Mythen im Metal: Das Pentagramm

Pentagramme – voll trve oder was?

Ein Symbol, das in der Schwarzen Szene seit jeher beliebt ist, ist das Pentagramm.

  Viele Bands nutzen es, manche auch in adaptierter Form, zum Beispiel HIM mit dem Heartagram, und kein Metaller fühlt sich ohne Pentagramm auf der Kutte so richtig trve. Man könnte fast meinen, das Pentagramm ist das Symbol für alles, was irgendwie „evil“, „trve“ und eben richtig „schwarz“ ist.
Leider liegt man damit auch so richtig falsch. Auch Dan Brown hat es in Sakrileg nicht unbedingt richtig getroffen: Das Symbol ist zwar uralt, hat aber nichts mit irgendwelchen Archetypen von Gut und Böse oder Mann und Frau zu tun.
Archäologisch lässt sich das Zeichen bereits in steinzeitlichen Höhlenmalereien, die mit Feuersteinklingen in Felswände geritzt wurden, nachweisen. Über seine damalige Bedeutung kann man allerdings nichts aussagen, die Weltanschauung und Symbolsprache unserer Urvorfahren ist uns trotz aller Forschung zu fremd.
Sicher belegen lässt sich die Bedeutung des Pentagramms allerdings bei den Sumerern, wo es ein architektonisches Kürzel war. Auch Pythagoras interessierte sich für seine rein geometrische Form als Hilfsmittel bei der Konstruktion eines gleichseitigen Fünfecks. In der Astronomie wurde es im griechischen Altertum ebenfalls vielfach verwendet und kam hier zum ersten Mal auch zu einer nachgewiesenermaßen übertragenen Bedeutung: Als Symbol für einen immerwährenden Kreislauf.
Das frühe Christentum war stark von verschiedenen altgriechischen Philosophien und der jüdischen Zahlenmsytik geprägt, wo die Zahl Fünf eine große Rolle spielte. Dementsprechend entwickelte sich das Pentagramm zu einem Zeichen des ewigen Lebens, wobei seine fünf Spitzen die fünf Wunden Christi am Kreuz symbolisieren sollten. Jahrhundertelang war das Pentagramm ein beliebtes Schutzzeichen, das Böses abwehren und Gesundheit bringen sollte.

Wie kam nun dieses Symbol zu seiner Bedeutung als Inbegriff des Bösen? Nun, es klingt wie eine Verschwörungstheorie, aber tatsächlich tragen daran unter anderem die Freimaurer Schuld. Sie interessierten sich für Pythagoras und jüdische Zahlenmystik ebenso wie den Volksglauben an die Schutzwirkung des Pentagramms – und folgerten irgendwann wahrscheinlich im Laufe des 17. Jahrhunderts, dass ein umgedrehtes Pentagramm also die gegenteilige Wirkung haben und ein Symbol des Satans sein müsse. Dieses Zeichen wurde bald als Drudenfuß bekannt und symbolisierte schnell alles, was irgendwie böse sein sollte. Allerdings waren die Freimaurer ein relativ sekretiver Geheimkult, somit fand das umgedrehte Pentagramm vorerst keine weite Verbreitung als Symbol des Teufels.
Auch unser Nationaldichter Goethe ist mit Schuld: In Faust jammert der teuflische Mephistopheles: „Das Pentagramma macht mir Pein.“ Man kann also davon ausgehen, dass zu Goethes Zeiten zumindest in der gebildeten Oberschicht das Pentagramm auch noch als Abwehrzeichen bekannt war.
Im 19. Jahrhundert nahm sich dann der Okkultismus von Frankreich ausgehend des Pentagramms an: Erst nutzte man es nur in umgedrehter Form, später allerdings auch die ursprünglich „gute“ Form als Symbol des Satans. In den 1960ern wurde das Pentagramm unter Satanisten zum ultimativen Symbol des Bösen, es ziert sowohl das Siegel der Church of Satan als auch zahlreiche Schriften von Anton LaVey.
Klar, dass die aufkeimende Metal-Szene seit den 80ern auf den Zug aufsprang: Womit könnte man besser provozieren und zeigen, wie evil und trve man ist, als mit dem Zeichen von Satan selbst? Die großen Kirchen verwenden das Symbol wegen seines Bedeutungswandels heute nicht mehr, allerdings hat das Pentagramm trotz seiner neuartigen Verwendung in Europa und Nordamerika in anderen Kulturkreisen nichts von seiner positiven Symbolik eingebüßt – oder glaubt irgendjemand ernsthaft, dass der König von Marokko ein satanisches Symbol auf seiner Flagge haben will?

Ein Pentagramm ziert die Flagge Marokkos.

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