze Bühnenbild ist erleuchtet. Wie im letzten Jahr sind wieder die Musiker von Duetto, Theo Degler am Akkordeon und Bernhard Seidel am Kontrabass, dabei, sie eröffnen den Abend. Sabine Thomas, die Organisatorin des Krimifestivals München, führt in diese nach ihren Worten „türkisch-bayerische Kriminacht“ ein. Kurz danach erscheint der Meister selbst und kann sich mit Frau Thomas über seinen Lebenslauf unterhalten. Turhan ist in der Türkei geboren und zog mit seiner Familie nach Straubing. Er ist sich nicht sicher, ob er ein türkischer Bayer oder ein bayerischer Türke ist, das hänge meist von der Situation ab, meint er. Die Interviewerin frägt nach, ob es eine Ähnlichkeit zwischen dem Autor und seinem Kommissar, Zeki Demirbilek, gäbe. Su erwidert, dass die Übereinstimmungen immer größer werden, mit jedem Buch mehr, dies ergebe sich vor allem auch durch die intensiven Selbstgespräche während der Schreibarbeit.

su_turhan_3Für denjenigen im Saal, der den Chef der Sonderkommission Migra bei der Münchner Polizei noch nicht kennengelernt hat, gibt es von seinem Schöpfer eine kurze Vorstellung: Zeki ist ein junggebliebener 40-Jähriger, der einen harten Job hat, und er ist ein Grantler, der auch gerne seine zwei Kolleginnen für sich arbeiten lässt. Sein Privatleben spielt in jeden seiner bisher erschienenen Krimis mit hinein (dem Leser zeigt er dadurch auch eine andere Seite des Kommissars, wie ich finde).
Aber an diesem Abend lernen wir nicht nur Zeki besser kennen, sondern auch woher der Titel für das neue Buch kommt: Kruzitürken ist ein bayerisches Schimpfwort (uns war das ja klar). Sein Ursprung liegt aber in der Tatsache, dass die Kuruzen an der Seite der Osmanen kämpften, und dann hieß es „Die Kuruzen und die Türken kommen“, was irgendwann zu dem Fluch „Kruzitürken“ führte.

In Turhans erstem Krimi ging es um Döner, im zweiten um Bier und im neuesten Buch um den Bauchtanz. Für diesen Einfall darf er sich bei seiner Tochter bedanken, die die rhythmischen Bewegungen mit nach Hause gebracht hat. Um sich mit dem Bauchtanz vertraut zu machen, hat er sogar einen Bauchtanz-Kurs besucht, allerdings wollte man ihn dazu bringen mitzutanzen – das hat er verweigert und sich lieber YouTube-Videos zum Thema angeschaut.

Nach einem musikalischen Stück geht es nun aber um einen Toten, der in der Leopoldstraße am Walking Man lehnt (dafür stand der Ploterfinder stundenlang vor dieser Statue – sagt er, ich weiß nicht, warum ich bei dem Gedanken lachen muss). Su Turhan hat sich zwischen die zwei Musikanten platziert und liest uns Teile aus seinem Krimi vor, seine Hände agieren mit. Aber Kommissar Demirbilek muss sich nicht nur mit dem Toten beschäftigen, es gibt auch noch einen grausigen Mord innerhalb einer Bauchtanzgruppe. Aber es trieft nicht nur von Blut, auch der Witz und Charme des türkisch-bayerischen Kommissars wird untergebracht. Die Zuhörer amüsieren sich. Wenn zwischen den Lesungen die Musik einsetzt, kann man Turhan dabei beobachten, wie er sich dazu bewegt, ein herrliches Schauspiel. Wenn man von Demirbilek spricht, ist einer natürlich nicht weit: Pius Leipold, diese Figur ist einfach nicht mehr wegzudenken aus Turhans Krimis. Er ist eine Art Gegenpart zum Migra-Leiter, der seinen eigenen Witz und Grant verbreitet. Dieses Mal spielt Leipold einen größeren Part: Er muss den Kommissariatsleiter Weniger vertreten. Da kann man sich ja auf was gefasst machen …

su_turhan_4Nach der Pause gibt es Musik und eine Bauchtanzdarbietung, das Publikum klatscht mit und ist begeistert. Situationsbezogen bringen Duetto immer wieder Überraschungen: im Bezug auf die rot erleuchtete Allianz-Arena erklingt „Stern des Südens“, so manche Handyklingeltöne sind zu hören und Pius Leipold erkennt man an einer bayerischen Melodie, herrlich! Zum Ende dieser Lesung können wir auch noch das Tatort-Intro hören, der tosende Applaus gehört nicht nur Su Turhan, auch Theo Degler und Bernhard Seidel haben zum sehr guten Gelingen dieses kurzweiligen Abends beigetragen.

Auf die Frage von Frau Thomas, ob denn schon ein Nachfolger für Kruzitürken geplant ist, kam heraus, dass der nächste türkisch-bayerische oder bayerisch-türkische Krimi den Bieranstich zum Thema hat und im September erscheinen wird.

su_turhan_5Wie auch schon bei der letzten Buchpremiere wurden wir wieder gut unterhalten. Su Turhan ist als Vortragender sehr sympathisch, die Musikanten und er sind ein eingespieltes Team. Wer sich jetzt denkt, schade, schon vorbei, bekommt noch eine Gelegenheit. Es gibt einen zweiten Termin im Theater Drehleier in München am 28. Februar. Also schnell Karten besorgen, es lohnt sich!

Weitere Lesungen von Su Turhan gibt es am

 

Dienstag, 24.02.2015
Kulturzentrum Taufkirchen
Köglweg 4
82024 Taufkirchen
(Beginn: 20.00 Uhr – Eintritt: 10 Euro)

 

Freitag, 27.02.2015
Rathausfoyer Schwabhausen
Münchener Straße 12
85247 Schwabhausen
(Beginn: 19.00 Uhr – Eintritt: 5 Euro)

 

Montag, 16.03.2015
Café Ruffini
Orffstraße 22-24
80637 München
(Beginn: 20.00 Uhr)

 

Homepage Su Turhan
Kruzitürken beim Droemer Knaur Verlag
Programm des Krimifestivals München

 

Vielen Dank an modermichl für die Bilder!

 

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