Mythen im Metal: Sleipnir

Sleipnir – oder wie ein Pferd zu acht Beinen kommt

Ein beliebtes Motiv in diversen Metal-Genres ist Sleipnir, das Pferd Odins. Manowar haben einen Song nach ihm benannt, und mit Flight of Sleipnir heißt gleich eine ganze Band nach ihm. Auch im rechten Spektrum muss das Tier immer wieder als Namensgeber oder sogar Symbol für Albumcover herhalten, auf die ich hier natürlich nicht näher eingehen möchte. Aber warum eigentlich, was kann an einem Pferd schon so Besonderes sein?

Nun ja, da gibt es bei Sleipnir einiges: Einerseits gilt er in der Edda als bestes und schnellstes Pferd der Welt, andererseits hat er mit Odin natürlich auch einen berühmten Reiter. Seine acht Beine ermöglichen ihm, die Unterwelt zu betreten.


Wer sich nun fragt, wie so ein Pferd an diese ungewöhnliche Anzahl Beine kommt, ist in guter Gesellschaft: Wissenschaftler streiten bis heute über die Bedeutung des achtbeinigen Pferdes. Lange Zeit ging man davon aus, dass Sleipnirs acht Beine, die auch auf vielen Runensteinen deutlich dargestellt sind, hauptsächlich ein Symbol für seine besondere Stellung als schnellstes aller Pferde sein sollten. Man traute den Wikingern sozusagen nur folgende Logik zu: Doppelte Anzahl an Hufen – doppelt so schneller Galopp.

Mittlerweile sehen viele Forscher das aber etwas anders: Die eigentlich wichtigste Eigenschaft von Sleipnir ist ja gar nicht seine Geschwindigkeit, sondern seine Fähigkeit, seinen Reiter in die Unterwelt und auch heil wieder aus dieser heraus zu tragen. Normalerweise konnten im Glauben der Wikinger aber nur Tote die Unterwelt betreten, und zwar nachdem sie von vier Sargträgern – also auf acht Beinen – zur Bestattung getragen worden waren. Die acht Beine von Sleipnir könnten also auch für die Träger der Toten stehen und Sleipnir so zu einem Mittler zwischen den Welten der Lebenden und Verstorbenen machen.

Warum nun ausgerechnet Sleipnir für diese Rolle so geeignet ist, könnte in seiner etwas ausgefallenen Familiengeschichte begründet sein: Er ist der Sohn des listigen Asen Loki, der sich in eine Stute verwandelte und mit dem Hengst Svadilfari ein Schäferstündchen einlegte. Der Hengst wiederum sollte eigentlich den Frostriesen dabei helfen, eine Mauer um Asgard zu bauen, ließ sich aber ablenken. Sleipnir ist also halb Gott und halb Pferd, hat Verbindungen zu Asen und Riesen. Nachdem Loki ihn gebar, schenkte er ihn Odin als Reitpferd.

Sleipnir ist also weit mehr als einfach nur ein Transportmittel, allerdings wird er im Metal meistens nur als Reitpferd Odins anerkannt. Dass Odin ohne ihn gar nicht zwischen den Welten wandeln hätte können, wird dabei gerne vergessen. Höchste Zeit also, dass die Texter sich auch einmal Sleipnir als Träger der Toten widmen. Und eigentlich ein tolles Motiv für die schwarze Szene – ein Pferd, das den Tod symbolisiert.

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